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Schüler aus bis zu 60 Gemeinden - Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs waren seinerzeit noch deutlich zu spüren

100 Jahre Landwirtschaftsschulen in Boxberg und Bad Mergentheim

Vor 100 Jahren wurden die Landwirtschaftsschulen Boxberg (in Baden) und Bad Mergentheim (in Württemberg) ins Leben gerufen.

Von 
Dr. Dieter Thomas
Lesedauer: 

Boxberg. Im badischen Großkreis Mosbach gab es diese Einrichtung bis dahin nur in Tauberbischofsheim (gegründet 1867 in Buchen, 1876 dann umgezogen nach Tauberbischofsheim). Vor einem Jahrhundert waren die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs noch deutlich spürbar. In den Städten herrschte Nahrungsmittelmangel und Arbeitslosigkeit. Im ländlichen Raum fehlte es an bäuerlicher Ausbildung und außerlandwirtschaftlichen Erwerbsmöglichkeiten.

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Mit Nachdruck geworben

Die Kreislandwirtschaftsschule in Boxberg 1928. © Ludwig Scharf

Der Amtsbezirk Boxberg, seit jeher landwirtschaftlich geprägt, hatte mit Nachdruck für eine eigene Winterschule geworben. 1921 genehmigte die Regierung der jungen Republik Baden ihre Errichtung. Doch die Unterstützung des Kreisausschusses in Mosbach ließ auf sich warten. Erst im September 1921 sicherte Mosbach zu, „unter dem Vorbehalt einer späteren Verlegungsmöglichkeit“ Mittel für den Betrieb einer Kreiswinterschule in Boxberg einzustellen. Und unterstrich zugleich: „Bei Einrichtung der bestehenden Winterschulen haben die betreffenden Gemeinden die Verpflichtung übernommen, die für die Schule benötigten Räume sowie die Heizung, die Beleuchtung und die Bedienung und auch die erforderlichen Bänke, Tafeln, Tische. Lehrmittelschränke zu stellen.“

Mit Erlass des badischen Innenministeriums vom 11. Oktober 1921 erhielt der Diplomlandwirt Karl Lienhard in Bronnbach (Domäne Schafhof) die Stelle eines Landwirtschafts-Inspektors und den Auftrag, „die auf 1. November 1921 neu zu errichtende landwirtschaftliche Kreiswinterschule in Boxberg“ zu leiten. „Ihr Dienstbezirk umfasst vorläufig den Amtsbezirk Boxberg; Dienstsitz ist Boxberg. Wir veranlassen Sie sofort den Dienst anzutreten.“ Binnen fünf Wochen hatte er für Einrichtung und Organisation der neuen Schule zu sorgen.

Am 17. November 1921 begann der Unterricht mit 35 Schülern in einer Unterklasse, zunächst im damaligen Rathaus (heute Heimatmuseum). Im Folgejahr kam eine Oberklasse hinzu. Der Anfang stand unter keinem guten Stern, da in Boxberg Raumnot herrschte. In den Sommermonaten wollte die Gewerbeschule die Räume der Winterschule nutzen, was der Mosbacher Kreis vehement zu verhindern suchte. Zudem herrschte gesetzliche Unklarheit über die Bedeutung der Winterschule neben anderen Fachausbildungen. Erst 1924, mit dem Bau des neuen „Schul-Hauses“ am Ortsausgang Richtung Schweigern, entspannte sich die Situation. Boxberg verkaufte das alte Volksschul-Gebäude (heute Bernhardusheim) an den Kreis, die Winterschule durfte dort einziehen.

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Von
Birger-Daniel Grein
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Amtsgerichtsgebäude gekauft

1940 kaufte der Kreis (inzwischen Tauberbischofsheim) das alte Amtsgerichtsgebäude (heute Rathaus), um dort neben der Winterschule auch Internatsräume für die bäuerlichen „Burschen und Mädels“ einzurichten; viele Orte des Schulbezirks waren sehr entfernt, nur mit Fahrrad oder zu Fuß erreichbar. Krieg und Nachkriegszeit (Baustoffmangel, Wohnungsnot) verzögerten den Umbau des Amtshauses, das eine helle, moderne Landwirtschaftsschule mit Internat werden sollte (damals spöttisch „Bauernschloss“ genannt). Zum Unterrichtsbeginn der Winterschule 1950/51 (am 17. November 1950) war der Umbau endlich beendet.

Der Schulbezirk war zunächst auf das Gebiet des damaligen Amtsbezirks Boxberg abgestimmt, später ausgedehnt auf Gemeinden des Bezirks Adelsheim. Die Schüler kamen aus bis zu 60 Gemeinden. Nach dem Krieg wurden in Adelsheim 1948 und in Krautheim 1949 eigene Winterschulen eröffnet. Der Boxberger Schulbezirk schrumpfte auf zuletzt 25 Gemeinden.

Schwankende Schülerzahlen

Die Schülerzahlen schwankten. Vor allem in der Zeit der Wirtschaftsrezession ging der Besuch zurück. Nur etwa die Hälfte der Schüler der Unterklasse besuchte damals auch die Oberklasse. Nach 1933 stiegen die Schülerzahlen infolge des Pflichtschulbesuchs in Baden wieder an. 1939 wurde erstmals eine Mädchenklasse geführt.

In den folgenden Jahren waren die Burschenklassen wegen des Krieges mäßig besucht, die Mädchenklassen dagegen gut. Ab 1948 zog der Schulbesuch wieder erfreulich an.

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Doch der tiefgreifende Wandel in der Landwirtschaft erfasste auch die Winterschule. 1966 wurde letztmals eine Mädchenklasse unterrichtet, 1970 zum letzten Mal eine Burschenklasse. Danach mussten die Jungbauern und -bäuerinnen zur Ausbildung nach Bad Mergentheim. Heute müssen Fachschüler zur Fachakademie nach Kupferzell. In MGH gibt es – bei genügend Nachfrage – noch zweijährige Kurse für Nebenerwerbs-Landwirte.

Die Boxberger Landwirtschaftsschule bestand 49 Jahre. In dieser Zeit haben 944 Junglandwirte die Unterklasse, 606 die Oberklasse besucht. 453 Mädchen haben die Mädchenabteilung besucht. Als Dienstvorstände wirkten Karl Lienhard (1921 bis 1929), Wilhelm Traut (1929 bis 1938), Herbert Kolb (1938 bis 1944), Dr. Herlan (1944 bis 1945), Peter Sessler (1946 bis 1951), Kolb/Rosen (1951/52), Ludwig Wöppel (1952 bis 1958) und zuletzt Christoph Hörner (1958 bis 1970).

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