Liberales Forum - Kritische Diskussion geführt Wie steht es um die Debattenkultur?

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fdp
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Bad Mergentheim. Das virtuelle liberale Forum beschäftigte sich mit dem Thema „Debattenkultur“. Prof. Tittor und Hans Bauer stellten die Probleme bei Diskussionen vor. Dies scheint notwendig zu sein, denn immer mehr fehlt offensichtlich eines der wesentlichen Elemente: nämlich das gründliches Zuhören und ein zivilisiertes Debattieren.

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Lebendige Debatten finden statt, wenn die Diskutanten unterschiedliche Meinungen vertreten. In einer freiheitlichen Gesellschaft hat jeder das Recht auf seine eigene Meinung, die er auch äußern darf. Unterschiedliche Meinungen entstehen meistens dadurch, dass bei Beurteilung eines Sachverhaltes jede Person ihre eigene individuell-spezifische Wahrnehmung hat, in die seine Vorerfahrung, sein Vorwissen und dann auch Interessen, Motivation und andere, zum Teil unbewusste Faktoren moderierend mit einfließen und dadurch zunächst ein „bewertendes Bauchgefühl“ erzeugen.

Diese Ebene sollte man aber verlassen, so war beim FDP-Forum zu hören, wenn man einen rationalen Meinungsaustausch anstrebt. Man sollte sich auf rationale Argumentationsgründe beschränken und von den anderen oben genannten Faktoren freimachen.

Schwierig

Es ist sicherlich schwierig, solche Grundsätze in Diskussionen, in Talkshows und im Bundestag immer einzuhalten. Wozu brauchen wir überhaupt Diskussionen, wenn wir zu wissen glauben, im Vollbesitz wahrer Aussagen zu sein?

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Viele Diskussionen dienen in hervorragender Weise dazu, ein Problembereich offen zu legen und in seiner Tiefe und Verschränkung besser zu verstehen.

Haben wir als Einzelne nicht einen nur beschränkten Blickwinkel und wundern uns, mit welchen Problemen sich andere herumschlagen? Eine Auseinandersetzung mit Andersdenkenden kann jedoch die Augen öffnen und kann den Horizont erweitern.

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Kritik an der Debattenkultur gab es wohl zu allen Zeiten. Konrad Adenauer wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Es müsste im Interesse der Demokratie ernsthaft versucht werden, gewisse Grenzen bei der Auseinandersetzung einzuhalten, innerhalb und außerhalb des Parlaments“. Wie der „alte Fuchs“ sich diese Grenzen wohl vorgestellt hat?

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In der lebhaften Video-Diskussion des liberalen Forums wurde erwartungsgemäß die Frage gestellt, wie es denn heutzutage mit unserer „Debattenkultur“ aussehe: „Nicht gut“ die einhellige Meinung. Werden politische Ansichten nicht zu häufig in stets gleichen Wortverpackungen weichgespült geäußert? Werden nicht immer wieder Stempel erfunden, mit denen ein unangenehmer Meinungsgegner ein abwertendes Etikett verpasst bekommt? Werden nicht Bürger, die einem nicht gängigen „mainstream“ folgen, gern als unmoralisch bezeichnet?

Offenbar sind es nur noch ältere Mitbürger, die sich mit Genuss an die Redeschlachten von Strauß, Wehner, Kohl, Brandt, Schmidt, Barzel oder Genscher erinnern und derartige Sternstunden des Parlamentarismus heute eher vermissen. Die schenkten sich damals nichts, aber sie hatten die Würde des Andersdenkenden immer im Blick.

Soziale Medien

Die neuen sozialen Medien wie Facebook, Twitter etc. scheinen manche zu unkontrollierten, oftmals anonymen „Debattenbeiträgen“ einzuladen und dementsprechend missbraucht zu werden. fdp