FN-Forum - Der Politiker und Jurist Professor Dr. Wolfgang Reinhart ist Teilnehmer des Podiumsgesprächs am 29. April in der Stadthalle Buchen "Angst vor dem Sterben, nicht vor dem Tod"

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Fabian Greulich
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Buchen. "Sterbehilfe oder Sterbebegleitung?" - unter diesem Titel steht das FN-Forum der Fränkischen Nachrichten am Mittwoch, 29. April, ab 19 Uhr in der Stadthalle in Buchen. Fachleute aus Medizin, Hospizdienst, Kirche, Politik und Recht beschäftigen sich in einem Podiumsgespräch mit dem Wunsch nach einem Sterben in Würde.

Teilnehmer am Podiumsgespräch beim FN-Forum am 29. April in der Buchener Stadthalle: Der Politiker und Jurist Professor Dr. Wolfgang Reinhart.

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Einer dieser Experten ist Professor Dr. Wolfgang Reinhart (Minister a.D., MdL und Jurist). Der Politiker und Rechtsanwalt aus Tauberbischofsheim findet es gut, dass die FN diesem "sensiblen und schwierigen, aber auch sehr wichtigen" Thema ein Forum bieten, und sagte seine Teilnahme spontan zu.

Zur Person: Professor Dr. Wolfgang Reinhart

  • Geboren am 3. Mai 1956 in Bad Mergentheim, wohnhaft in Tauberbischofsheim. Verheiratet, zwei Kinder.
  • Studium der Rechtswissenschaft, Betriebswirtschaftslehre und politischen Wissenschaft in Heidelberg und Mannheim. 1984: Promotion, 1985: Assessor-Examen.
  • Von 1985 bis Juli 2004 sowie seit 13. Mai 2011 selbstständiger Rechtsanwalt.
  • Seit Juni 1987 Lehrbeauftragter und seit 1998 Honorarprofessor der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Heilbronn (Arbeits- und Wirtschaftsrecht).
  • Von Juli 2004 bis 2005 Staatssekretär im Finanzministerium Baden-Württemberg.
  • Von April 2005 bis Mai 2011 Minister und Bevollmächtigter von Baden-Württemberg als Europa-, Bundesrats- sowie Staatsminister. Medienminister in der Staatskanzlei.
  • Ab Februar 2010 auch Minister für internationale Angelegenheiten des Landes Baden-Württemberg beim Bund sowie Europa-Minister in Brüssel.

"Aus juristischer Sicht handelt es sich bei der Frage nach einer Legalisierung der aktiven Sterbehilfe bereits seit Jahrzehnten um ein Dauerthema. Sie wird in unterschiedlichen Ländern auch sehr unterschiedlich beantwortet", so Reinhart im Gespräch mit den FN.

In Deutschland ließen sich konkrete Schlussfolgerungen aus dem Grundgesetz ableiten. In den Artikeln 1 und 2 sei nicht nur die Unantastbarkeit der Menschenwürde klar geregelt, sondern auch das Recht auf persönliche Entfaltung und Selbstbestimmung. "Der Schutz der Grundrechte des Einzelnen ist mit das höchste Gut, was wir haben. Dieser Schutz spielt natürlich auch am Lebensende eine Rolle. Das ist auch ein Grund, warum Suizid nicht unter Strafe gestellt wird, genauso wenig wie die Beihilfe."

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Das heiße aus seiner Sicht, so Professor Reinhart, aber nicht automatisch, dass eine grundsätzliche Legalisierung der Sterbehilfe zu befürworten sei.

Eine seiner zentralen Forderungen sei daher die weitere Verbesserung der palliativen Versorgung - und zwar in medizinischer wie auch in pflegerischer Hinsicht. Konkret gehe es um die Linderung von Schmerzen und Beschwerden. Das gebiete der Menschenwürde-Schutz. "Denn jeder Mensch hat das Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen." Dies sei Ausdruck von Respekt gegenüber dem Leben. Die moderne Medizin biete heute Möglichkeiten, Sterbende helfend zu begleiten.

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Unbedingt verhindert werden müsse dagegen der Prozess einer "schleichenden Werteverschiebung". Genau diese Entwicklung sehe er bei einer geschäftsmäßigen Sterbehilfe. Reinhart: "Es ist angemessen und erforderlich, das zu unterbinden. Mit Suizid darf keine Gewinnerzielungsabsicht einhergehen."

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Die Menschen hätten oft nicht Angst vor dem Tod, sondern vor dem Sterben. Die Entscheidung zum Suizid sei nicht selten eine Verzweiflungsreaktion.

"Viele halten an ihrem Todeswunsch nicht länger fest, wenn ihnen geholfen wird. Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt", so Reinhart.

"Keine Türen öffnen"

Seine politische Position teile sich daher in zwei Kernforderungen. Erstens: die Förderung der Palliativmedizin und Hospizarbeit. Zweitens: Das Verbot der organisierten Beihilfe zum Suizid. Natürlich gebe es auf politischer Ebene unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema, das im Herbst im Bundestag auf der Agenda stehe.

Reinhart: "Das Verbot der organisierten Beihilfe zum Suizid ist ein wesentlicher Punkt, weil wir keine Türen öffnen sollten. Verzweifelte Menschen könnten durch diese Tür nicht nur hindurch gehen - sie könnten hindurch gedrängt werden."

Bevor es am 29. April in der Buchener Stadthalle in die Diskussion auf dem Podium geht, wird Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Palliativmedizin am Juliusspital Würzburg, in einem einführenden Vortrag auf die verschiedenen Themenbereiche im Detail eingehen.

Anschließend sprechen Professor Dr. Wolfgang Reinhart sowie Privatdozent Dr. Harald Genzwürker (Ärztlicher Leiter der Neckar-Odenwald-Kliniken), Dr. Valentin Hoß ("Palldomo" - Palliativversorgung zu Hause und niedergelassener Arzt), Thomas Oberst (Geschäftsführer Odenwald Hospiz Walldürn), Diana Nixon (Ambulanter Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis e.V.) und Dekan Johannes Balbach (Leiter der Seelsorgeeinheit Buchen) über die Thematik. Sie alle werden über persönliche Erfahrungen in ihrer täglichen Arbeit sprechen und darüber diskutieren, ob und in welcher Form in Deutschland die aktive Sterbehilfe erlaubt werden sollte.

Die Gesprächsrunde wird von FN-Redakteurin Heike von Brandenstein moderiert. Alle Teilnehmer stehen im Anschluss für Fragen der Besucher zur Verfügung.