Die Entstehung der „Getzemer Narre“ - Am Fastnachtsdienstag 1954 wurde die FG gegründet / Früher als „Kirschendorf des Baulandes“ bekannt Dem Arbeitseifer ist der Name zu verdanken

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Rathauserstürmung 1959: Auf dem Bild sind zu sehen (von links) Walter Jaufmann, Inge Jaufmann, Bürgermeister Josef Friedlein, Prinz Werner I. von Bürokratien (Werner Matt) und Inge Holderbach. © Thorsten Englert

Götzingen/Hardheim. Nachdem Corona-bedingt in diesem Jahr die traditionelle Straßenfastnacht ausfallen muss und nur online stattfinden kann, lohnt sich ein Blick in die Chroniken der einzelnen Fastnachtsgesellschaften. Walter Bechtold aus Hardheim, der aus Götzingen stammt und vielen im Umkreis als langjähriger Hausmeister und Wirt des Pfarrheims in Hardheim bekannt ist, hat hierfür sein Fotoarchiv geöffnet.

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Ein Zentrum und eine der Fastnachtshochburgen des badischen Frankenlandes ist zwar in Buchen, wo sich fast lückenlos die Geschichte über das Fastnachtsbrauchtum vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart verfolgen lässt. Doch auch im Stadtteil Götzingen herrscht normalerweise eine ordentliche Fastnachtsstimmung. Dies ist in vielen Ortschaften mit überwiegend katholischer Bevölkerung weit verbreitet, sind doch viele Fastnachtstraditionen trotz heidnischen Ursprungs als Spitze gegen die kirchliche und heutzutage auch weltliche Obrigkeit zu sehen und haben eine lange Tradition. Nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges, der harten Arbeit des Wiederaufbaus und der Integration der Vertriebenen aus den Ostgebieten hatten die Menschen ihren Humor und ihre Fröhlichkeit nicht verloren.

Das Feiern der Fastnacht war eine gute Gelegenheit, die Sorgen und Nöte des Alltages zu vergessen. In der Chronik von Götzingen ist zu lesen, dass Anfang der 1950er-Jahre die freie unorganisierte und auf privaten Initiativen basierende „Getzemer Faschenoacht“ schwächelte. Daraufhin ergriffen die Jung-Narren Eugen Schifferdecker, Hubert Müller und Otto Link die Initiative und hoben mit Unterstützung des „Narren-Vaters“ Leo Volk am Fastnachtsdienstag 1954 die Fastnachtsgesellschaft „Getzemer Narre“ aus der Taufe. Es wurde ein junger Elferrat vereidigt und bereits 1955 die erste Kampagne organisiert, was damals ein mutiger Schritt in dem rund 850 Einwohnern zählenden Dorf und den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen war. Dass es allerdings die richtige Entscheidung war und der Mut belohnt wurde, zeigt der beachtliche Aufschwung, welchen die „Getzemer Faschenoacht“ nahm und welchen guten Ruf sie weiterhin hat.

Der Chronik ist auch zu entnehmen, dass die Bezeichnung „Getzemer Narr“ von ihrem Ursprung her nichts mit dem Narren als Hofnarr gemein hat. Als „die Götzemer Narre“ wurden die Bürger Götzingens ob ihres unermüdlichen Werkelns und manchmal etwas übertriebenen Arbeitseifers in den Nachbargemeinden ironisch tituliert. Und da man in „Getzi“ humorvoll ist, haben sich die Gründerväter für diese traditionsträchtige Namensgebung entschieden.

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Während der Zeit der Fastnachtskampagne wird Götzingen allerdings als „Herzkerschehausen“ bezeichnet, da es früher weithin als „Kirschendorf des Baulandes“ einen ausgezeichneten Ruf und Namen hatte. te