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Vor 50 Jahren in Boxberg - Die Müllabfuhr in der Stadt wurde vom offenen auf staubfreien Abtransport mit Spezialfahrzeugen umgestellt

Boxberg: Firma löste 1972 die örtlichen Müllmänner ab

Die Abfallbeseitigung in Boxberg wurde ab Januar 1972 umgestellt. Statt den Unrat offen abzutransportieren wurde auf staubfreie Müllabfuhr mit Spezialmüllfahrzeugen umgestellt.

Von 
Dr. Dieter Thoma
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© Schöfer / Stadtarchiv Boxberg

Boxberg. Vor 50 Jahren erfolgte in Boxberg die letzte offene Müllabfuhr. Landwirt Karl Fickel und die Gemeindearbeiter Franz Jung und Ferdinand Frey schafften den an der Straße abgestellten Müll auf einen Anhänger und kippten das Gesammelte auf den städtischen Müllplatz. Ab Januar 1972 wurde die Müllabfuhr „staubfrei“: ein Unternehmen holte den in Eimern zu sammelnden Müll im geschlossenen Lkw.

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Satzung 1959 beschlossen

Im Frühjahr 1959 hatte der Boxberger Gemeinderat die Müllabfuhr-Satzung erneuert. „Die Stadt Boxberg betreibt die Abfuhr des Kehrichts und der Haushaltsabfälle, soweit diese nicht in der Landwirtschaft oder im Garten Verwendung finden“ (Paragraf 1). Ausnahmen beschrieb Paragraf 2: „Größere Eisenstücke, Steine, Dung und Kot dürfen in die Müllbehälter nicht aufgenommen werden. Das gleiche gilt für Chemikalien, Säuren und sonstige ätzende, explosive und feuergefährliche Stoffe, wie Munition, Sprengkörper, Blindgänger, verendete Tiere usw.“

Alle Haushaltungen, Gewerbebetriebe und Behörden waren verpflichtet, „sämtliche anfallenden Abfälle zu sammeln“ und an Abfuhrtagen bereit zu stellen, soweit nicht nach Paragraf 1 und 2 ausgenommen. Die Jahresgebühr für die Abfuhr war nach Personenzahl gestaffelt: von drei Mark (für eine Person im Haushalt) bis zu maximal acht Mark (bei sechs oder mehr Personen im Haushalt).

Behörden und Gewerbebetriebe hatten zwischen vier und 100 Mark zu zahlen. Die Jahresgebühr pro Person im Haushalt stieg ab 1966 um jeweils eine Mark , ab 1970 um weitere zwei Mark.

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Im August 1965 antwortete Bürgermeister Oskar Stapf auf Fragen zum Müllplatz. Die Stadt unterhalte im Gewann „Zent“ einen Müllplatz, etwa 700 Quadratmeter groß, der „nicht in einem Landschaftsschutzgebiet“ liege. „Über den jährlichen Abgang von Müll können keine Angaben gemacht werden.“ Die Müllabfuhr erfolge wöchentlich. „Es ist durchschnittlich mit zwei bis drei Fuhren zu rechnen.“

Im November 1965 erstattete die Stadt beim Landespolizeiposten Boxberg Anzeige gegen Unbekannt, weil Ortsfremde mehrere Autowracks abgestellt hatten. „Der Müllplatz ist ausschließlich für Müll aus der Gemeinde Boxberg eingerichtet. Außerdem ist das Abstellen der Autowracks eine Verschandelung der Landschaft.“

Im September 1971 beschloss Boxberg, auf staubfreie Müllabfuhr umzustellen. Den Landwirten Karl Fickel (Boxberg) und Otto Frank (Unterschüpf) wurde „das die Müllabfuhr betreffende Arbeitsverhältnis . . . auf 1. Januar 1972 gekündigt“. Die Stadt bestellte einheitliche „Sprico-Ringmülleimer“, verzinkt mit glattem Rumpf, in Größen von 35 und 50 Litern. Diese konnte man für 22 beziehungsweise 24 Mark auf dem Rathaus kaufen. Für die Bürger betrug die Benutzungsgebühr für Müll- und Sondermüll-Abfuhr ab 1972 monatlich zwei Mark pro Mülleimer, bei Haushalten mit nur einer Person 1,50 Mark beim ersten Mülleimer. Die Stadt verkaufte den Haushalten entsprechende Müllmarken, und nur Eimer mit dieser Marke wurden noch geleert.

Im Vertrag mit der Firma Helmut Windenberger (Adelsheim) wurde „die Abfuhr durch Spezialmüllfahrzeuge mit staubfreier Normschüttung“ zum städtischen Abladeplatz vereinbart.

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Der Unternehmer erhielt für die Abfuhr eine Vergütung von 1,50 Mark (+ MWSt) pro Monat und Gefäß. Die örtlichen Müllmänner mit Traktor, Anhänger und offener Müllabfuhr verschwanden aus dem Ortsbild.

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