Sanierungsgebiet „Stadtkern III“ Grünsfeld - Gemeinderat stimmte der Erweiterung des Areals um vier Quartiere zu „Wir müssen nichts übers Knie brechen“

Von 
Harald Fingerhut
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Durch die Erweiterung des Sanierungsgebiets „Stadtkern III“ in Grünsfeld kann der Abriss der ehemaligen Möbelfabrik Seubert finanziert und das Quartier östlich der Leuchtenbergstraße für eine sinnvolle Nutzung aufbereitet werden. © Stadt Grünsfeld

Das Sanierungsgebiet „Stadtkern III“ in Grünsfeld wird um vier Quartiere erweitert. Dazu fließen rund 850 000 Euro an Zuschüssen vom Land in die Stadtkasse.

Gemeinderat in Kürze

Der Grünsfelder Gemeinderat vergab weitere Arbeiten für den Umbau der Dorothea-von-Rieneck-Schule in einen Kindercampus. Den Zuschlag für die Maler- und Lackierarbeiten erhielt die Firma Klumpf aus Großrinderfeld zum Angebotspreis von 27 926 Euro brutto. Die Fliesen und Plattenarbeiten erledigt die Firma Albin Schenk aus Grünsfeld als billigster Bieter für 21 732 Euro brutto. Damit liegen beide Vergaben unter den kalkulierten Kosten.

Bürgermeister Joachim Markert gab folgende Nitratwerte bekannt: Brunnen Grünsfeldhausen 41,2 Milligramnm je Liter (mg/l), Brunnen Großrinderfeld 40,01 mg/l, Brunnen Ilmspan 41,1 mg/l, Werbach 40,9 mg/l sowie Zimmern 38,6 mg/l.

Das Kommunal- und Rechnungsprüfungsamt des Landratsamts bestätigte die vom Grünsfelder Gemeinderat beschlossene Hauhaltssatzung für das Jahr 2019. Ebenso genehmigte die Behörde die Finanzierung von Grunderwerb und Erschließungsmaßnahmen im Baugebiet „Höhri II“ in Grünsfeld durch einen Finanzierungsvertrag mit der Sparkasse außerhalb des Kämmereihaushalts.

Der Gemeinderat stimmte einmütig zu, dass die Stadt Grünsfeld das Kreisforstamt mit der Weiterführung der forstlichen Betreuung des Stadtwalds beauftragt sowie die Holzverkaufsstelle des Landratsamts mit dem Verkauf des Holzes aus dem Stadtwald. Der Bürgermeister wurde ermächtigt die Verträge abzuschließen. Die Kosten für die Stadt steigen um rund 58 Prozent gegenüber den bisherigen Kosten hut

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Grünsfeld. Manchmal kommt es anders, als man denkt – und manchmal ist es auch gut so. Zumal, wenn die gesteckten Ziele auch auf anderem Weg erreicht werden und alles, was man wollte, ermöglicht wird. Diese Erfahrung durften Grünsfelds Bürgermeister Joachim Markert, Mitarbeiter der Verwaltung und der Gemeinderat bei der Stadtsanierung Grünsfeld machen. Statt einem neuen Sanierungsgebiet „Stadtkern IV“ stimmte die Stuttgarter Behörde der Erweiterung des Gebiets „Stadtkern III“ zu, wobei alle von Grünsfeld vorgesehenen Areale berücksichtigt werden. So hatte der Gemeinderat am Dienstag in seiner Sitzung im Grünsfelder Rathaus keinerlei Probleme, den Beschluss über die Erweiterung des Sanierungsgebietes „Stadtkern III“ einstimmig zu fassen.

„Wir sind Ende des letzten Jahres mit gemischten Gefühlen nach Stuttgart gefahren“, blickte Bürgermeister Joachim Markert zurück. „Das Sanierungsprogramm war reduziert worden und einige Kommunen sind rausgefallen.“ In Grünsfeld sei die innerstädtische Sanierung schon seit 30 Jahren am Laufen, so dass die Befürchtung, andere Kommunen würden vorgezogen, groß gewesen sei, ein viertes Gebiet Stadtkern nicht zu bekommen. „Zumal der katholische Kindergarten im Maßnahmenkatalog enthalten war und die Kirche aus diesem Topf keine Mittel bekommt.“ Hier sei hilfreich gewesen, dass die Kita aufgegeben wird und die Stadt den Auftrag erhalten habe, das Areal zu vermarkten.

„Insgesamt ist unser Konzept der Stadtsanierung auf offene Ohren gestoßen, allerdings sollen die vier Quartiere nicht als neues Sanierungsgebiet ertüchtigt werden, sondern als Erweiterung des bestehenden“, erläuterte Joachim Markert. „Wir bekommen einen Landeszuschuss von 850 000 Euro, der uns ermöglicht Dinge zu tun, die wir uns sonst nicht leisten könnten.“ In erster Linie sprach er hier den Abbruch der Möbelfabrik an. Er könne somit gut finanziert werden, ansonsten wäre es für die Stadt ein finanzieller Kraftakt geworden. „Die Erweiterung des Sanierungsgebiets ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, der uns weit nach vorne bringt“, stellte das Stadtoberhaupt fest. „Ansonsten würde ein Schandfleck wie die ehemalige Möbelfabrik dauerhaft bestehen bleiben.“

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Neben dem Seubert-Areal östlich der Leuchtenbergstraße sind die anderen drei Quartiere das Schulareal, der Kindergarten in der Hauptstraße 1 sowie das Gewerbegebiet Philipp-Holzmann-Straße/Gerlachsheimer Straße. In allen Arealen sollen städtebauliche Missstände beseitigt werden. Das Schulareal ist durch den Wegfall der Werkrealschule deutlich untergenutzt und soll zu einem Kindercampus umgestaltet werden.

Der katholische Kindergarten „St. Marien“ ist in einem baulich sehr schlechten Zustand. „An seiner Stelle könne man sich ein Gesundheitszentrum mit einer Physiotherapie-Praxis vorstellen“, meinte Markert.

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Der Entwicklungsschwerpunkt östliche Leuchtenbergstraße liegt auf der Beseitigung der Gewerbebrache der ehemaligen Möbelfabrik Seubert. Hier könne sich der Bürgermeister vorstellen, ein Sondergebiet „Werkstätten, Betreutes Wohnen Wohnen für Senioren“ vorstellen. Im Gewerbegebiet Philipp-Holzmann-Straße/Gerlachsheimer Straße sollen die leeren, ungenutzten Gebäude beseitigt werden, so dass eine Gewerbehalle für einen ortsansässigen Bahnbaubetrieb erstellt werden kann.

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In allen vier Entwicklungsbereichen ist der Zustand der Gebäude mangelhaft. Viele Gebäude sind abbruchreif. Öffentliche Grünflächen sind nicht vorhanden. In der Philipp-Holzmann-Straße sind auch die öffentlichen Verkehrsflächen mangelhaft.

Viola von Brunn merkte an, dass man sich gerade auf dem Areal Seubert noch nicht auf eine Nachfolgenutzung festlegen sollte. „Hier sollten wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um die sinnvollste Nutzung herauszubekommen“, so Viola von Brunn. „Wir fassen heute nur den Aufstellungsbeschluss, was auf den Arealen passiert wird, wird der Gemeinderat in künftigen Sitzungen noch beraten und beschließen“, erläuterte Bürgermeister Joachim Markert die weitere Vorgehensweise. „Auch die Bevölkerung wird, bevor wir eine endgültige Entscheidung fassen, ausführlich informiert.“ Die förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets sei nur der erste Schritt eine langen Weges. Markert: „Wir haben keine Eile, wir müssen nichts übers Knie brechen.“

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.