Weltgebetstag - Professorin Kudzai Biri will Simbabwe im Süden Afrikas beim Kulturabend am 23. Januar ins Blickfeld rücken Lebenssituation der Frauen verbessern

Von 
Diana Seufert
Lesedauer: 
Professorin Kudzai Biri aus Harare wird beim Kulturabend der Evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber am 23. Januar in Boxberg über die Situation der Frauen in Simbabwe sprechen. © Jacobus-Schoof

Simbabwe steht im Mittelpunkt des Weltgebetstags der Frauen. Beim Kulturabend der Evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber wird Kudzai Biri über ihre Heimat sprechen.

AdUnit urban-intext1

Boxberg. Dürfen Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen? „Die Rolle und der Status der Frau in Simbabwe“ ist das Thema von Professorin Kudzai Biri. Sie ist Dozentin für Christliche Theologie und theologische Lehre der Kirchen in Simbabwe an der University of Zimbabwe in Harare. Derzeit arbeitet sie mit einem Alexander-von-Humboldt-Stipendium im Forschungsprojekt „Bible in Africa Studies“ an der Universität Bamberg und wird beim Kulturabend am 23. Januar in Boxberg referieren.

„Sie ist eine ganz unkomplizierte Frau, sehr bodenständig.“ Wenn Gardis Jacobus-Schoof von Kudzai Biri spricht, dann leuchten die Augen vor Begeisterung. Seit fast einem Jahr stehen die beiden Frauen in Kontakt, um den Besuch der Professorin im Boxberger Gemeindehaus vorzubereiten. Neben zahlreichen Mails, in denen Biri über die Situation der Frauen in ihrem Heimatland berichtet, hat sie das Treffen beim Africa Festival in Würzburg im vergangenen Mai sehr beeindruckt.

Gesellschaft verändern

„Biri lebt für die Mission, die Lage der Frauen in Simbabwe zu verbessern – nicht in der Tradition verharren, sondern sich selbst bewegen und etwas tun.“ „Empowerment“ (Ermächtigung) heißt das Stichwort, unter dem sich die Professorin für Veränderungen in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche stark macht.

AdUnit urban-intext2

In der früheren britischen Kolonie Simbabwe, die 1980 in die Unabhängigkeit entlassen worden war, herrschen nach Auskunft Biris Korruption und Machtmissbrauch vor. Mit der Ära des Herrschers Robert Mugabe hätten sich die Probleme noch vertieft. Der Klimawandel sorge für weitere Konflikte.

Frauen seien wirtschaftlich und finanziell von den Männern abhängig, ihr Status sei häufig von Unterordnung, Ausbeutung und auch von Gewalt bestimmt. „Die Frauen hatten früher beispielsweise kein Recht, über die Ernte auf den Feldern zu verfügen“, erzählt Gardis Jacobus-Schoof.

AdUnit urban-intext3

Die Boxberger Mitarbeiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung verweist auf die Stiftung Envision Zimbabwe Women’s Trust, die ebenfalls versucht, die Lage der Frauen und Mädchen zu verbessern. Dazu gehört auch, dass Mädchen nicht früh verheiratet werden. „Über den eigenen Körper bestimmen“, nennt Professorin Biri das. Gut findet Jacobus-Schoof, dass man versuche, Konflikte durch Gespräche und Dialog zu beenden. Und diese Dialoge fänden häufig in kirchlichen Räumen statt.

AdUnit urban-intext4

Biri wolle das Augenmerk auf die Notlagen der Frauen in Afrika lenken. Sie strebe nicht nur an, die Stellung der Frau in der Gesellschaft zu verbessern, sondern auch in der Kirche. Hier sei man nicht entschieden genug und effektiv für die Gleichberechtigung eingetreten, wie sie der Boxbergerin geschrieben hat. Bedrückend ist für Gardis Jacobus-Schoof auch die gesundheitliche Situation in dem südafrikanischen Land. Medikamente fehlen, vor allem für chronisch Kranke, die Selbstmordrate ist hoch.

„Die Probleme in Simbabwe sind groß, werden aber von uns hier kaum wahrgenommen.“ Etwa die hohe Arbeitslosigkeit. Mehr als 80 Prozent der Menschen haben keine regelmäßige Arbeit. Die Frauen versuchen, als Kleinhändlerinnen Geld zu verdienen. Trotzdem oder vielleicht auch deswegen seien Werte wie Gemeinschaft, Solidarität und Familie sehr hoch.

Spannend findet Jacobus-Schoof die theologische Arbeit und akademische Sicht der zentralen Bibelstelle für den Weltgebetstag. Im fünften Kapitel des Johannes-Evangeliums geht es um die Heilung eines Kranken: „Jesus sagt zu ihm: Steh auf, nimm deine Matte und geh.“ Biri hat Frauen aus ganz unterschiedlichen Bildungsschichten zu ihrem Verständnis dieser Zeilen befragt. Unter den Befragten waren Frauen, die diesen Text nur als historische Episode verstanden, oder einige, die Bibelauslegung nur als Aufgabe des Pfarrers sehen. Aber auch andere, die kritisch-bewusst gegenüber den Glaubenstraditionen sind und den Text als Wink verstehen, sich auf den Weg zu machen, für Heilung auf allen Ebenen einzustehen. Biri schlussfolgert daraus, dass die „ideologische Ermächtigung wichtig ist, damit Frauen Situationen in ihrem Leben in Frage stellen können“.

Das Gemeinschaftsgefühl und die verbreitete Lebensphilosophie Ubuntu – zu deutsch „Ich bin, weil wir sind“ – will man auch beim Kulturabend aufleben lassen.

Neben dem Vortrag will man Simbabwe auch kulinarisch näherkommen. „Es ist immer spannend, wenn jemand aus dem Land des Weltgebetstags direkt kommt“, freut sich Gardis Jacobus-Schoof, dass Biri sofort zugesagt hat. Übersetzen wird Hans Hartung, der beruflich oft in Afrika unterwegs und gerade aus Ghana zurückgekommen ist.

Musik, Kulinarik, Vortrag

Musik, Begegnung und die Möglichkeit zu Fragen runden den Abend ab. Ein Frauenchor unter Leitung von Christiane Weber wird dabei vier Lieder singen, die Trommelgruppe „Dagadu“ (Martin Scheffel) wird die Veranstaltung eröffnen.

Mit dem Kulturabend, der seit 25 Jahren begangen wird, will man einen interessanten und informativen Zugang zum Weltgebetstagsland schaffen. Eine Woche später steht beim theologischen Abend die Auslegung der Bibelstelle im Mittelpunkt.

Zudem gibt es auch jedes Jahr ein Spendenprojekt. Im letzten Jahr sei von dem Geld ein Ofen in einem Frauenhaus in Ljubljana angeschafft worden, als Slowenien Weltgebetstagsland war. „Die Hilfe geht direkt zu Betroffenen“, so die Boxberger Organisatorin.

Der Weltgebetstag verbinde Frauen über Konfessionen und Länder hinweg, mit dem Ziel, dass Frauen und Mädchen und ihre Familien in Frieden, Gleichberechtigung, Würde und Gerechtigkeit auf der ganzen Welt leben können, sagt Gardis Jacobus-Schoof. „Der Tag ist für mich ein Fenster in die Welt und eine Tür zur Gemeinschaft hier vor Ort, bei der sich Frauen und Männer unterschiedlicher Konfessionen treffen.“

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz