Holocaust - Gedenkversammlung am 11. April an der ehemaligen Buchener Synagoge / Stimme gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit erheben

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Lesedauer: 
Mit einer Gedenkversammlung am 11. April wollen Initiatoren und Teilnehmer an die sechs Millionen ermordeten Juden während der NS-Diktatur erinnern und ihre Stimme gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit erheben. © Marsch des Lebens

Buchen. Deutschland nach 1945 war die Zeit, in der die Trümmer in den Städten mühsam weggeräumt wurden, die Trümmer in den Herzen und Köpfen aber blieben. Es war in vielen Familien der Beginn des Schweigens über das unsagbare Leid, welches die Groß- und Urgroßväter über die Völker der Welt gebracht hatten. Der Eroberungskrieg wurde für ein Volk auf jeden Fall zum Vernichtungskrieg: für sechs Millionen europäische Juden. Für kein anderes Volk wurde im gleichen Ausmaß eine regelrechte „Endlösung“ geplant und mit äußerster Entschiedenheit durchgeführt.

AdUnit urban-intext1

Wie konnte es dazu kommen? Es war das gleichgültige Schweigen der Mehrheit, das den Holocaust (hebräisch Shoa) überhaupt ermöglicht hat. In Deutschland erinnern zurecht die Regierenden daran. Doch reicht diese Ebene aus?

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zum steigenden Antisemitismus in Deutschland kommen zu dem Schluss, dass die scheinbare Erfolgsgeschichte der Aufarbeitung die eigenen Familien tatsächlich nie erreicht hat. So wussten im Jahr 2017 41 Prozent der befragten Schüler über 13 Jahre nicht, was Auschwitz-Birkenau war. 2019 hegte jeder vierte befragte Deutsche antisemitische Gedanken. Und allein im Dezember 2020 zählte die Polizei bundesweit mehr als 120 antisemitische Straftaten.

Sicherlich mit diesem Wissen sagte der Präsident des Deutschen Bundestags, Wolfgang Schäuble, am 27. Januar zum Holocaustgedenken im Bundestag: „Es ist niederschmetternd, sich eingestehen zu müssen, unsere Erinnerungskultur schützt uns nicht vor einer dreisten Umdeutung und sogar Leugnung der Geschichte. Sie schützt auch nicht vor neuen Formen des Rassismus und Antisemitismus, wie sie sich gerade auf Schulhöfen, Internetforen oder in Verschwörungstheorien verbreiten. […] Wir müssen die Formen des Erinnerns erneuern.“

AdUnit urban-intext2

Wie das Schweigen damals die Shoa ermöglichte, so bahnt die Gleichgültigkeit heute den Weg für Antisemitismus und Fremdenhass. Die Gedenkversammlung anlässlich des Jom haShoa am Sonntag, 11. April, um 17 Uhr an der ehemaligen Synagoge in der Vorstadtstraße in Buchen gibt einerseits Raum, die eigene Familiengeschichte an sich heranzulassen. Andererseits erhebt sie eine öffentliche Stimme gegen den heutigen Antisemitismus und für die Freundschaft mit Israel.

Angemeldet hat die Versammlung Dr. Albrecht Mund zusammen mit einem kleinen Team befreundeter Familien aus dem Landkreis. Minister Peter Hauk und Landrat Dr. Achim Brötel haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Auch Bürgermeister Roland Burger will dabei sein, sofern es sein Terminkalender zulässt. Darüber hinaus erwarten die Initiatoren die Zusage jüdischer Ehrengäste.

AdUnit urban-intext3

Als Kern der Versammlung werden in Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden sechs Kerzen entzündet. Im weiteren Verlauf werden die Namen von Opfern verlesen. Es folgen Grußworte der Politiker sowie einzelne persönliche Zeugnisse der Betroffenheit aus der Bevölkerung.

AdUnit urban-intext4