Gemeinderatssitzung - Bei der Bürgermeisterwahl im nächsten Jahr in Boxberg wird es auf jeden Fall einen neuen Rathaus-Chef geben Christian Kremer kandidiert nicht mehr

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Harald Fingerhut
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Christian Kremer wird bei der Bürgermeisterwahl im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren. Dies gab er in der Gemeinderatssitzung am Montag in der Boxberger Umpfertalhalle bekannt.

Amtsinhaber Christian Kremer wird keine dritte Amtszeit anstreben. In der Gemeinderatssitzung am Montag gab er bekannt, dass er bei der Bürgermeisterwahl im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren wird. © Foto Besserer
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Boxberg. Nach 16 Jahren ist also Schluss. „Ich habe mich nach reiflicher Abwägung aller Gesichtspunkte dazu entschlossen, im nächsten Jahr bei der Bürgermeisterwahl nicht mehr anzutreten“, sagte Christian Kremer eingangs der Gemeinderatssitzung am Montag in der Boxberger Umpfertalhalle. „Die vergangenen 16 Jahre sind wie im Flug vergangen, aber ich denke, sie sind genug und es ist Zeit für einen Wechsel.“ Es habe viele schöne Momente, aber auch schwierige Phasen gegeben. Er sei gerne Bürgermeister gewesen, aber eine weitere Amtszeit wolle er nicht mehr machen.

Gewerbe im Blick

Christian Kremer war vor 16 Jahren als Nachfolger von Horst Hollenbach zum Rathaus-Chef gewählt worden. Zuvor war der heute 55-jährige Bürgermeister schon als Hauptamtsleiter in der Boxberger Stadtverwaltung tätig und dort vor allem für die Ansiedlung von Gewerbe zuständig. Auch als Rathaus-Chef legte er großen Wert auf gute Rahmenbedingungen für Gewerbeansiedlungen, eine intakte Infrastruktur sowie solide finanzielle Verhältnisse.

Unter seiner Ägide wurde die Stadt schuldenfrei. Kurzum: Die Stadt hat unter seiner Führung ihre Hausaufgaben gemacht. Er hinterlässt seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus.

Große Fleißarbeit

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Dies wurde auch im weiteren Verlauf der Gemeinderatssitzung am Montag in der Umpfertalhalle deutlich. Sowohl der Jahresabschluss für den Haushalt 2019 als auch für den Eigenbetrieb Wasserversorgung fielen überaus positiv aus, so dass die Zustimmung des Gemeinderats, wie auch zur Feststellung der Eröffnungsbilanz der Stadt Boxberg mit Anlagen einstimmig ausfiel.

„Es war eine kaum vorstellbare Fleißarbeit, der sich Kämmerer Jürgen Kilian und seine Mitarbeiter in der Kämmerei bei der Aufstellung der Eröffnungsbilanz stellen mussten und die sie auch mit Bravour bewältigten“, lobte Bürgermeister Christian Kremer seine Rathausmitarbeiter. Diese Auflistung war wegen der Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik notwendig geworden. Die Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2019 weist eine Summe auf der Aktiv- wie auch auf der Passivseite von 99 332 523 Euro aus. „Mittlerweile dürfte sie bei rund 101,3 Millionen Euro liegen“, erläuterte der Rathaus-Chef.

Erfreulicher Jahresabschluss 2019

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Als sehr erfreulich bezeichnete Christian Kremer den Jahresabschluss 2019, der das kalkulierte Ergebnis weit übertraf und zwar im positiven Sinne. Statt einem Gesamtergebnis von kalkulierten 365 000 Euro im Haushaltsplan erwirtschaftete die Stadt tatsächlich 2,614 Millionen Euro. Dieses Gesamtergebnis setzt sich aus 2,355 Millionen Euro ordentlichem Ergebnis sowie 259 442 Euro Sonderergebnis zusammen.

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„Diese Summe können wir den Rücklagen zuführen, so dass wir für die kommenden Jahre, die aufgrund der Corona-Pandemie (weil hier Einnahmen fehlen werden) sicherlich nicht so gut laufen werden, einen gewissen finanziellen Spielraum haben“, stellte Christian Kremer fest. „Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren keine Maßnahme zurückhalten müssen, es keinen Investitionsstau geben wird.“ Er gehe davon aus, dass die Krise auch in den kommunalen Haushalten erst 2021 ihren Niederschlag finden werde. Dennoch werde auch Boxberg nicht umhin kommen, auf Sicht zu fahren.

Worauf ist das überaus gute Ergebnis zurückzuführen? „Wir haben auf Sicht geplant und, wie es in Boxberg Usus ist, vorsichtig kalkuliert“, erklärte der Bürgermeister. „Wir haben einerseits sowohl höhere Einnahmen bei den Gewerbesteuern und Zuweisungen als auch geringere Ausgaben, was sich unterm Strich überaus positiv ausgewirkt hat“, bilanzierte Kämmerer Kilian.

Weniger Wasserrohrbrüche

Ein weiteres Indiz für die gute Arbeit von Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat offenbarte sich beim Jahresabschluss 2019 des Eigenbetriebs Wasserversorgung. Die Wasserrohrbrüche im gesamten Stadtgebiet sind im Vergleich zu den Vorjahren drastisch zurückgegangen. „Wir hatten Zeiten, da gab es jährlich an die 100 Wasserrohrbrüche, im vergangenen Jahr waren es deutlich weniger. Wir liegen 2019 bei 38“, stellte Christian Kremer fest. „Wir haben in den letzten Jahren alle Straßenbaumaßnahmen genutzt, um den Unterbau, sprich auch die Wasserleitungen, auf Vordermann zu bringen. Das ist eine langwierige Angelegenheit, die nicht von schnellem Erfolg gekrönt ist, sich jetzt aber beginnt auszuzahlen.“

Doch nicht nur das Leitungssystem ist intakt, auch die Bilanz stimmt. „Bei Erträgen von 1,158 Millionen Euro und Aufwendungen von 1,070 Millionen Euro bleibt ein Gewinn von 88 031 Euro übrig“, führte Kämmerer Jürgen Kilian aus. Dieser werde auf den Haushalt 2020 übertragen.

Der Wasserverbrauch lag mit 429 041 Kubikmetern etwas über dem üblichen Rahmen, war jedoch deutlich geringer als im Vorjahr. Die nicht verkaufte Wassermenge ging um 0,51 Prozent zurück. Der Bezug von Trinkwasser von der Bodensee Wasserversorgung ging um rund 31 000 Kubikmeter zurück.

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Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.