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Ortsverwaltung Uiffingen

„Mir messe üwerlechd handeln“

Fest anlässlich der Eingemeindung in die Stadt Boxberg vor 50 Jahren

Von 
Susanne Sohns
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Die Chorgemeinschaft Uiffingen umrahmte den Nachmittag anlässlich „50 Jahre Eingemeindung zu Boxberg“. © Susanne Sohns

Uiffingen. „In diesem Jahr denken wir an die Eingemeindung unseres Orts in die Stadt Boxberg vor 50 Jahren. Auch erinnern wir uns an die erste urkundliche Erwähnung von Uiffingen vor 777 Jahren. Diese zwei Daten sind Eckpunkte in der Geschichte unseres Dorfes“, hieß Ortsvorsteher Stefan Bier die zahlreich erschienenen Gäste im Pfarrhof von Uiffingen willkommen. Ein bunter und geselliger Nachmittag bot sich anschließend mit Speis und Trank sowie vielerlei geschichtlichen Hintergründen. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch drei Liedbeiträge der Chorgemeinschaft Uiffingens.

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Rückblick auf Dorfgeschichte

„Wir versetzen uns in die Zeit um das Jahr 1245“, fuhr Bier fort. Uiffingen bestand damals aus mehreren sogenannten Fronhofverbänden. Ein Fronhofverband setzte sich aus mehreren Hofstellen zusammen, welche einem Adligen oder dem Würzburger Bischof gehörten. Wie das Wort Fronhof schon aussagt, mussten die Bewirtschafter neben den Abgaben auch Frondienste leisten. Ein Gemeinwesen, wie wir es heute kennen, gab es noch nicht. Alles wurde von außen bestimmt. Bis zur selbstständigen und selbstbestimmten Verwaltung des Dorfes, war es ein weiter und harter Weg.“ Im Heimatbuch von Werner Blesch wird dieser Vorgang so beschrieben, dass sich das Dorf als solches erst erfinden musste. Immer wieder gab es im Verlauf der Jahrhunderte Änderungen und neue Gesetze, auf welche sich die Dorfgemeinschaft einstellen musste. Mit der Gemeindereform vor 50 Jahren drohte dann das Ende der Selbstverwaltung. Dies sei für viele Uiffinger schlecht vorstellbar gewesen. Die Reform mit der Eingemeindung wurde im Dorf heftig diskutiert und die Harmonie innerhalb der Dorfgemeinschaft wurde auf eine harte Probe gestellt.

Im Jahr 1972, kurz vor der Eingemeindung, hatte Hermann Blesch das Amt des Bürgermeisters inne. Als Gemeinderäte fungierten damals August Keller, Fritz Boxberger, Hugo Bauer, Walter Ernst, Rudolf Wild und Eugen Dötter. Ratsschreiber war Albert Schulz und Gemeinderechner Reinhard Gehrig senior.

Wirtshausszene anno 1972

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Im Dialekt, humorvoll inszeniert und doch präzise recherchiert, bot das Anspiel aus der Feder von Manfred Blesch, welches eine anschauliche Wirtshausszene aus dem Jahr 1972 darstellt, ein besonderes Highlight während des festlichen Nachmittags.

Die Laienspieler Hiltrud Schneeweis, Reinhold Ernst, Christian Wild, Daniel Schneeweis und Karlheinz Beyer bewiesen ihr schauspielerisches Talent. In ihren Dialogen wird heftig über die Vor- und Nachteile der bevorstehenden Eingemeindung diskutiert. Immer wieder muss die Wirtin Elsa Hofwirt ihre Gäste zwischen den hitzigen Dialogen mit alkoholischem Nachschub versorgen. Feuchtfröhlich sind sich die Protagonisten jedoch einig, dass alle das Beste für den Ort und dessen Zukunft möchten.

„Mir messe üwerlechd handeln“, sagen sie und bringen sich damit immer wieder zur Vernunft im Eifer der Diskussion. Ihnen ist wichtig, die Eigenart und Unabhängigkeit des Orts trotz einer möglichen Eingemeindung unter Boxberg zu erhalten.

Und das gelang den Uiffingern wohl auch, ist sich Stefan Bier zum Ende hin sicher. Als Beweis las er Stellen aus dem Original Eingemeindungsvertrag vor. Da gab es beispielsweise eine Klausel, die sagt, dass die Feuerwehr unabhängig bleibt und immer gut ausgestattet werden muss. der dass Uiffingen eine eigene Vatertier-Bullenbesamung behalten darf und vieles mehr.

Ein besonderes Schmankerl zum Abschluss des offiziellen Teils war das Vorspielen der Original-Ortsfunk-Ansprache des damaligen Bürgermeisters Hermann Blesch. Zum Neujahr 1973 und damit dem Zeitpunkt der offiziellen Eingemeindung Uiffingens in die Stadt Boxberg, schwor Blesch die Ortsbewohner ein, sich auf die neue Situation einzulassen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Jeder sollte seinen Beitrag dazu leisten, den Ort für die Zukunft gut aufzustellen.

Dank der Familie Reinhold und Burkhardt Ernst, die diese Originalaufnahmen auf Kassette aufgenommen hatten, konnte dieses Zeitdokument nun 50 Jahre später erneut zu Gehör gebracht werden.

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