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Heimatverein „Brehmbachtal“

Königheim: Gassenbauers Heimatforschungs-Studie mit Urkunde belohnt

Heimatforscher aus dem „Ländle“ wurden im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg ausgezeichnet. Als einziger Geehrter aus dem Main-Tauber-Kreis war Burkard Gassenbauer vom Heimatverein „Brehmbachtal“ Königheim dabei.

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Staatssekretärin Olschowski zeichnete den Heimatforscher Burkard Gassenbauer (Tauberbischofsheim/Königheim; Zweiter von links) mit einer Anerkennungsurkunde für herausragende Leistungen aus. Es gratulierten der Vorsitzende des Landesausschusses Heimatpflege, Karlheinz Geppert (rechts), und der Vertreter des Radolfzeller Oberbürgermeisters, Christof Stadler. © Ministerium für Wissenschaft und Forschung/Gerald Jarausch

Königheim/Radolfzell. Zum 40. Mal wurde vom baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst beispielhaftes Engagement auf dem Gebiet der ehrenamtlichen Heimatforschung gewürdigt. Weit über 100 Forscher und ihre Arbeiten aus allen Teilen Baden-Württembergs waren zur Auszeichnung vorgeschlagen worden. Die 16-köpfige, aus Vertretern des Landesausschusses Heimatpflege und auch Persönlichkeiten aus der Wissenschaft bestehende Jury hatte bei der Preisvergabe die Qual der Wahl.

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Die Auszeichnung der besten diesjährigen Arbeiten fand am Freitag im Veranstaltungszentrum „Milchwerk“ in Radolfzell am Bodensee statt. Die Übergabe der Preise und Auszeichnungsurkunden nahm Staatssekretärin Petra Olschowski im Auftrag von Ministerin Theresia Bauer vor.

Der Landespreis ist mit 17 500 Euro dotiert. Einen Geldpreis erhielten neun Autoren beziehungsweise Autorenteams. Verständlicherweise kann aber, wie Moderator Lothar Rapp in der Feierstunde feststellt, nicht jeder einen der Geld-Preise gewinnen. Jedoch könne die Jury auch weitere bemerkenswerte Arbeiten auszeichnen, indem sie Anerkennungsurkunden als Zeichen der verdienten öffentlichen Würdigung vergibt.

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„Herausragende Leistungen“

So erhält Burkard Gassenbauer (Tauberbischofsheim) vom Heimatverein „Brehmbachtal“ Königheim für sein Ende 2018 erschienenes Buch „Plötzlich abgeholt – die Geschichte der jüdischen Gemeinde Königheim und ihr grausames Ende im Dritten Reich“ eine Anerkennungsurkunde für seine „herausragende Leistungen“ in der Heimatforschung. In der Laudatio gab Moderator Lothar Rapp einen Einblick in das vom Königheimer Heimatverein herausgegebene Buch. In dem werde detailliert die Geschichte der jüdischen Gemeinde Königheim nachzeichnet. Zentrales Thema sei die Verfolgung der jüdischen Gemeinde und ihre Auslöschung durch die Nationalsozialisten. Insbesondere sei es dem Autor gelungen, die Schicksale der letzten in Königheim lebenden Juden zu erforschen.

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Zuletzt haben vermutlich 13 Juden in Königheim gelebt, wo es Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts eine relativ große jüdische Gemeinde mit enormer wirtschaftlicher Bedeutung gab. Zwölf jüdische Mitbürger wurden 1940 von den Nazis in südfranzösische Lager Gurs deportiert. Der Vernichtungsmaschinerie der Nazis sind nicht nur die meisten dieser Verschleppten zum Opfer gefallen. Vielmehr haben die Forschungen Gassenbauers ergeben, dass mindestens 25 Menschen jüdischen Glaubens, die in Königheim zu Hause waren oder aus der Gemeinde stammten, Opfer des Holocaust wurden.

Zeitzeugen befragt

Der Journalist und Heimatforscher Gassenbauer habe akribisch unzählige Quellen (Archivalien, Briefe und digitale Quellen) ausgewertet, unter anderem auch letzte Zeitzeugen befragt, Interviews mit (in Übersee lebenden) Nachfahren geführt und nicht nur die Nazi-Zeit, sondern auch die unmittelbare Nachkriegsgeschichte beleuchtet.

Der Autor lege, so Rapp, eine „quellengesättigte, klar argumentierende und gut lesbare Studie“ über die jüdische Gemeinde und die jüdische Bevölkerung Königheims vor. „Seine herausragende Arbeit verdient Dank und Anerkennung.“

Letztere wird einerseits in der von Staatssekretärin Olschowski an Gassenbauer überreichten Urkunde zum Ausdruck gebracht und andererseits dadurch, dass das Buch „Plötzlich abgeholt. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Königheim und ihr grausames Ende im Dritten Reich“ – wie alle ausgezeichneten Arbeiten – dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart zur Dokumentation übergeben wurde.

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Unverzichtbare Arbeit

Wie Staatssekretärin Olschowski in ihrer Festrede herausstellte, leisten die ehrenamtlichen Heimatforscher unverzichtbare Arbeit, indem sie vielfältige Aspekte aus der Lokal- und Regionalgeschichte behandeln, festhalten und weitergeben. Die Heimatforschung trage dazu bei, die Vielfalt örtlicher und regionaler Traditionen und Heimatgeschichte bewusst zu machen.

Heimatforschung erstreckte sich, wie in diesem Zusammenhang betont wurde, auf ein breites Themenspektrum, das von der Orts-, Siedlungs- und Naturgeschichte über Themen zur Migration bis hin zu lokalen Traditionen und Lebensläufen herausragender Persönlichkeiten reiche. Erfreulich sei, dass man in der Feierstunde nicht nur langjährige Heimatforscher auszeichnen dürfe, sondern – wie die Ehrungsliste zeigte – dass Heimatgeschichte auch für junge Menschen interessant sei. Die Staatssekretärin hoffte daher, dass sich noch mehr Jugendliche mit Heimatgeschichte beschäftigen.

Der Verleihungsfeier schloss sich ein Stehempfang der Stadt Radolfzell an.

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