Weinbauverband Württemberg - Weinabsatz im vergangenen Jahr rückläufig / Neue Privatkunden durch Tourismus WG Markelsheim profitiert vom Onlinegeschäft

Von 
Werner Palmert
Lesedauer: 
Württemberg ist weitaus mehr als ein reines Rotweingebiet, wie in der Frühjahrespressekonferenz des Weinbauverbands Württemberg am Freitag mehr als deutlich wurde. Der Riesling bleibt mit über 2100 Hektar Anbaufläche die dominierende Rebsorte. © Werner Palmert

Markelsheim/Weinsberg. Der Weinbauverband Württemberg informierte am Freitag erstmals in einer digital durchgeführten Pressekonferenz über die aktuelle Situation der Branche, über neue Vermarktungswege und die Bedeutung des Weintourismus für die Betriebe in Württemberg. Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundene Schließung der Gastronomie ist _ wie im übrigen Verbandsgebiet _ auch der Genossenschaft der Markelsheimer Weingärtner, ein Teil des Umsatzes weggebrochen.

AdUnit urban-intext1

Auch die fehlenden Veranstaltungen machen sich bemerkbar, vor allem beim Absatz der Flascheneine. Dank des Trends „Urlaub innerhalb Deutschlands“ konnten die Markelsheimer aber dennoch viele neue Privatkunden gewinnen und auch über den Onlinevertrieb hat die WG einen deutlichen Zuwachs verzeichnen können, wie Genossenschaftsvorstand Michael Schmitt auf Anfrage den Fränkischen Nachrichten bestätigte.

In die Zukunft blickend sieht der Weinbauverband große Chancen darin, die Weinberge als Naherholungsgebiete zu entdecken, denn in der touristischen Vermarktung Baden-Württembergs nahm der Weinbau zuletzt einen immer größeren Stellenwert ein, wie der Vertreter des Tourismusverbands, Andreas Braun, dazu ausführte. Weinbau und Tourismus gehören in Baden-Württemberg eng zusammen und Dank des großen Engagements vieler Wengerter und durch die enge Zusammenarbeit, werde das weintouristische Angebot von Jahr zu Jahr vielfältiger und professioneller. Eine weitere Chance zur Profilierung sieht Präsident Hohl durch das neue Weinbezeichnungsrecht, das entschlossen genutzt werden müsse.

Der Weinabsatz in Württemberg war aufgrund des Wegfalls zahlreicher bedeutender Absatzkanäle schwächer als im Vorjahr, wie der Verbandspräsident betonte. Wenngleich viele Betriebe durch moderne Onlineshops und digitale Veranstaltungen den Weinverkauf über das Internet steigern konnten, kompensierten diese Zuwachsraten nicht die Verluste, die aus der Schließung der Gastronomie, des Fachhandels und den Absagen von Festen sowie Fachmessen resultierten.

AdUnit urban-intext2

Auch von den Zuwächsen im Lebensmitteleinzelhandel profitierten nur wenige Württemberger Betriebe. Viele Verbraucher greifen dort zu Preiseinstiegs- und Billigweinen, die häufig aus dem Ausland kommen. Hohl erinnerte, dass die Vinotheken in Württemberg weiterhin geöffnet seien und ermutigt die Verbraucher, die lokalen Angebote verstärkt zu berücksichtigen.

Angespannte Situation

Neben der angespannten Vermarktungssituation treibt die Winzer derzeit die Sorge um, dass zu den Arbeitsspitzen im Weinberg Saisonarbeitskräfte aufgrund von Einreiseregelungen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen könnten. Insbesondere die Ausweisungen von Mutationsgebieten könnten erhebliche Auswirkungen haben. Hier müssten frühzeitig Regelungen getroffen werden, um die Verfügbarkeit der Arbeitskräfte sicherzustellen.

AdUnit urban-intext3

Ein weiteres Thema, das die Weinbranche Deutschlands in 2021 umtreiben wird, ist die Novellierung der Weinverordnung, aus der das Bezeichnungsrecht für Weine hervorgeht. Präsident Hohl berichtete, dass die Schutzgemeinschaft g.U. Württemberg ebenfalls im März in einer Klausurtagung über die Umsetzung der Verordnung in Württemberg beraten werde. Die Schutzgemeinschaft definiert die Produktionskriterien im Weinbaugebiet und legt die möglichen Rebsorten, Hektarerträge und Bezeichnungen für Württemberger Weine fest.

AdUnit urban-intext4

In den kommenden Jahren wird die Erarbeitung eines Profilierungskonzeptes für das Weinbaugebiet und dessen zügige Umsetzung die zentrale Aufgabe des Verbandes werden. „Seit der letzten großen Weinrechtsreform in 1972 stellt das neue Weinrecht die größte Herausforderung für die Weinbranche dar. Es bietet die Chance, Württemberg auf dem internationalen Weinmarkt neu zu profilieren“, fasste der optimistische Weinbaupräsident die Aufgabe zusammen.

Dass Württemberg weitaus mehr als ein reines Rotweingebiet ist, berichtete Magdalena Dreisiebner von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg. Mit über 2100 Hektar Anbaufläche bleibt Riesling die bedeutendste Rebsorte und hatte im vergangenen Jahr wiederholt den höchsten Anteil an den neu gepflanzten Weinbergen.

Auch in Markelsheim verzeichnet man einen klaren Weißweintrend. Vor allem die Sorten Bacchus, Kerner, Silvaner sowie Weiß- und Grauburgunder erfreuen sich großer Beliebtheit. Durch die Corona-Situation wurden auch ganz neue Marketingmaßnahmen konzipiert. Ein Beispiel dafür ist das Weinspiel „MAvino“. Ein Gesellschaftsspiel für 2-6 Personen, welches eine 5er Weinprobe beinhaltet. Auch durch die virtuelle Wein-Tour hatte die WG Markelsheim die Möglichkeit, positive Erfahrungen hinsichtlich Online-Konzepten zu sammeln.

Neu im Sortiment der Genossenschaft gibt es seit Anfang 2021 auch den Traubensaft. Besonders stolz ist man in Markelsheim über die Auszeichnungen mit dem Meininger Rotweinpreis. Die 2018er Zweigelt-Spätlese trocken und der 2018er Spätburgunder, Spätlese trocken (im Barrique) haben beide 88 Punkte erhalten. Auch der Silvaner Eiswein von 2018 hat eine Goldmedaille beim Wettbewerb „Concours International de Lyon“ erhalten.