Frauen der Reformation - Autorinnen aus der Region Odenwald-Tauber beleuchten Leben und Schicksal bemerkenswerter Persönlichkeiten / Broschüre für Gruppenarbeit Biografien so spannend wie ein Roman

Von 
Maria Gehrig
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Die Broschüre "Mutig , klug und überzeugend" über Frauen der Reformation (nicht nur) im Südwesten beschreibt spannend das Leben bemerkenswerter Persönlichkeiten zu Zeiten Martin Luthers. An ihr haben auch Autorinnen aus der Region Odenwald-Tauber mitgewirkt. Das Bild zeigt (von links) Regina Köhler, Gardis Jacobus-Schoof und Rose Waschek.

© Maria Gehrig

"Mutig , klug und überzeugend" lautet der Titel einer Broschüre über Frauen der Reformation (nicht nur) im Südwesten. An ihr haben Autorinnen aus der Region Odenwald-Tauber mitgewirkt.

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Odenwald-Tauber. Welche Rolle spielen Frauen bei der Reformation? Warum riskieren sie persönlich so viel? Welchen Einfluss nimmt diese Zeit des Umbruchs auf die Frauen? Viele Fragen tauchen auf, blickt man zurück auf die Zeit Martin Luthers, in der vorwiegend Männer die Hauptrollen spielen. Von Frauen ist nur ganz selten die Rede. Bis jetzt.

Anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reformation" nehmen Frauen von heute vielerorts ihre Geschlechtsgenossinnen von damals in den Blick und begeben sich auf Spurensuche. Endlich, werden Interessierte denken. Denn die Biografien und Schicksale der Frauen, welche die Reformation gefördert und mitgeprägt haben, lesen sich spannend wie ein Roman.

Die Landesstelle für Evangelische Erwachsenen- und Familienbildung in Baden sowie die Stelle "Evangelische Frauen in Baden" geben jetzt gemeinsam eine informative Broschüre mit dem Titel "Mutig, klug und überzeugend - Frauen der Reformation (nicht nur) im Südwesten" heraus. Sie wurde in der katholischen Diözesanstelle der Erzdiözese Freiburg in Hainstadt vorgestellt, was verdeutlicht, dass die beiden großen Konfessionen sich in Teilen als schriftstellerisches Team präsentieren.

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Denn die Betrachtung zweier Frauen der Reformation - Felicitas von Selmenitz und Caritas Pirckheimer - ist als ökumenisches Gemeinschaftswerk zu verstehen, das als Vorlage für Veranstaltungen konzipiert ist. Sie stammt von Gardis Jacobus-Schoof (Regionalbeauftragte bei der evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber) und Regina Köhler (Referentin für Frauenpastoral der katholischen Diözesanstelle Odenwald-Tauber).

Felicitas von Selmenitz hat sich überzeugt der neuen Glaubensrichtung angeschlossen; Caritas Pirckheimer wollte trotz Aufgeschlossenheit für die reformatorischen Gedanken lieber weiter im Kloster leben. Nicht nur die unterschiedlichen Lebensläufe der historischen Figuren finden Eingang in das Werk zum Jubiläum der Reformation, sondern auch die geschichtliche Einordnung und ein Fragenkatalog an die Hauptakteurinnen.

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Zusätzlich hat sich Gardis Jacobus-Schoof dem Leben der Gräfin Barbara von Wertheim gewidmet, deren alles andere als geradlinig verlaufener Lebensweg sie nach einem Besuch des Grafschaftsmuseums so fasziniert, dass sie - als begeisterte Theaterfrau - daraus eine Leseszene für drei Frauen verfasst hat.

Aufgeschlossene Haltung

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Darin eingebettet sind zwei, vom früheren Wertheimer Stadtarchivar Erich Langguth übersetzte Briefe, die ihre aufgeschlossene Haltung gegenüber der Reformation offenlegen. "Gräfin Barbara war eine markante Person", betont Gardis Jacobus-Schoof. Die Adlige übernahm als Witwe die Vormundschaft für ihren noch kleinen Sohn und wurde nach dem Tod ihres Mannes während der zweiten Schwangerschaft noch einmal Mutter einer gemeinsamen Tochter.

Die dritte Autorin aus der Region, Rose Waschek (ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Evangelischen Frauenarbeit des Kirchenbezirks Adelsheim-Boxberg und bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber), stellt Elisabeth Silbereisen, die Frau des Reformators Martin Bucer, vor. "Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Frau aus dem Volk, doch über diese gibt es keine Aufzeichnungen", erklärt die Osterburkenerin. Nur in Adelshäusern oder Klöstern war das Schreiben üblich. Doch sie wurde fündig mit dem Buch von Doris Ebert über die gebürtige Mosbacherin Silbereisen, deren Porträt - von der Nonne zur Pfarrfrau - den Leser richtiggehend berührt.

Komplettiert wird das Heft mit Beiträgen weiterer Autorinnen über Katharina Zell, Olympia Fulvia Morata, Margarete Blarer und Wibrandis Rosenblatt. "Das Heft soll informieren, gleichzeitig aber auch Anregung für Gruppen sein, wie man mit dem Thema umgehen kann", so Regina Köhler. "Unser ökumenischer Beitrag zum Luther-Jahr hat bisher viel Verständnis geweckt zu den Beweggründen von Frauen, zur Zeit der Reformation, welchem Glauben sie nun folgen wollten", fügt Gardis Jacobus-Schoof an. Für Rose Waschek, die Kirchengeschichte überaus spannend findet, waren die Recherchen zur Broschüre "einfach nur bereichernd".