Weinbauverband Württemberg - Jahrgang 2016 brachte die Wende zum Positiven / Mitgliederversammlung in Neckarwestheim "Wir brauchen den Weinbau 4.0"

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Werner Palmert
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Hohe Auszeichnung: Weinbauverbandspräsident Hermann Hohl, (links) überreichte zusammen mit Weinkönigin Andrea Ritz an Dieter Waldbüßer, Christoph Palm, Dr. Günter Bäder und Werner Hupbauer die Goldene Ehrennadel des Verbandes. Werner Hupbauer (Zweiter von links), wurde von Landwirtschaftsminister Peter Hauk außerdem mit der silbernen Staatsmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

© Werner Palmert

Der Weinjahrgang 2016 brachte die Wende zum Positiven, wie bei der Mitgliederversammlung des Weinbauverbands Württemberg zu hören war.

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Neckarwestheim. Der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg, Hermann Hohl, blickte bei der Mitgliederversammlung in der Neckarwestheimer Reblandhalle auf ein spannendes Jahr zurück, das mit der Lese im Herbst 2016 doch noch ein gutes Ende für die Württemberger Wengerter hatte. "2016 war zweifellos ein herausforderndes Weinbaujahr, das von vielen Unwägbarkeiten gezeichnet war", wie Hohl betonte.

Beginnend mit empfindlichem Frost folgten Starkregen und Hagelschäden. In Teilen des Anbaugebietes waren sehr große Unwetterschäden zu verzeichnen. Zum Glück wendete sich im Sommer dann doch noch vieles zum Guten. Und so konnte über das gesamte Verbandsgebiet gesehen eine in Menge und Qualität hochwertige Traubenernte eingebracht werden. Die Mostgewichte lagen bei nahezu allen Sorten über dem langjährigen Mittel. Ebenso die Erntemenge. Auf insgesamt 11089 Hektar Rebfläche wurden 114,1 Millionen Liter Wein geerntet, davon 28,7 Millionen Liter Weißwein und 85,7 Millionen Liter Rotwein.

Was war 2016 im Rückblick politisch erwähnenswert? Den Landtagswahlkampf habe der Verband gut genutzt, um die Anliegen und Forderungen des Berufsstandes bei den Parteien zu platzieren. Positiv überrascht wurden die Württemberger Wengerter, als im Koalitionsvertrag tatsächlich die Kernforderungen der Weinbranche bezüglich der Themenkomplexe Klimawandel, Aus- und Fortbildung sowie der Steillagenerhalt vollumfänglich Berücksichtigung fanden. Als besonders großen Verhandlungserfolg bezeichnete der Präsident das neue Steillagenförderprogramm des Landes Baden-Württemberg. Ob die angekündigten Fördermittel ausreichen, um den Rückzug aus den einzigartigen, arbeitsaufwändigen Steilst- und Terrassenlagen zu bremsen, werde sich bald zeigen. Auf jeden Fall sah Hohl einen Motivationsschub für die Betriebe. Auch in Punkto Steuererleichterungen wurden, zusammen mit anderen Agrarverbänden, Verbesserungen erreicht. Als wenig zielführend bezeichnete der Präsident den bürokratischen Aufwand bezüglich des neuen Pflanzrechtesystems. Deutschlandweit war die Weinbaupolitik 2016 geprägt von der Umsetzung der GAP-Reform. Daraus resultierte auch ein neues Pflanzrechtesystem für die EU. Das Ende des Anbaustopps und die Einführung der neuen, bürokratischen Autorisierungslösung brachte Württemberg im ersten Jahr ein zusätzliches Potenzial an Neupflanzrechten von zunächst rund 30 Hektar Weinbergen.

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In den kommenden Jahren soll bekanntlich eine Evaluierung des neuen Systems seitens der EU erfolgen. Und da ist die Verbandsspitze schon der dringenden Meinung, dass erhebliche Erleichterungen in Bezug auf den bürokratischen Aufwand vonnöten sind. Große Hoffnungen setzt Hermann Hohl auch in die vor 14 Tagen vom Bundestag beschlossene Änderung des Weingesetzes. Hierbei geht es unter anderem um Erleichterungen in Bezug auf die Verwaltung herkunftsgeschützter Weinnamen und um die Notwendigkeit, das Verfahren zur Änderung von Produktspezifikationen von Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung und geschützten geographischen Angaben zu beschleunigen. Der aktuellen Gesetzesänderung muss nun noch der Bundesrat zustimmen. Danach kann diese im Mai/Juni 2017 in Kraft treten.

Sorgen bereitet dem Verbandspräsidenten der Blick auf die Situation am Weinmarkt. Der Marktdruck seitens der Auslandsweine nehme weiter zu. Dies zeigte sich einmal mehr auf der "ProWein" in Düsseldorf, wo im März 6500 Aussteller aus über 60 Nationen, und damit so viele wie niemals zuvor, um die Gunst der Besucher buhlten. Doppelt angespannt sei der innerdeutsche Markt durch den starken Rückgang von 50 Prozent Prozent im Weinexport. Dies entspricht 100 Millionen Liter pro Jahr, die zusätzlich auf den deutschen Markt drücken. Auf dem deutschen Markt selbst habe sich leider der Auslandsweinanteil ebenso weiter erhöht, wie die Konzentration im Lebensmittelhandel. Eine wirksame Abhilfe sieht Hohl nur in der Imageverbesserung und gemeinsamen Aktionen, um die Verbraucher auf dem heimischen Markt stärker "auf unsere Seite" zu bringen. Erfolgversprechend seien diese Aktionen nur, wenn sie von allen Gruppierungen getragen werden.

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Stolz ist der Verbandspräsident auf den Berufsnachwuchs. Nach wie vor finden sich immer noch genügend junge Menschen, die bereit sind, den Beruf des Winzers zu erlernen. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, seien attraktive Ausbildungsangebote wichtiger denn je, so dass der Berufsnachwuchs noch besser auf die künftigen Anforderungen vorbereitet werden könne. Zu fordern sei hier auch eine verbesserte Techniker- und Wirtschafter-Ausbildung bis hin zum Meister.

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Abschließend blickte Hohl in die Zukunft des Weinbaus. "Wir brauchen den Weinbau 4.0". Aus Sicht des Verbandes muss insbesondere auch die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden, um daraus eine bessere Nutzung der technischen Möglichkeiten erreichen zu können. Auch die Ökologisierung des Weinbaus müsse verbessert werden.