Literatur im Schloss - Ursula Krechel stellt am 27. März neuen Roman „Geisterbahn“ vor Wenn Vergangenes gegenwärtig wird

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Bad Mergentheim. Ursula Krechel stellt am Mittwoch, 27. März, im Rahmen der Reihe „Literatur im Schloss“ ihren neuen Roman „Geisterbahn“ vor. Die Veranstaltung im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim beginnt um 19.30 Uhr.

Ursula Krechel liest am 27. März in Bad Mergentheim. © Glücklich
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Mit „Geisterbahn“ legt Ursula Krechel nach „Shanghai fern von wo“ (2009) und „Landgericht“ (2012) den dritten Roman vor, der sich mit den Verfolgten des Nazi-Regimes beschäftigt und mit der Gefühllosigkeit einer Nachkriegsgesellschaft, die alles dafür tut, das Vergangene nicht an sich herankommen zu lassen; die unfähig ist, zu trauern.

Im Mittelpunkt von „Geisterbahn“ steht eine Sinti-Familie. Die Dorns sind Schausteller, sie ziehen mit ihrem Karussell von Kirmes zu Kirmes. In Trier sind sie zu Hause, haben es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Dann beginnt die neue Zeit, und mit ihr kommen erst Schikanen, schließlich immer weitere, in ordentliche Gesetze gegossene Erniedrigungen. Langsam drängt man auch die „Zigeuner“ aus der Welt, ihrer Heimat. Zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ werden Sinti und Roma in Konzentrationslager verschleppt, es wird denunziert und profitiert. Aber die eigentliche Hölle steht noch bevor: Im Lager müssen die Dorns mit vielen anderen Verschleppten Zwangsarbeiten verrichten, fünf der Kinder sterben, und die anderen Mitglieder der Familie sind bis an ihr Lebensende gezeichnet. Ursula Krechel spiegelt die Schrecken der Naziherrschaft nicht nur in der Schausteller-Familie Dorn. Das Erzählgewicht verschiebt sich in den weiteren Kapiteln des Buches immer wieder hin zu anderen Figuren.

Wieder hat Krechel, wie schon in den vorangegangenen Romanen, ausgiebig in Archiven recherchiert, hat das Gefundene in die Geschichte eingefügt.

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Dieses collagierende Verfahren prägte „Shanghai fern von wo“ und „Landgericht“, und man hat den Eindruck, dass die Autorin es in ihrem neuen Roman noch weiter verfeinert hat: Noch immer sind die Übergänge zwischen Realität und Fiktion zu erkennen, aber doch gibt es einen von den Fundstücken und historischen Quellen kaum unterbrochenen Erzählfluss.

Mit großer Kunstfertigkeit und sprachlicher Eleganz erzählt die 1947 in Trier geborene Ursula Krechel davon, wie sich Geschichte in den Brüchen und Verheerungen spiegelt, die den Lebensgeschichten einzelner eingeschrieben sind. Auf einzigartige Weise schafft sie eine atmosphärische Dichte, in der vermeintlich Vergangenes auf bewegende und bedrängende Weise gegenwärtig wird.

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Ursula Krechels 2012 erschienener Roman „Landgericht“ wurde mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

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Fürs Fernsehen wurde „Landgericht“ 2017 verfilmt, ein Zweiteiler mit Ronald Zehrfeld und Johanna Wokalek in den Hauptrollen. Bei „Literatur im Schloss“ wird sich die Berliner Literaturkritikerin Maike Albath mit Ursula Krechel über ihr Werk und vor allem das neue Buch „Geisterbahn“ unterhalten.

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