Hainstadter Pfarrscheune - Ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, können wieder an Veranstaltungen teilnehmen Außenlift eröffnet neue Möglichkeiten

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Bestens gerüstet für den demografischen Wandel und die damit einhergehenden Erfordernisse ist die Hainstadter Pfarrscheune: Derzeit wird das Gebäude mit einem Außenlift versehen.

Mit einem Außenlift versehen wurde die Pfarrscheune Hainstadt, um dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen. Das Bild zeigt die Verantwortlichen und den Architekten Klaus Narloch. © Adrian Brosch
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Hainstadt. Über das Projekt und die Hintergründe unterhielten sich die Fränkischen Nachrichten mit Winfried Balles und Architekt Klaus Narloch. Das Projekt der Sanierung geschieht auf Initiative des Altenwerks sowie des Kirchlichen Bauvereins St. Magnus.

Das Thema als Solches ist nicht neu, wie Balles einräumt: „Erste Überlegungen gehen in die Jahre 2015 und 2016 zurück“, informiert er und begründet die Maßnahme mit der gestiegenen Lebenserwartung.

„Wir alle profitieren von einer höheren Lebenserwartung, was allerdings auch einschließt, dass wir im Laufe unseres Lebens wahrscheinlicher in unserer Mobilität eingeschränkt sind“, betont er. Da größere Veranstaltungen häufig im Pfarrsaal im ersten Stock stattfinden und dieser bislang nur über Treppen erreichbar gewesen ist, waren insbesondere bei älteren Besuchern immer wieder Schwierigkeiten auszumachen: „Sie haben häufig Probleme, überhaupt an den einzelnen Angeboten teilzunehmen, ohne die Hilfe Dritter in Anspruch nehmen zu müssen“, gibt er zu bedenken.

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Hier schafft nun eine ebenso einfache wie effektive Konzeption Abhilfe: An der Außenseite wurde ein Personenlift angebracht, der über ein Schienensystem an der Hauswand entlang gleitet. Bewusst werde dabei auf einen sonst üblichen kompletten Schacht verzichtet, um die äußere Optik des Gebäudes möglichst wenig zu verändern.

Der Lift ist deshalb als sogenannter Kabinenlift ausgeführt: „Eine geschlossene Kabine gleitet an der Giebelseite entlang und erreicht so alle drei Etagen“, beschreibt Winfried Balles das Funktionsprinzip und freut sich über die einfache Lösung. Kompliziert sei die Maßnahme nicht: „Einziger Knackpunkt ist, dass die Giebelseite der Pfarrscheune an zwei Stellen für den Zugang vom Aufzug ins Gebäude hinein geöffnet und mit wärmeisolierenden Sicherheitstüren ausgestattet werden muss“, erklärt er.

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Architekt Klaus Narloch, der die bauliche und statische Planung übernommen hatte, bezeichnet den Außenlift als „einzige aus technischer Sicht mögliche Option“. Ende Oktober konnten die vorbereitenden Arbeiten für den Lift in Angriff genommen werden, ehe der Lift nun montiert wurde. „Was fünf Jahre Vorbereitungszeit beansprucht hat, ist letzten Endes innerhalb weniger Tage realisiert worden“, hebt Klaus Narloch hervor.

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Bei alledem stellte sich Corona als weitaus größere Hürde als der bürokratisch-technische Aufwand heraus. Hier nämlich wurde der vielzitierte „kurze Dienstweg“ bevorzugt: „Initiiert von Mitgliedern des Altenwerks sowie des kirchlichen Bauvereins wurden zahlreiche Vereine und Gruppierungen einbezogen.

In einer Vertreterversammlung kirchlicher Vereine sowie bei Zusammenkünften hat der Bauverein das Projekt vorgestellt und sich den Fragen der Zuhörer gestellt“, zeigt er auf. So hat der kirchliche Bauverein St. Magnus federführend die Planungen einschließlich der Vorbereitung der für die Bewilligung öffentlicher Mittel notwendigen Antragsformulare und Unterlagen in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Architekten übernommen.

Beide koordinierten im Vorfeld den nötigen Schriftverkehr mit den Behörden. „Ohne die Förderung der Leader-Aktionsgruppe Badisch Franken, die letzten Endes 60 Prozent der Gesamtsumme übernimmt, wäre das Vorhaben indes fraglich gewesen.

Bei der Umsetzung wurde komplett auf regionale und überregionale Kompetenz gesetzt: Neben dem eigentlichen Hersteller aus Österreich wurden die direkt mit dem Lift in Zusammenhang stehenden Arbeiten von der Firma RegioLifte aus dem hessischen Seligenstadt ausgeführt, Stemm-, Maurer-, Elektro- und Verputzerarbeiten übernehmen Firmen aus der näheren Umgebung: So wurden die Mauerarbeiten von der Firma Emil Tomac mithilfe eines hydraulischen Gerüsts durchgeführt; aus Hainstadt war die Firma Elektro-Krüger im Einsatz. Besonders dankbar sei man auch für die großzügigen Spenden örtlicher Vereine, privater Spender und die Crowdfunding-Aktion der Volksbank Franken.

Mit einer kleinen Einweihungsfeier wolle man dann in Corona-freier Zeit und nach Ausführung aller Restarbeiten auf das Projekt anstoßen. ad