AdUnit Billboard
Waldbegehung des Boxberger Gemeinderats - Forst der Umpfertal-Kommune befindet sich insgesamt in einem stabilen Zustand

Vielfalt durch Mischung sichert Risikostreuung

Von 
Werner Palmert
Lesedauer: 
Fachgerechte Baumfällung: Die beiden Forstwirte Janik Keppner (kniend) und Jochen Schöneck (links) demonstrierten den Gemeinderäten bei ihrer jährlichen Waldbegehung im Distrikt „Remsberg“ auf Gemarkung Oberschüpf das fachgerechte Fällen einer Roteiche, wobei der ferngesteuerte mechanische Fällkeil zum Einsatz kam. © Werner Palmert

„Der Boxberger Stadtwald befindet sich – bedingt durch Vielfalt und Mischung der Baumarten – in einem stabilen Zustand und wird auch in Zukunft eine sichere Einnahmequelle für die Stadtkasse bleiben“, so Forstdirektor Karlheinz Mechler.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Boxberg. Ein optimistisches Resümee zog der Leiter des Kreisforstamtes am Ende des Waldbegangs der Boxberger Stadträte durch die Distrikte „Remsberg“ (Oberschüpf) und „Rüttern“ (Unterschüpf), das sowohl die Gremiumsmitglieder mit Bürgermeisterin Heidrun Beck an der Spitze, als auch der Stadtkämmerer sicher gerne zur Kenntnis nahmen.

Die Vielfalt und die Mischung unterschiedlicher Baumarten erwiesen sich in Zeiten des rasanten Klimawandels als Vorteil für den aktuellen Zustand des Boxberger Stadtwaldes. Auch auf den überwiegend „schlechteren“ Standorten zeige sich der Baumbestand bisher weitgehend resilient. Dennoch seien 2020 immerhin zusätzlich 1800 Festmeter Zwangsnutzung durch Sturm. Käfer und Dürre angefallen. Das sei rund ein Drittel des geplanten Jahreseinschlages.

Fachlich erläutert

Im Rahmen des Waldbeganges wurden beispielhaft die Aspekte Risikostreuung durch Mischung und Vielfalt sowie der vorgreifenden Nutzung von älteren Fichten an Beispielen erörtert. Die fachlichen Erläuterungen an ausgewählten Waldbeständen im Bereich Oberschüpf („Remsberg“) und Unterschüpf („Rüttern“) gaben Forstdirektor Karlheinz Mechler und der zuständige Revierförster Elmar Burger, für den es die letzte offizielle Waldbegehung war, da er Mitte 2022 in den Ruhestand treten wird. Elmar Burger hat die Verantwortung für das Revier seit nahezu 40 Jahren.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Der Klimawandel werde nach Beobachtungen der Forstleute die Belastungsfähigkeit einiger Baumarten übersteigen. Dem Risiko eines flächigen Ausfalls beziehungsweise der Zerstörung des Waldgefüges könne durch Mischung und Vielfalt der Baumarten begegnet werden, wie Mechler vor Ort im Distrikt Remsberg ausführte. Diese günstigen Voraussetzungen (intensive Baumartenmischungen) seien örtlich und im gesamten Boxberger Stadtwald fast durchgehend gegeben.

Trockenheit und Hitze getrotzt

Auf die vorgreifende und forcierte Nutzung von älteren Fichten gingen Mechler und Burger im Distrikt „Rüttern“ auf Gemarkung Unterschüpf ein. Bisher sei der Stadtwald Boxberg gut durch die Kalamität aufgrund von Trockenheit und Hitze der Jahre 2015 und 2018 bis 2020 gekommen. Flächige Schäden seien glücklicherweise weitgehend ausgeblieben. Diese Situation sei der Tatsache geschuldet, dass keine großflächigen Fichten- oder Buchen-Reinbestände vorhanden seien. Jetzt soll die Gelegenheit genutzt werden, die Fichten vorgreifend und gezielt einzuschlagen, um etwaigen flächigen Schäden und Entwertungen entgegenzuwirken, wie die beiden Forstleute in ihrer Planung aufzeigten. Diese Vorgehensweise sei im Rahmen der Zwischenprüfung der Forsteinrichtungsplanung empfohlen worden.

Die Forsteinrichtungsplanung werde regelmäßig zur Halbzeit bilanziert und es würden Plananpassungen festgelegt, falls sich die Rahmenbedingungen geändert hätten. Zum Stichtag 1. Januar 2020 seien 0,6 Jahreseinschläge in Form von Zwangsnutzungen angefallen. Das entspreche etwa zwölf Prozent der Gesamtnutzung. Für den Gesamtzeitraum sei der Hiebsatz leicht angehoben (von 56 600 auf 58 900 Festmeter) worden. In den jüngeren Beständen seien keine wesentlichen Änderungen vorgesehen, in den älteren sollen die Nutzungen bei der Fichte forciert werden, um der nächsten Borkenkäferwelle zuvorzukommen. Bei den Kiefern wolle man stattdessen einsparen. Der planmäßige jährliche Einschlag im restlichen Zeitraum solle sich bei 5700 Festmetern im Jahresdurchschnitt bewegen.

„Millionenwald“

Den Distrikt „Remsberg“, in einer früheren Begehung auch als „Millionenwald“ bezeichnet, beurteilen die Forstleute aufgrund der wenig direkten Sonneneinstrahlung und seiner guten Wasserversorgung als „überdurchschnittlichen Spitzenstandort mit sehr günstigem Waldwachstum“. Der wertvolle, etwa 40-jährige Eichenmischbestand, entstand aus der Naturverjüngung des „Mastjahres“ 1982. Der Altbestand wurde 1984 geräumt. Durch zielgerichtete Pflege wurden die Eichen gegenüber den Mischbaumarten begünstigt (Mischwuchsregulierung). Jetzt will man eine zusätzliche Förderung der besten Individuen durch die Entnahme von bedrängenden Nachbarn; dadurch wird Wuchsraum geschaffen, damit die geförderten Bäume ihre Kronen und Wurzeln ausbauen können und so eine optimalere Dimensionierung erfahren.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Eine weitere Verjüngung sei nicht vollzogen worden, weil die Bäume noch nicht hiebsreif waren. Die alten Eichen hätten keine individuelle Förderung erfahren und seien trotz des hohen Alters noch zu „schwach“, wie Mechler und Burger die Gemeinderäte informierten. Insgesamt biete sich dem Betrachter ein vielfältiger Mischbestand aus Eichen, Buchen, Bergahorn, Spitzahorn, Kirschen, Roteichen, Douglasien und Lärchen im Alter von 60 bis 100 Jahren. Die Nadelbaumeinmischung lieferten sehr hohe Vorerträge; weil die Nadelbäume nur kleinflächig eingemischt seien, bleibe nach ihrer Entnahme das Bestandsgefüge erhalten. Mit dieser Vielfalt durch Mischung werde die gewünschte Risikostreuung erreicht, denn auch beim Ausfall einer Mischbaumart, bleibe dennoch das Bestandsgefüge erhalten.

Sieben Prozent Fichten

Im Distrikt „Rüttern“ wurde die vorgreifende Nutzung der hiebsreifen Fichten angesprochen. Der Stadtwald Boxberg habe einen Anteil von sieben Prozent Fichten. Es gebe nur wenige großflächige Fichtenbestände, die durch Trockenheit und Käfer akut gefährdet seien. Der größte flächige Fichtenbestand im Alter von zirka 100 Jahren befinde sich im Distrikt „Rüttern“, wo diese Baumart einen Anteil von 65 Prozent habe. Aufgrund der Nachbarschaft großflächiger Buchenbestände (Burgwald, Kechenig, Demmertswald) sei der Distrikt „Rüttern“ Teil des FFH-Gebiets westlicher Taubergrund mit dem Lebensraumtyp Waldmeister-Buchenwald. Die erkennbare Dynamik gehe in Richtung Buche.

Die Planung sah hier einen Holzeinschlag in der Größenordnung von 950 Festmetern auf einer Fläche von 15 Hektar vor.

Im Vollzug wurden 1250 Festmeter auf einer Fläche von sieben Hektar eingeschlagen, davon 430 Festmeter Zwangsnutzungen. Der Mehreinschlag sei für die Forstleute jedoch sinnvoll, um die gefährdeten Fichten gezielt zu holen „bevor Borkenkäfer und Sturm den Einschlag vollziehen“.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1