In der Corona-Krise - Michael Jaufmann berichtet als Kreisvorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg über die Auswirkungen für die Fahrschulen „Dann wird es für alle existenzbedrohend“

Von 
Martin Bernhard
Lesedauer: 
Michael Jaufmann weiß: Der entgangene Umsatz kann nicht mehr aufgeholt werden. Die Fahrlehrer dürfen nämlich nur elf Schulstunden oder 495 Minuten am Tag Fahrstunden erteilen. © Martin Bernhard

Auch die Fahrschulen in der Region sind von der Corona-Krise schwer getroffen. Michael Jaufmann ist Kreisvereinsvorsitzender des Fahrlehrerverbandes und leitet eine eigene Fahrschule.

AdUnit urban-intext1

Neckar-Odenwald-Kreis. Eine Vollbremsung im Geschäftsleben bedeutet die Corona-Krise auch für Fahrschulen. Seit 17. März dürfen sie keinen theoretischen Unterricht erteilen und auch keine Fahrstunden geben. Die Fränkischen Nachrichten sprachen mit Michael Jaufmann, Kreisvereinsvorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg, über die Lage. Der 49-Jährige leitet ohne weitere Mitarbeiter die Fahrschule „Shortcut“ in Osterburken.

Herr Jaufmann, wie ist Ihre Situation?

Jaufmann: Das ist eine miese Situation. Je mehr Gedanken man sich macht, desto unangenehmer ist es. Nach dem jetzigen Stand dürfen Fahrschulen wieder am 20. April öffnen. Fünf Wochen ohne Arbeit – das wäre sehr hart, aber überschaubar. Leider ist es nicht auszuschließen, dass das Arbeitsverbot verlängert wird. Dann wird es existenzbedrohlich – für uns alle.

AdUnit urban-intext2

Wie wirkt sich die Lage finanziell aus?

Jaufmann: Der entgangene Umsatz ist weg. Den können wir Fahrlehrer nicht mehr reinholen. Denn wir dürfen nur elf Schulstunden oder 495 Minuten am Tag Fahrstunden erteilen. Deshalb können wir den entgangenen Umsatz später nicht aufarbeiten.

AdUnit urban-intext3

Wie ist die Situation für Fahrschüler?

AdUnit urban-intext4

Jaufmann: Prüfungsreife Fahrschüler trifft die Situation besonders hart. Nach Corona brauchen diese Schüler voraussichtlich die eine oder andere Fahrstunde zusätzlich, bevor sie die praktische Prüfung ablegen können. Toll ist, dass trotz des Ausbildungsverbotes sich noch neue Fahrschüler anmelden. Diese können die schulfreie Zeit nutzen, um sich mit dem Online-Lernprogramm auf die theoretische Prüfung vorzubereiten.

Nehmen Sie staatliche Hilfe in Anspruch?

Jaufmann: Ich habe die Soforthilfe noch nicht beantragt. Der Fahrlehrerverband empfahl, bis Anfang April damit zu warten. Immerhin konnte ich noch bis Mitte März arbeiten. Gerade habe ich die letzten Rechnungen an meine Kunden geschickt. Ich werde auf alle Fälle zeitnah einen Antrag auf Soforthilfe stellen müssen. Die staatliche Hilfe ist für mich überlebensnotwendig.

Haben Sie sonst Hilfe in Ihrer Situation erhalten?

Jaufmann: Die Fahrlehrer-Versicherung hat den Beitrag für die Zeit des Verbots ausgesetzt. Vorher hatte ich schon mein Fahrschulauto abgemeldet, um Kosten zu vermeiden.