„Baum des Jahres 2020“ - Robinien könnten vom Klimawandel profitieren / Hoher Pflegeaufwand hält die Stadtgärtner auf Trab Beliebt und trotzdem ist die Zukunft unklar

Von 
Martin Bernhard
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Umstritten und dennoch „Baum des Jahres 2020“: die Robinie. Auch in Buchen prägt sie das Stadtbild. Unser Reporter hat sich auf die Suche gemacht nach der sogenannten „Scheinakazie“.

Eines der ältesten Exemplare steht neben dem Gasthaus „Schwanen“ in der Buchener Kernstadt. Bereits mehrere hundert Jahre alt, wurde der Stamm der Robinie durch einen Blitzeinschlag gespalten. © Martin Bernhard
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Buchen. Vor mehr als 400 Jahren brachte Jean Robin, der Hofgärtner des französischen Königs, die Robinie aus Nordamerika mit nach Europa. Deshalb gab der schwedische Naturforscher Carl von Linné dieser ihren Namen. Auch in Buchen ist sie heimisch geworden. Mit ihren zarten Fliederblättern, ihren duftend weißen Blütenständen und ihrer rissigen Rinde findet man die Robinie entlang von Straßen, zum Beispiel in der Schüttstraße, Vorstadtstraße, Kellereistraße und Amtsstraße.

Brauchen wenig Wasser

„Trotzdem ist sie kein typischer Straßenbegleiter“, sagt Stadtgärtner Norbert Schurz. Denn sie entwickele eine ausladende Krone, die nach unten wachse. „Man hat permanent Arbeit damit“, stellt der Gärtner fest. Weil der Baum jedoch mit wenig Wasser zurechtkommt, gedeiht er gut auf asphaltierten Flächen. Deshalb wurde er nicht nur in Buchen, sondern auch in anderen Städten als Zierbaum angepflanzt.

Zwei besonders prächtige Exemplare der Robinie kann man in Hettingen vor dem Rathaus und in Buchen in der Kellereistraße neben dem Gasthaus „Schwanen“ besichtigen. Nach Einschätzung von Norbert Schütz steht beim „Schwanen“ die älteste Robinie im Stadtgebiet. Sie sei schon mehrere hundert Jahre alt.

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Durch einen Blitzschlag wurde ihr Stamm gespalten. Das Team der Stadtgärtnerei hege und pflege diesen beeindruckenden Baum.

Wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Akazie wird die Robinie auch „Scheinakazie“ oder „falsche Akazie“ genannt. Imker schätzen diesen Baum. Denn seine Blüten liefern den Nektar für den beliebten Akazienhonig.

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Weil die Robinie Trockenheit gut verträgt und auch mit Hitze und Frost auskommt, könnte sie von dem Klimawandel profitieren. „Salz- und immissionstolerant kommt sie gut mit städtischem Klima und schwierigen Bodenverhältnissen zurecht“, schreibt die „Stiftung Baum des Jahres“ in einer Pressemitteilung.

Invasive Pflanzenart

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„Ihr zähes Holz weist eine hohe Witterungsbeständigkeit auf und stellt im Außenbereich eine ideale Alternative zu Tropenhölzern dar.“ Allerdings seien intensive forstwissenschaftliche Untersuchungen nötig, damit die Robinie bei der Mischung klimastabiler Wälder eine Rolle zu spielen könne. Denn die Robinie zählt zu den sogenannten invasiven Pflanzenarten. Dass sie auch sehr unwirtliche Lebensräume besiedeln kann, liegt in einer besonderen Fähigkeit des Baumes. An seiner Wurzel siedeln sich Bakterien an, die Luftstickstoff im Boden binden. Dies bewirkt eine Düngung der Robinie. Den umliegenden Pflanzen wird dadurch allerdings Stickstoff entzogen. Dadurch werden vor allem stickstoffarme Naturräume wie Magerrasen und Binnendünen gefährdet, erläutert die „Stiftung Baum des Jahres“.

Verwechslungsgefahr

Die häufig mit der Akazie verwechselte Robinie zierte im 17. Jahrhundert zunächst Barockgärten und Parks. Bald fand sie aufgrund ihres ungewöhnlich harten Holzes Verwendung im Grubenbau, so die Stiftung. Forstleute wagten die ersten Versuche, sie im Wald einzubringen.

Zähes Holz

Als Pionierbaumart beeindruckt sie durch ungewöhnlich schnelles Wachstum in den ersten Lebensjahrzehnten, enttäuscht aber bei der Stammqualität.

Dennoch lässt sich das Holz laut der Stiftung vielfach verwenden: Es ist zäh, witterungsbeständig und auch heute noch beliebt für den Bau von Brücken, Spielplatzgeräten und Terrassenmöbeln.