Waldbegehung des Buchener Gemeinderates - Ehemalige Saatschule wird saniert / Brunnen freigelegt / Konflikte mit Mountainbikern „Der Wald ist voll mit Totholz“

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mb
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Bei ihrer jährlichen Waldbegehung informierten sich Stadträte über den Zustand im Stadtwald. © Martin Bernhard

Die Trockenheit, die Herausforderungen bei der Holzvermarktung und Konflikte mit Mountain-Bikern waren Schwerpunkte bei der Waldbegehung des Buchener Gemeinderates.

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Buchen. Der Buchener Stadtwald leidet immer noch unter starker Trockenheit. Bei seiner jährlichen Waldbegehung haben sich am Freitagnachmittag Stadträte und Vertreter der Stadtverwaltung über die Lage im Stadtwald informiert. Die beiden Forstrevierleiter Bernhard Linsler und Hermann Fischer führten die Teilnehmer zu Fuß durch den Arnberg.

Bernhard Linsler informierte zunächst über eine Fläche, die durch Windwurf und Borkenkäfer geschädigt worden war. Im Jahr 2014 habe man auf einer Fläche von 1,6 Hektar Eiche mit Hainbuche angepflanzt, insgesamt 6600 Pflanzen. Die Kultur sei mit einem Gesamtaufwand von rund 17 000 Euro recht teuer. Douglasien würden nur etwa 7000 Euro kosten. Die Eiche sei allerdings ein klimastabiler Baum und bringe einen höheren Ertrag.

Neue Bänke aufgestellt

Nächste Station war der sogenannte Keltenbrunnen. Diesen, sowie das Birken- und Saubrünnle, habe man im Frühjahr wieder freigeräumt und neue Bänke aufgestellt. Da die Waldarbeiter dies in Eigenleistung vollbrachten, hätten sich die Kosten dafür in Grenzen gehalten. Demnächst sollen Schilder aufgestellt werden, die auf die Brunnen hinweisen.

Boden hält das Wasser nicht

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Beim nächsten Halt wies Linsler auf die Auswirkungen der Trockenheit auf den Wald hin. Das minderwertige vom Borkenkäfer befallene Holz lasse sich nicht kostendeckend verkaufen. Er wies auf Buchen und Ahornbäume hin, deren Kronen wegen der Trockenheit kaputt gingen. „Rotes Laub weist darauf hin, dass der Baum wahrscheinlich stirbt“, sagte Linsler. „Der ganze Wald ist voll mit Totholz.“ Der Boden halte das Wasser nicht. Die Eiche käme mit diesen Bedingungen noch zurecht. „Aber die Buche ist unser Sorgenkind.“

Weniger Mitarbeiter im Forst

Erfreulicher war für die Stadträte die kurze Rast an der ehemaligen Saatschule. Dort erhielten die Teilnehmer nicht nur ein Pausengetränk, sondern erfuhren, dass die Waldarbeiter das alte Gebäude in Regenzeiten renovieren. Man habe die Wände gedämmt, den Strom neu verlegt und sanitäre Anlagen eingebaut. Derzeit hausten in dem Haus noch Siebenschläfer. Beigeordneter Benjamin Laber entdeckte hinter einem Fensterladen eine Fledermaus.

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Bürgermeister Burger erinnerte daran, dass die Stadt in den 1980-er Jahren noch 28 Mitarbeiter im Forst eingesetzt hätte. Dank zunehmender Mechanisierung wurde die Zahl auf 5,6 Mitarbeiter reduziert. In der ehemaligen Saatschule würden schon seit Jahren keine Pflanzen mehr aufgezogen.

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Weiter ging es Richtung Saubrünnle. Linsler und Praktikant Lukas Haas informierten darüber, dass die Douglasie eine der wenigen Bäume sei, die man derzeit ohne Preisabschläge verkaufen könne. In diesem Jahr habe man insgesamt 1400 Douglasien gesetzt und dafür fast 12 000 Euro investiert. Während im Odenwald der Großteil der Pflanzen anwuchs, seien bei Götzingen und Bödigheim viele Pflanzen vertrocknet. So habe man im Bauland Douglasienpflanzen auf einer Fläche von 30 Hektar durch Trockenheit verloren, auf dem Lausenberg bei Götzingen allein 150 Pflanzen.

42 000 Pflanzen gesetzt

Nach den Worten von Haas setzten die Waldarbeiter im vergangenen Jahr 42 000 Pflanzen. Dafür gab man, einschließlich Pflegemaßnahmen, rund 80 000 Euro aus. Mit Kindern aus dem Jugenddorf Klinge habe man Pflanzen im Bauland bewässert. Dadurch seien 85 Prozent der Kulturen angewachsen. „Das ist ein stolzer Wert“, stellte Bernhard Linsler fest.

Beim Saubrünnle wies Roland Burger auf Konflikte mit Mountainbikern hin. Diese hätten ohne Genehmigung Trails im Arnberg angelegt mit behelfsmäßig zusammengezimmerten Einbauten aus Holz. „Wir können nicht dulden, dass im Stadtwald Hänge wild heruntergefahren werden“, sagte Burger. Grundsätzlich könne er sich allerdings vorstellen, dass zwei Trails ordnungsgemäß angelegt werden könnten. Mitte Oktober werde er sich deshalb mit Mountainbikern zu einem Gespräch treffen. Auch der zuständige Jagdpächter werde daran teilnehmen. Die Biker müssten die Verkehrssicherungspflichten der Strecken übernehmen. Möglicherweise werde die Sektion Buchen im Deutschen Alpenverein eine Abteilung „Mountainbike“ einrichten.

Anschließend sprach Hermann Fischer über rechtliche Rahmenbedingungen in Bezug auf Naturschutz und Waldbewirtschaftung. Diese werde die Stadt im nächsten Jahr in ihrem neu aufzustellenden Zehn-Jahres-Plan zur Waldbewirtschaftung mit einbeziehen.

Mit einem Powerpoint-Vortrag informierte Forstbetriebsleiter Helmut Schnatterbeck die Stadträte über die Herausforderungen bei der Vermarktung des Holzes. Nach seinen Worten nimmt die Trockenheit in den Wäldern des Odenwalds zu. Immer mehr Schadholz komme auf den Markt. 2021 werde das Holzangebot voraussichtlich seinen Höhepunkt erreichen. Schnatterbeck erwartet, dass in den nächsten fünf Jahren insgesamt 500 Millionen Festmeter an Schadholz in Europa auf den Markt kommen werden. Der Corona-Lockdown habe zudem den Absatz von Holz in diesem Jahr ins Stocken gebracht. „Die Erlöse sind nicht mehr annähernd kostendeckend“, sagte er. Vor allem im Kleinprivatwald lasse deshalb die Lust auf Waldbewirtschaftung spürbar nach. „Ein Ende der aktuellen Situation ist nicht absehbar“, schloss Schnatterbeck seinen Vortrag. mb