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Leserbrief - Zum Artikel „Denkmalschutz bremst Brunnen-Pläne“ (FN 2. April) Widersprüchliches und Ungereimtes

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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, im Pressebericht werben Sie für einen „sachlichen, anständigen Umgang“ bei der Diskussion um den Kiliansbrunnen. Dem fühlt sich auch das Bürgerforum Stadtbild verpflichtet. Weiter sagen Sie, dass „die Fakten noch einmal klar herausgearbeitet werden“. Dazu liefert Ihre Stellungnahme und die Ihrer Mitarbeiter viel Widersprüchliches und Ungereimtes. Es drängen sich eine Reihe von Fragen auf.

Im April 2019 sprach sich das Denkmalamt laut Zeitungsbericht „grundsätzlich für die Erhaltung der unbeweglichen Denkmale in situ aus“. Das ist deutlich. Das Amt benennt einen seiner Grundsätze. Weshalb teilt Herr Stadtbaudirektor Straub mit, die Denkmalbehörde sage, dass der Kiliansbrunnen auch an einem anderen Standort stehen kann? Die schönsten Bauernhöfe in unseren Freilandmuseen sind keine Denkmale mehr, weil sie aus ihrem räumlichen Zusammenhang gerissen wurden. Warum sagt Herr Ehrmann das LAD habe keine Einwendungen gegen das Versetzen des Brunnens gehabt?

In der historischen Ortsanalyse steht, der Brunnen wurde 1889 „zurückverlegt“. Ob es tatsächlich so ist, bleibt fraglich. In der abgebildeten Karte von 1865 hat es den Anschein. In den früheren Karten von 1833 und 1750 sieht es eher so aus, als stehe er an der heutigen Stelle.

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Veröffentlicht
Von
Sascha Bickel
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Ausschlaggebend ist, dass das Denkmal seit 1889 mit dem jetzigen Ort verbunden ist. Informativ wäre es auch, wenn Herr Straub nicht nur das Wort „zurückversetzt“ zitierte, sondern die weiteren Einlassungen des Bauforschers Numberger aus der Ortsanalyse. „An der Erhaltung des den Platzraum vor dem Spital bestimmenden Brunnens besteht (....) ein öffentliches Interesse.“

Auf der gleichen Seite wird berichtet, dass der Brunnen 1995 restauriert und 2006 instandgesetzt wurde. Weshalb spricht die Stadt von einer sowieso notwendigen Restaurierung? Weshalb diese Eile weit vor Ablauf der üblichen Restaurierungszyklen? Nur ein Beispiel, dem städtischen Gebäude Unterer Graben 1 könnte mit dem Geld sinnvoller geholfen werden.

Der Milchlingsbrunnen wurde 1902 abgebrochen und an der heutigen Stelle, unter Verwendung der alten Brunnenfigur, 1926 neu errichtet. Wenn Sie an diesem Beispiel zeigen wollen, dass „der Denkmalschutz nichts mit dem Standort zu tun hat“, so trifft das vielleicht auf den Denkmalschutz vor 100 Jahren zu. Damals wurden auch Ruinen zu prachtvollen Schlössern „restauriert“.

Die Denkmalpflege hat sich weiterentwickelt. Sie ist heute „grundsätzlich“ der möglichst authentischen Überlieferung der Denkmale an zukünftige Generationen verpflichtet.

Im Sommer soll Baubeginn sein. Würde der Brunnen tatsächlich versetzt, müsste die Bodendenkmalpflege eingeschaltet werden. Durch deren Grabungen könnte der Bauzeitenplan gehörig durcheinander gewirbelt werden.

Sie fordern, dass die Zwei-Drittel-Mehrheitsentscheidung des Gemeinderates respektiert werden muss. Über dessen Entscheidung stehen allerdings das Recht und Gesetze, in diesem Fall das Denkmalschutzgesetz. War der Gemeinderat wirklich über die grundsätzlichen Bedenken der Denkmalpflege informiert?

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