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Flurbereinigung Boxberg/Windischbuch (Wald) - Aus kleinparzelliertem, teilweise kaum bewirtschaftbarem Forst wurde ein sinnvoll gestaltetes Areal „geschneidert“

In Windischbusch: Aus 927 wurden letztendlich 253 Flurstücke

Es hat zwar etwas länger gedauert, dafür kann sich das Ergebnis aber sehen lassen: Nach 16 Jahren ist die Flurbereinigung Boxberg/Windischbuch (Wald) abgeschlossen. Aus 927 Flurstücken wurden 253.

Von 
Harald Fingerhut
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Der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Wolfgang Schneider (Vierter von links) und Bürgermeisterin Heidrun Beck enthüllten im Beisein der Verantwortlichen die Erinnerungstafel an die Flurbereinigung Boxberg/ Windischbuch (Wald) am Teich in Windischbuch. © Harald Fingerhut

Windischbuch. Der Wald ist Wirtschaftsraum und Naherholungsgebiet gleichermaßen. Zudem macht dem Forst der Klimawandel zu schaffen. Ein Umbau ist notwendig. „Ich bin überzeugt, dass die Flurbereinigung Wald für Windischbuch und Boxberg gerade zum richtigen Zeitpunkt erfolgte, und sich das Ergebnis sehen lassen kann“, stellte Tobias Brenner, Leitender Ingenieur beim Flurneuordnungsamt Hohenlohekreis am Mittwoch am Teich im Windischbücher Graben fest. Anlass war die feierliche Übergabe der Erinnerungstafel an die Maßnahme. Alle am Verfahren maßgeblich Beteiligten stimmten dieser Feststellung zu. Ein über die Jahre wild gewucherter und dadurch ziselierter Grundstücks-Flickenteppich wurde aufgelöst und durch einen maßgeschneiderten ersetzt.

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Neunstetten als Vorbild

Eckdaten der Flurbereinigung

Zeitlicher Ablauf: Anordnung: 2002; Vorläufige Besitzeinweisung: 2013; Schlussfeststellung (geplant): 2022.

Verfahrensfläche: Gesamt: 206 Hektar; Wald: 98 Hektar; Acker- und Grünland: 91 Hektar; Straßen, Wege, Gewässer, Sportplatz, usw.: 17 Hektar.

Anzahl der Teilnehmer (im alten Bestand): 120.

Anzahl der Flurstücke: im alten Bestand: 927; im neuen Bestand: 253.

Wegebau: Neubau Schotterwege: 2,2 Kilometer; Instandsetzung Schotterwege: 0,3 Kilometer; neue Grünwege: 3,2 Kilometer.

Kosten: Ausführungskosten: rund 290 000 Euro; Zuschüsse von EU, Bund und Land: rund 195 000 Euro; Kostenbeiträge der Teilnehmer: rund 60 000 Euro; Sonstige Deckungsmittel: 35 000 Euro. hut

Der Wald in Windischbuch bestand im Jahr 2005 aus kleinparzellierten und oftmals unzureichend erschlossenen Privatwäldern. Hinzu kam ein umfangreicher Streubesitz des Landes, häufig bestehend aus kleinen Grundstücken. Dieser war entstanden durch den geplanten, aber letztlich gescheiterten Bau der Daimler- Teststrecke.

„Der Zustand des Waldes war für alle Privatwaldbesitzer unbefriedigend“, erinnert sich der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Wolfgang Schneider. Doch was tun? Der entscheidende Impuls sei schließlich die Waldflurneuordnung in Krautheim/Neunstetten gewesen. Die Nachbarn waren den Windischbüchern um eine Nasenlänge voraus und zeigten, dass eine solche Neuorganisation des heimischen Forsts vor allem für die Bewirtschafter von Vorteil sein kann. „Ich bin damals aufs Rathaus marschiert, habe das Anliegen vorgebracht und mit dem damaligen Hauptamtsleiter und späteren Bürgermeister Christian Kremer einen Unterstützer gefunden“, blickte Schneider zurück auf die Anfänge.

Für ihn sei damals besonders wichtig gewesen, dass man von Beginn an Tacheles rede und den Grundstückeigentümern die Kosten im voraus benenne. Von rund 1000 Euro pro Hektar war die Rede. Das Verfahren der Waldflurneuordnung würde nur funktionieren, wenn eine breite Akzeptanz vorhanden sei, war Schneider klar. Diese Zustimmung erhielt er in einer Versammlung vorab. Und es sollte sich zeigen, dass dies genau der richtige Weg zum Erfolg war.

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Nahezu reibungsloser Ablauf

„Die Stadtverwaltung hatte mit dem Verfahren kaum etwas zu tun“, lobte Bürgermeisterin Heidrun Beck. „Das ist immer ein gutes Zeichen dafür, dass es läuft.“ So sei der Grundstücksumbau nahezu geräuschlos verlaufen. Alle Beteiligten hätten, so sei zumindest der Eindruck bei der Stadtverwaltung gewesen, Hand in Hand gearbeitet. Auch die kreisübergreifende Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Hohenlohekreis sei unkompliziert vonstatten gegangen.

Die Rathaus-Chefin wies darauf hin, dass die Grundstückseinteilung nicht zufriedenstellend gewesen sei, ebenso wie der Anschluss an das Wegenetz. Nicht alle Waldstücke seien erreichbar gewesen.

„Der Wunsch aus der Bevölkerung nach einer Veränderung und auch Verbesserung war nachvollziehbar“, so Beck abschließend. Nun sei gerade die Holzabfuhr für die Privatwaldbesitzer besser zu bewerkstelligen.

„Es ist genau der richtige Zeitpunkt für solch eine Waldflurneuordnung“, betonte Tobias Renner. „Wir haben nicht nur die Voraussetzungen für eine zukunftsgerichtete, moderne Bewirtschaftung geschaffen, sondern auch für den dringend notwendigen Umbau des Waldes.“ Der Klimawandel und auch der immer häufigere Befall der Bäume durch Schädlinge machten es zwingend notwendig, den Wald für die Zukunft fit zu machen. Durch die Verbesserung der Erschließung und die Zusammenlegung der Flurstücke könne man schneller und effizienter auf Schäden reagiert werden und werde der Waldumbau erleichtert.

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„Bei der Waldflurbereinigung wurde deshalb zunächst das bestehende Wegenetz modernisiert und ergänzt“, blickte Renner auf den Ablauf des Verfahrens zurück. „Es ist anpassungsfähig für die heutige und zukünftige Bewirtschaftung.“ In dieses Gerüst des Wegenetzes seien dann die neuen Flurstücke eingepasst worden. Diese seien entstanden, indem aus den kleinen Parzellen größere, besser nutzbare Einheiten gemacht wurden.

Weiter sei der Ausbau der K 2842 sowie der L 514 begleitet worden, hob der Ingenieur hervor.

Günstiger als erwartet

Besonders froh ist Renner, dass das Verfahren nicht nur nahezu reibungslos abgelaufen sei, sondern auch kostengünstiger für die Teilnehmenden. „Statt der ursprünglich veranschlagten 1000 Euro pro Hektar stehen letztendlich unterm Strich 500 Euro, die zu entrichten sind“, so der Ingenieur.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.

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