Kindergarten St. Martin - Erzieher-Team hat im Lockdown bereits mehr als 70 Videoclips für die Kinder und deren Eltern gedreht Kreative Beschäftigung für das Kinderzimmer

Mit Kreativität gegen den Corona-Lockdown: Videos für die Kinder, die nicht in den Kindergarten kommen können, sorgen für Begeisterung.

Von 
Diana Seufert
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Videos im Lockdown: Das Erzieher-Team des katholischen Kindergartens St. Martin in Boxberg dreht für die 32 Kinder Videos, damit die Eltern die Kleinen zu Hause beschäftigen können. © Kindergarten

Boxberg. „Hallo, ich bin’s, Bianca vom Kindergarten. Heute zeige ich euch, wie man Jonglierbälle aus Luftballons bastelt.“ Die Erzieherin des Boxberger Kindergartens St. Martin beschreibt Schritt für Schritt, wie die Bälle mit ganz einfachen Mitteln zu Hause hergestellt werden. Mit Julian dürfen die Kinder das Faschingslied „A ram sam sam“ singen und Ann-Kathrin und Bianca sorgen mit dem Kindergartenboogie für gute Laune. Mitmachen und mitsingen erwünscht.

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Das ist kein Tag in einer Kita, aber dem Alltag dort nachempfunden. Denn die katholische Einrichtung ist wegen des Corona-Lockdows geschlossen. Lediglich eine Notbetreuung darf gewährleistet werden.

Basteln, spielen und sich bewegen sollen die Kinder aber auch zuhause. Und damit der Nachwuchs den Besuch in der Kita nicht ganz so schmerzlich vermisst, haben die Erzieher zu einer eher ungewöhnlichen Methode gegriffen. Sie produzieren Videos für ihre Schützlinge. Mittlerweile gibt es schon mehr als 70 solcher Clips, die die sie über Youtube für Eltern und Kinder im Internet zur Verfügung stellen. Der Leiter der katholischen Einrichtung, Julian Weiß, ahnt, dass man bis zum Ende der Schließung der Einrichtung die 100er-Marke knacken wird.

Die Idee zu dieser Aktion kam ihm während des ersten Lockdowns im April. „Die Kinder durften nicht mehr kommen. Aber wir wollten unbedingt den Kontakt halten.“ Und so machte man sich im achtköpfigen Team Gedanken. „Wir wollten, dass uns die Kinder auch sehen können“, erklärt Weiß. Denn damals hatte es einige Neuzugänge gegeben, die gerade die Eingewöhnungsphase hinter sich hatten. Mit den Youtube-Videos konnte man sie und die übrigen erreichen.

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Seit Dezember, zur neuerlichen Schließung der Kita, ist das Team nun wieder aktiv, filmt und bastelt, damit der Nachwuchs beschäftigt ist. „Für die Eltern soll unser Angebot eine Entlastung bringen“, hofft der Leiter. Er kennt die Schwierigkeiten von Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung aus vielen Gesprächen mit Freunden und den Eltern der Kinder. Denen fehlen genauso wie den Erwachsenen die sozialen Kontakte zu ihren Freunden, das Spielen und Toben mit anderen. „Die Kinder vermissen die Kita einfach“, betont Weiß.

Und genau da setzt das Video-Projekt an. „Damit wollen wir Langeweile vorbeugen und ein bisschen Abhilfe schaffen mit Dingen, die die Kinder sonst in der Kita machen würden.“ Von der Turnstunde über Bewegung-, Mal- und Bastelideen bis zum Faschingssong reicht die bunte Palette. Selbst Vogelfutter wurde schon mit den Kleinen hergestellt. „Wenn die Kinder schon vor dem Computer sitzen, was manchmal unumgänglich ist, dann sollen sie etwas Sinnvolles in dieser Zeit erfahren“, findet das ganze Team.

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Mit speziellen „Aufgaben-Paketen“ versorgen die Verantwortlichen alle 32 Kinder per Post. In dem dicken Umschlag finden sich Bastelanleitungen, die im Video erklärt werden, manchmal aber auch etwas Süßes. Im jüngsten Paket lagen einige Luftballons, um die Jonglierbälle basteln zu können. Den religiösen Festen wird man in der katholischen Einrichtung ebenso gerecht. Im ersten Lockdown wurde über Ostern gesprochen, nun über Weihnachten. Und auch ein Lied zu Dreikönig durfte nicht fehlen.

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Wichtig ist Julian Weiß auch die Aktion des Bundespräsidenten, eine Kerze ins Fenster zu stellen. Der Kindergarten hat sich an der Lichter-Aktion beteiligt, ebenso wie im ersten Lockdown am Malen der Regenbogen. „Die Zeichen stehen dafür, dass wir die Hoffnung nicht verlieren und bald zur Normalität zurückkehren können.“

Den Tagesablauf in der Einrichtung einfach nach Hause zu den Familien bringen, haben sich die Erzieherinnen und Erzieher zum Ziel gesetzt. Und das kommt bei allen an. Von den Eltern wurde das Angebot rasch angenommen.

„Aber auch Eltern, die nichts mit unserer Einrichtung zu tun haben, nutzen die Möglichkeit, um die Kleinen zu beschäftigen“, freut sich Weiß über die tolle Resonanz auf die Aktion, für die man bisher nur Lob und 78 Abonnenten eingeheimst hat. „Manche Videos wurden sogar über 1000 Mal geklickt.“ Gerne angesehen wird beispielsweise das Video über die bunte Steinschlange entlang des Radwegs zwischen Boxberg und Schweigern.

Der zeitliche Aufwand für die Videos halte sich in Grenzen, sagt Weiß und freut sich über die Kreativität seines Teams. Alle seien mit großer Begeisterung bei der Sache, zollt er Lob.

Die Regeln, die während der Corona-Pandemie gelten, sind den Kleinen immer im Bewusstsein. „Sie wissen, was man darf und was nicht, wie wichtig Händewaschen und Maskentragen ist.“ Und in verschiedenen Spielsituationen würde Corona einfach integriert. Das sei mittlerweile für die Kleinen vollkommen normal.

Für die Zeit nach Corona – die sich das ganze Team sehnlichst herbeiwünscht – gibt es die Überlegung, die Videos beizubehalten. Im Evaluationsbogen, den die Eltern im Dezember ausgefüllt haben, fand sich der Wunsch mehrfach. Sie fänden es toll, wenn es solche kurzen Clips auch weiterhin gebe. „Warum eigentlich nicht“, sagt Julian Weiß, der seit über einem Jahr die Leitung der Einrichtung inne hat. Und auch die Zusammenarbeit mit anderen Kindertagesstätten fände er in dieser Beziehung spannend.

Bis wieder ein normaler Alltag in der Einrichtung einkehren kann, wird es wohl noch etwas dauern. Bis dahin können die Kleinen mit ihren Erzieherinnen und Erzieher wenigsten per Video basteln und spielen.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz