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Leserbrief - Zum Bericht „Regierungspräsidium ist jetzt am Zug“ (FN, 21. Mai) Schweigern und Bobstadt geraten nun in Fokus

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Die Würfel sind gefallen, laut Geschichtsschreibung Worte von Julius Caesar. Dies trifft wohl auf den Feststellungsbeschluss der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Bad Mergentheim-Igersheim-Assamstadt zu. Nach langem und zähem Ringen hat sie sich auf einen gemeinsamen Teilflächennutzungsplan für künftige Windkraftanlagen geeinigt und gleichzeitig den Ausschluss jeglicher anderer Flächen begründet.

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Dies bedeutet, von den ursprünglich elf Potenzialflächen zur Bündelung von Windkraftanlagen sind zehn nach ausgiebigen Untersuchungen „aus verschiedenen Gründen“, ausgeschieden.

Verblieben ist eine 61 Hektar große Teilfläche – „tief im Westen“ von Bad Mergentheim, um es mit den Worten von Herbert Grönemeyer auszudrücken. Genauer, im Gebiet zwischen Althausen, Dainbach und Bobstadt, unmittelbar an der Grenze zu den Gemarkungen von Schweigern und Bobstadt gelegen.

Die Worte von OB Glatthaar, wonach es in Assamstadt und Igersheim gar Enttäuschung wegen ihrer Nichtberücksichtigung gegeben habe, muss man nicht für bare Münze nehmen.

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Zwar verweist Assamstadts Gemeindeoberhaupt auf die Gefährlichkeit von Windkraftanlagen angesichts der vorhandenen Tiefflugzonen der Bundesheeresflieger, weiß aber auch um die Widerstände seitens der Bevölkerung von Apfelbach und Althausen.

Bürgermeister Frank Menikheim aus Igersheim verweist deshalb wohl auch eher erleichtert auf die Radarstation bei Löffelstelzen, die sein Gemeindegebiet völlig ausschließt. Hinzu kommen hier Schutzzonen für Wiesenweihe.

Wohl dem also der einen Vogel hat, besser gleich mehrere. Apfelbach und in Teilen auch Althausen haben davon profitiert. Denn zuletzt genannten hatte OB Glatthaar 2017 zwar noch Schonung versprochen. Immerhin aber wurde die ursprünglich vorgesehene Zone von etwa 140 auf 61 Hektar eingedampft. Ein bisschen hat er damit sein Wort gehalten.

Die nun in den Fokus geratenen Gemarkungen Schweigern und Bobstadt sind laut Bericht keiner Erwähnung wert. Was man den Bewohnern von Igersheim und Mergentheim vorenthält, wird nun diesen „vor die Nase gesetzt“. Sie werden sicher erfreut sein, neben den bereits vier vorhandenen Windkraftanlagen mit weiteren beglückt zu werden. Über deren Anzahl muss man sich noch überraschen lassen. Vielleicht sind diese sogar der Grund für die „Vogelfreiheit“ der nun gefundenen Konzentrationsfläche. Schwer zu glauben, dass nahezu auf der gesamten Fläche von Bad Mergentheim schützenswerte Vögel nisten, nur im Grenzgebiet zu Boxberg nicht, wobei diese angesichts der vier bestehenden Anlagen unter Umständen bereits vergrämt oder schlimmer, Opfer der Rotorblätter wurden.

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Stadtrat Hubert Schmieg (Bündnis 90/Die Grünen) zeigt zwar Verständnis für die Belange des Arten- und Biotopschutz, jedoch weniger für die massiven Einwände seitens der Bundeswehr und daraus resultierende Einschränkungen. Ob ihm dabei das Wohl der Bürger von Schweigern und Bobstadt am Herzen lag, verrät er dabei nicht. Er hofft auf veränderte politische Mehrheiten. Sein Fraktionskollege Thomas Tuschhoff kritisierte vor wenigen Monaten in einer Gemeinderatssitzung in Bad Mergentheim scharf die Begrenzung der Nabenhöhe auf 150 Meter und bezeichnete die langwierige Suche gar als „Staatsversagen“. Nach seinen Worten stimmte seine Fraktion nur mit der „Faust in der Tasche“ dem Beschluss des Gemeinderats zu.

Interessant ist, dass dies alles ohne das Kompetenzzentrum an der Landkreisverwaltung abgelaufen ist. Grund: Bad Mergentheim als Große Kreisstadt ist bei der Ausweisung von Flächennutzungsplänen direkt dem Regierungspräsidium unterstellt. Die Landkreisverwaltung ist erst bei den folgenden Bauanträgen gefragt. Ein ablehnender Bescheid des Regierungspräsidium Stuttgart ist nach meiner Einschätzung wohl unwahrscheinlich. Leider.

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