Musik - Christiane Weber und Stefan Rauch arbeiten an ihrem neuen Album „Wärme“ mit gesellschaftskritischen Texten Gefühlvolle und sehr tiefgreifende Songs

Von 
Diana Seufert
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Lieder, die zum Nachdenken anregen, die das Verhältnis zwischen den Menschen in den Vordergrund stellen, nehmen Christiane Weber und Stefan Rauch derzeit für ihr aktuelles Album „Wärme“ auf. Im März soll die CD auf den Markt kommen. © Michael Pillkahn

„Wärme“ heißt das neue Album, das Stefan Rauch und Christiane Weber derzeit einspielen. Im März soll die Scheibe mit zwölf neuen Liedern fertig sein.

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Boxberg. „Hinhören, hinsehen, wach sein und endlich aufstehen, . . . dann wird der Wind sich drehen“, endet der Song „Hin und weg“. Das neue Album im Singer/Songwriter-Stil von Stefan Rauch und Christiane Weber passt in die Weihnachtszeit. Die beiden wollen mit ihren Liedern wachrütteln und zum Nachdenken auffordern.

Es wird keine Gute-Laune-Musik, mit überbordender Freude, aber auch keine religiöse Scheibe, wie das Debüt-Album „Unüberhörbar“. Christiane Weber und Stefan Rauch haben zwölf gefühlvolle und tiefgreifende Lieder über Themen getextet und komponiert, die die beiden persönlich beschäftigen und gesellschaftspolitisch relevant sind. Es geht um Armut und Reichtum, um Freiheit und Sicherheit, um Umweltverschmutzung und Gerechtigkeit. In „Hin und weg“ etwa geht es um die Herstellung von Kleidung in Indien und Bangladesh, was für die beiden moderner Sklaverei gleichkommt.

Der Song „Wertvoll“ ist für Stefan Rauch besonders wichtig. Er thematisiert das Leben eines Menschen am Rand der Gesellschaft, der permanent untergebuttert wird.

Standpunkt verändern

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„Die Lieder sollen Mut machen, genau hinzuschauen und auch mal den Standpunkt zu wechseln“, sagt der 57-jährige Leiter des „Spontanchors“ in Boxberg. Die Einstellung, man „hat die Wahrheit gepachtet“, gebe es nicht. „Wahrheit ist ein Weg, den man beschreitet.“ Die Musiker ergänzen sich perfekt. Die Altistin liebt das Komponieren, dem Chorleiter fällt das Texten leichter. In wenigen Zeilen die Botschaft unmissverständlich und klar auf den Punkt zu bringen, ist für die 37-Jährige, die seit Kindertagen im Chor singt, nicht ganz so einfach. Rauch lacht: „Ich habe gerne Wortneuschöpfungen, leider werden die vom Produzenten oft verworfen.“

Perfekte Ergänzung

Die Ideen zu den Texten kommen spontan, erzählen die beiden. „Wenn mir Dinge aufstoßen, versuche ich das in Worte zu fassen“, sagt Gitarrist Rauch. Vor allem das Denken in Schubladen störe ihn. Oder Sätze wie, das Wirtschaftswunder sei alternativlos. „Nein“, sagt Stefan Rauch energisch, „die Liebe ist alternativlos“.

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Die Mehrheit, die immer Recht hat, haben die beide in eine musikalische Fabel verpackt. Das Thema Sicherheit wurde von Christiane Weber provokativ verarbeitet. Sie findet, dass man sich mit der Unsicherheit anfreunden soll. „Wer sicher ist, ist nicht frei.“

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Die Lehrerin erinnert sich noch gut an die Entstehung des Songs „Wahrheit“. Auf dem Nachhauseweg waren ihr Text und Melodie eingefallen. Zuhause angekommen, hatte sie die Zeilen innerhalb von zehn Minuten niedergeschrieben und mit der Gitarre die passenden Akkorde gesucht. Nicht immer geht es so schnell. Manche Lieder brauchen Monate, bis sie in den Augen der beiden bestehen. Meist werden Ideen gemeinsam ausgebaut und gefeilt, jeder lässt seine Vorschläge einfließen. „Wir schauen, wie man aus jedem Song etwas Besonderes machen kann, welche Melodieführung passt.“

Von Blues bis Rock

Die zwölf Lieder, die es auf das Album geschafft haben, werden seit einigen Wochen von den beiden im Berolzheimer Tonstudio von Andreas Horn zweistimmig eingesungen und -gespielt.

Von Blues bis Rock haben sie ganz unterschiedliche Musikrichtigen aufgegriffen, um ihre Botschaft deutlich zu machen. Auf großartige Soundeffekte verzichten die Künstler lieber. Geige, Gitarren, Klavier und Schlagzeug genügen in der Regel, um ihren Songs den passenden Ton zu verleihen. „Die Lieder sollen natürlich klingen und für sich sprechen“, ergänzen die beiden.

Rauch und Weber haben bereits vor zwei Jahren ein gemeinsames Album veröffentlicht. War die CD „Unüberhörbar“ vor allem religiös geprägt, steht diesmal das Zwischenmenschliche im Vordergrund. Doch ein bisschen schränkt Christiane Weber dies wieder ein: „Wenn man das Gebot der Nächstenliebe ernst nimmt, kümmert man sich um seine Mitmenschen. Und darum geht es in allen unseren zwölf Liedern.“

Einen Teil des Albums versuchen die beiden per Crowdfunding zu finanzieren. Noch bis 31. Dezember läuft die Aktion. Im Internet kann man sich ein Video ansehen, das Album oder ein Konzert vorbestellen und so das Projekt unterstützen.“

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz