Kulturkirche Unterschüpf - Schöpferische Vielfalt und prophetische Zeitansage

Gottesdienst setzt provokativen Akzent

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Zum „Tag der Umwelt“ feierte die Kulturkirche in Unterschüpf einen ganz besonderen Gottesdienst. © Kulturkirche

Unterschüpf. Seit 1972 wird international am 5. Juni der „Tag der Umwelt“ begangen. Vor fast 50 Jahren hat der „Club of Rome“ mit der berühmten Studie „Grenzen des Wachstums“ die Endlichkeit fossiler Ressourcen bewusst gemacht. Inzwischen sind durch das industrielle Wachstumsmodell vor allem des Westens die planetarischen Grenzen überschritten und bald Kippunkte erreicht, die das ökologische Gleichgewicht mit katastrophalen natürlichen wie sozialen Folgen schädigen.

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Kulturkirche und Evangelische Erwachsenenbildung haben darum im Pfarrgarten einen sinnlichen wie herausfordernden Akzent für eine Kultur der Vielfalt und Nachhaltigkeit gesetzt. Dabei wurde klar, dass schon die biblischen Schöpfungserzählungen wie auch das klassische Paul-Gerhardt-Lied „Geh aus mein Herz“ die Sinne für die Kreativität der Natur schärfen.

Die Theater- und Kulturpädagoginnen Susanna Hocher und Kathrin Haun-Wiesner haben mit Unterstützung von Janina Vasic die Schöpfungsgeschichte szenisch gelesen und am Balkon des Pfarrhauses mit Tüchern Bilder entstehen lassen. Umrahmt wurde die szenische Lesung vom präzisen A-cappella-Gesang des Ensembles „4tuosos“ (Elke Timm, Sabine Steinmetz, Paul Timm und Wilfried Bauch) unter der Leitung von Claudia Bähr. Pfarrer Dr. Kücherer wies in seiner Predigt eindringlich auf die Notwendigkeit gesellschaftlicher Transformation hin. Es sei Zeit, den Weg in ein postfossiles Zeitalter zügig und konsequent zu gehen. Im Anschluss an die bekannte Politökonomin Maja Göpel („Unsere Welt neu denken“) forderte er auf, aus „Scheinrealitäten“ aufzubrechen: Etwa würden die gegenwärtigen Preise für fossile Energie bei weitem nicht die mit dem Energieverbrauch verbundenen ökologischen und sozialen Schäden abbilden. Um die Schöpfung zu bewahren und der heranwachsenden Generation ein Leben in Freiheit zu ermöglichen, bräuchte es einen aktivierenden Staat, unternehmerische Innovation und die Bereitschaft der Zivilgesellschaft für einen Kulturwandel zur Nachhaltigkeit. Die Kirchen im ländlichen Raum könnten hier Ressourcen für kreative und naturnahe Inspiration erschließen.

Im Anschluss an den Gottesdienst hat die Landschaftsgärtnerin der Kulturkirche, Heidi Daub, mit Kindern ein buntes Schöpfungslabyrinth im Pfarrgarten angelegt und ein Hochbeet im Naturgarten bepflanzt. Ebenso hatte sie Muffins mit Rhabarber gebacken, der im Naturgarten gewachsen ist. Die zahlreichen Besucher nahmen das „catering to go“ samt vielfältigen Eindrücken dankbar mit.

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