AdUnit Billboard
Europäischer Tag der jüdischen Kultur

Auf den Spuren von Clara Geissmar

Stadtführung und Vortrag auf dem Programm

Von 
ad
Lesedauer: 

Buchen. Zum 24. Mal fand am Sonntag der Europäische Tag der jüdischen Kultur statt, an dem sich die Bücherei des Judentums beteiligt hatte. In fast 30 Ländern ausgerichtet, stand der Tag unter dem Motto „Erneuerung“: Alle sieben Jahre soll sich nach Mose das Volk Israel versammeln, um das Gesetz Gottes zu hören und den Bund mit der Ewigkeit zu erneuern.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Wirkungsstätten besucht

In Buchen fanden gleich zwei Programmpunkte statt. Zunächst gestaltete Stadtarchivar Tobias-Jan Kohler eine anschauliche Stadtführung auf den Spuren von Heimatdichter Jacob Mayer. Vom Wartturm ausgehend wurden einige der Wirkungsstätten Mayers besucht. In der Bücherei selbst begrüßte Gisela Brech Interessierte sowie Dr. Georg Kormann (Mosbach), der auf feinfühlige Weise und mit viel Hintergrundwissen durch eine Lesung führte.

Dr. Georg Kormann berichtet am Tag der jüdischen Kultur über das Leben von Clara Geissmar. © Adrian Brosch

Er konfrontierte den – leider recht überschaubaren – Zuhörerkreis mit den Erinnerungen der Clara Geissmar (1844 bis 1911), die aus Eppingen/Elsenz stammte und einen Großteil ihres Lebens am Bodensee zugebracht hatte. Dabei fokussierte er nicht nur Clara Geissmar als Person: Die Erzählungen zeichneten auch ein aussagekräftiges Bild der sprichwörtlichen „Erneuerung“ im deutschen Bürgertum des 19. Jahrhunderts auf dem Weg in die Industrialisierung. „Erneuerung“ bedeutete jedoch gleichsam die Emanzipation des Judentums in Deutschland.

Mehr zum Thema

Jüdisches Museum Creglingen

Spurensuche mit Blick nach vorn in Creglingen

Veröffentlicht
Von
Inge Braune
Mehr erfahren
Europäischer Tag der Jüdischen Kultur

Zwischen Heimat und Albtraum

Veröffentlicht
Von
jmc
Mehr erfahren

Dieser Umstand war es auch, der Clara Geissmar verunsichert hatte: In orthodoxer Familie aufgewachsen, stieß sie in Konstanz auf eine protestantisch geprägte Stimmung und hinterfragte religiöse Gepflogenheiten, die jüdischen Festtage sowie persönliche Erlebnisse. Zwar sympathisierte sie nicht mit dem Protestantismus und wurde viel mehr von dessen „menschlichen Schwächen“ abgestoßen, sprach aber dann doch das „hohe Lied der Liebe“ an.

Einfühlsam porträtierte Dr. Georg Kormann den familiären Alltag Clara Geissmars zwischen Glaubens- und Lebensfragen, klammerte aber auch die geschichtliche Bewandtnis der Zeit nicht aus. Hier bezog er sich vor allem auf die ab 1819 von Würzburg aus sich vor allem in Süddeutschland ausbreitenden „Hep-Hep-Krawalle“ mit antijüdischer Propaganda. „Das orthodoxe Judentum gab Halt in einer Zeit der Umbrüche und Reformen“, fasste Dr. Kormann zusammen.

Weiter informierte er über die „uneingeschränkte Gleichberechtigung“ der Juden im liberalen Großherzogtum Baden, die ab 1862 eine hohe Akzeptanz jüdischer Mitbürger in der Gesellschaft bewirkt hatte. Gekonnt spannte er schließlich den Bogen zur Gegenwart: Es mute „wie ein Geschenk“ an, dass nach den grässlichen Taten des Nationalsozialismus heute wieder jüdisches Leben nach Deutschland zurückkehrte. „Mehr als 200 000 Jüdinnen und Juden haben in Deutschland eine Heimat gefunden, bereichern den Alltag unserer Gesellschaft und leisten einen wertvollen Beitrag auf vielen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Feldern“, betonte der Referent.

Nach kurzem Austausch konnte man die Bücherei des Judentums erkunden – ein durchaus lohnenswertes Vorhaben: Eröffnet im November 1998 auf Initiative von Pfarrer Herbert Duffner, enthält sie rund 10000 Medien – darunter Weltliteratur bekannter jüdischer Autoren, aber auch Fachbücher. ad

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1