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Blick in die Stadtgeschichte

Boxberg: 1952 wird das Amtshaus zum Rathaus

Stadtverwaltung erledigt seit 50 Jahren die Amtsgeschäfte in dem historischen Gebäude

Von 
Dieter Thoma
Lesedauer: 
Ein ruhiger Nachmittag im Innenhof der „Landwirtschaftsschule Boxberg“. © Heer/Stadtarchiv Boxberg

Boxberg. Seit 50 Jahren arbeitet die Boxberger Stadtverwaltung im ehemaligen Kurpfälzischen Amtshaus. Von Juni bis August 1972 dauerte der Umzug vom alten ins neue Rathaus. Notwendig wurde er durch die Gemeindereform. Unterschüpf und Kupprichhausen gehörten schon zu Boxberg, weitere zehn Gemeinden sollten noch fplgen.

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Der Beginn

Für das Amtshaus öffnete sich damit eine neue Funktion. Seine Geschichte beginnt mit dem Niedergang zweier Gebäude. Von 1691-1733 war Boxberg an das Hochstift Würzburg verkauft, dann an den Deutschorden Mergentheim verpfändet. Als das Pfand 1740 ausgelöst wird, hat Kurpfalz Heidelberg zwei „Groß-Baustellen“. Die mächtige Burg auf dem Schlossberg war durch Stürme und mangelnde Reparatur schwer beschädigt, die Amtskellerei an der Hauptstraße „gantz ruinos und irreparabel“. Es ist die Zeit, in der die Herrschaft nicht mehr hoch über den Untertanen residiert, sondern mitten unter ihnen.

So kommt es 1748 zum Neubau der Amtskellerei im Städtchen, geleitet vom kurpfälzischen Baumeister Franz Wilhelm Rabaliat(t)i. Vom Burgschloss lässt er gehauene Steine für Tor, Türen und Fenster am Neubau verwenden. Ein Vorgehen, das sich noch 150 Jahre lang wiederholen sollte – die imposante Schlossruine wird als Steinbruch ausgeschlachtet. Zugleich entsteht mit dem neuen Amtshaus ein barockes Schmuckstück, der „schönste Profanbau“ in Boxberg.

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Von 1748 bis 1802 dient der Neubau als kurpfälzischer Verwaltungssitz. Herrschaften und Personal wohnen im Haus. 1802 kommt Boxberg zum Fürstentum Leiningen, 1806 zum Großherzogtum Baden. Noch hat Leiningen ein eigenes Justiz- und Rentamt. 1813 hebt Baden die gerichtlichen Befugnisse Leiningens auf. An Stelle der fürstlichen Justizämter treten „Großherzoglich-Badische Bezirksämter“. Boxbergs erster badischer Oberamtmann heißt Anton Ortallo (1813-1827). Die Herrschaften teilen sich das Amtshaus: im Erdgeschoss sitzt das badische Bezirksamt, im oberen Stock das fürstliche Rentamt.

Am 7. März 1848 (Fastnachtsdienstag) wird das Amtshaus abends von mehreren hundert Bewohnern gestürmt. Der Zorn richtet sich gegen die leininigische Standesherrschaft und ihre Vertreter. Die fürstlichen Rentamtmänner haben in diesen Zeiten der Zehntablösung die jährlichen Raten oft rücksichtslos und mit äußerster Härte eingetrieben. Die Menge erzwingt den Zugang zum Amtshaus. Das „gut badische“ Erdgeschoss wird verschont. Der obere „leiningische“ Stock wird gründlich demoliert und geplündert. Der Rentamtmann flüchtet sich mit Frau und Kind über die Hinterseite des Hauses. Auf der „Schaafswiese“ werden Möbel und Akten verbrannt. Später singt die Boxberger „Liedertafel“ vor dem Amtssitz „So leb denn wohl, du stilles Haus“.

Bezirksamt zieht 1864 ein

Die Ära als leiningisches Rentamt nähert sich dem Ende – bald auch die Bezirksamts-Zeit. 1857 wird das Bezirksamt nach Krautheim verlegt. Als Entschädigung erhält Boxberg ein Amtsgericht, das mit Notariat ins Amtshaus einzieht. 1861 wird in der Nachbarschaft ein Amtsgefängnis gebaut. 1864 gewinnt Boxberg das Bezirksamt zurück. Die Behörde zieht ins frühere Domizil ein. Die räumlichen Verhältnisse sind nun sehr beengt. Bereits 1872 wird das Bezirksamt Boxberg erneut aufgehoben und Tauberbischofsheim zugeschlagen.

Mehrmals ist auch das Boxberger Amtsgericht von Aufhebung bedroht, bleibt aber bis 1924 im alten Amtshaus. Von 1924-1936 zieht das Vermessungsamt ins Gebäude. Der Staat vernachlässigt das Gebäude, so dass Bürgermeister Robert Welz 1935 klagt: „An der ganzen Boxberger Hauptstraße steht kaum ein Haus in einem solch verwahrlosten Zustand“. Der Bau dient auch als Privatwohnung für Beamte, später für Evakuierte und Flüchtlinge. Der 31. März 1945 wird zum blutigen Karsamstag: bei der amerikanischen Eroberung von Boxberg-Wölchingen toben in und um das Amtsgebäude tödliche Kämpfe.

In der Nachkriegszeit wird das Amtshaus für die Landwirtschaftsschule 1946 -1970 (Winterschule mit Internat) und das Landwirtschaftsamt umgebaut. Zudem finden sich hier alle Schul-Typen: Klassen der Volksschule (bis zum Schulneubau 1956), Klassen der Boxberger Zweigstelle des Gymnasiums Tauberbischofsheim (1950er Jahre), ab 1965 dann Klassen der neugegründeten Mittel-/Realschule, bis auch diese 1972 in ihr neues Schulzentrum einziehen können.

Vor 50 Jahren, im Juni 1972, beginnt die Stadtverwaltung ihren Einzug ins Amtshaus-Erdgeschoss. Im Obergeschoss existieren noch Räume des Landwirtschaftsamtes, aber auch schon der Sitzungssaal des Gemeinderats. Im Speicher sichten und ordnen Beamte des Generallandesarchivs Karlsruhe Bestände des städtischen Archivs. Am 25. August 1972 findet die erste öffentliche Gemeinderatssitzung im neuen Rathaus statt.

Der wuchtig gewölbte Ratskeller ist noch ein feuchter Schutt- und Abstellraum. Bürgermeister Oskar Stapf plant hier die „gute Stube“ Boxbergs. Im Juni 1976 kann Nachfolger Franz Zipperle den repräsentativ ausgebauten Ratskeller eröffnen. Unter Bürgermeister Horst Hollenbach wird das Obergeschoss im Amtshaus umgebaut. Der ehemalige Bauhof wird zum Sitzungssaal und Trauzimmer. Ein moderner Glasbau, auch als Ausstellungsraum geeignet, verbindet die beiden Gebäude.

Im neu gestalteten Rathaus-Innenhof vereint der Brunnen die 13 Gemeinde-Wappen der Stadt Boxberg. Nachfolger Christian Kremer lässt den Ratskeller nochmals umbauen, das Gebäude energetisch optimieren, im Erdgeschoss nach Aufhebung des Grundbuchamtes das neue Bürgerbüro einrichten. Mit Heidrun Beck ist seit Mai 2021 nun erstmals eine Frau Chefin im ehemaligen Kurpfälzischen Amtshaus.

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