Aufführung von Shakespears "Der Sturm" in der Stadthalle Buchen - Theaterkurs von ZGB und HWS bot "große Theaterkunst, von Schülern gemacht" Besucher mit Professionalität begeistert

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Martin Bernhard
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Ausdrucksstark war das Theaterspiel der Schülerinnen und Schüler. So auch das von Hauptdarsteller Aaron Krafft als Prospero und seiner Widersacherin Antonia (Sabrina Heimrich).

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Der Theaterkurs der Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB) und der Helene-Weber-Schule (HWS) begeisterte am Sonntagabend rund 400 Zuschauer mit "Der Sturm" in der Stadthalle Buchen.

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Buchen. Schade, dass es - anders als bei Konzerten - nach Theateraufführungen keine Zugabe geben kann. Denn vermutlich hätte jeder, der sich am Ende der Aufführung von Shakespeares "Der Sturm" zum Applaudieren erhob, sich gefreut über einen Nachschlag von dieser leidenschaftlichen und ausdrucksstarken Schauspielkunst.

Rache oder Versöhnung? Mit dieser Frage konfrontierten einige Darsteller das Publikum bevor die eigentliche Aufführung begann. Mithilfe einer Projektion wurde stürmische See auf einer Leinwand dargestellt. Der Steuermann verlor die Kontrolle über das Schiff, Mannschaft und Passagiere gingen über Bord und strandeten auf einer vermeintlich einsamen Insel. Dort herrschte dank seiner magischen Kräfte Prospero über das "Ungeheuer" Caliban und den Luftgeist Ariel sowie über andere Geister und Göttinnen. Prospero war vor Jahren um seine Herrschaft in Mailand betrogen und mit seiner kleinen Tochter auf dem Meer ausgesetzt worden. Er hatte sich auf diese Insel gerettet, die er dank seiner Zauberkraft beherrschte.

Dass in der Buchener Inszenierung einige der in der Originalversion des Stücks ursprünglich männlichen Personen in weibliche umgewandelt worden waren, war wohl dem Mangel an männlichen Darstellern geschuldet, tat der Handlung aber keinen Abbruch. So wurde aus Prosperos Bruder Antonio die Schwester Antonia, die seinerzeit sich unrechtmäßig den Thron in Mailand angeeignet hatte. Ihr Bündnispartner aus Neapel mutierte vom Alonso zur Alonsa, der Kerkermeister Stephanio zur Stephania und der Hofnarr Trinculo zur Trincula.

Unter Kontrolle

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Prospero hatte mit Ariel den Sturm absichtlich herbeigeführt, um seine betrügerische Verwandtschaft mit ihrem Tross unter seine Kontrolle zu bekommen. Es entspann sich ein munteres, zeitweise auch humorvolles Intrigenspiel, das schließlich gut endete: Antonias Sohn Ferdinand verlobte sich mit Prosperos Tochter Miranda, und Prospero erhielt sein ihm zustehendes Herzogtum Mailand zurück. Im Gegenzug entsagte er jeglicher Magie.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler hatten sich innerhalb eines Jahres nicht nur den Text ihrer Rollen, sondern das Drama als Gesamtheit zu Eigen gemacht. Dies brachte Schulleiter Oberstudienrat Christoph Kieser nach der Aufführung auf den Punkt: "Wir haben heute kein Schülertheater gesehen, sondern große Theaterkunst, von Schülern gemacht." Die Professionalität in Bewegung und Ausdruck, in Betonung und Modulation der Stimmen überraschte das Publikum im positivsten aller Sinne. Mit Schauspieltalent besonders gesegnet zu sein scheinen Aaron Krafft, der dem Prospero Würde und Entschlossenheit verlieh, Jon Berger, der auf der Bühne seine Identität mit der des Ungeheuers Caliban vertauscht zu haben schien, sowie die beiden sehr authentisch agierenden Julia Gramlich als Stephania und Franziska Schneider als Hofnarr. Bühnenbild und Kostüme trugen ihren Teil dazu bei, die Aufführung äußerst professionell erscheinen zu lassen. Besondere Anerkennung und Dank erhielt von allen Darstellerinnen und Darstellern, der Schulleitung und dem Publikum Daniela Allin, die als Leiterin des Theaterkurses verantwortlich für die gelungene Inszenierung zeichnete.

Die Mitwirkenden

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Aaron Krafft (Prospero), Greta Lowak (Miranda), Leander Landkraf (Ferdinand), Sabrina Heimrich (Antonia), Albiona Ismaili (Sephora), Lena Farrenkopf (Alonsa), Sascha Rickert (Gonzalo), Noah Ishalomi (Adrian), Julia Gramlich (Stephania), Franziska Schneider (Trincula), Jon Berger (Caliban), Ann-Sophie Tratz (Ariel), Siri Mairon, Jara Breitkopf, Meike Schuster und Kristin Bieler (alle Luftgeister), Lena Edelmann (Bootsmann), Alina Dorokhina (Sykorax, Matrose/Schnitter), Tamara Lüders (Matrose/Schnitter), Patricia Biringer und Christina Schmiedel (beide hinter der Bühne) Cedric Wirbs und Matthias Zytke (beide Technik). Leitung: Daniela Allin.