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Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 20) / Am Hans-Heinrich-Ehrler-Platz 42

Wendelin und Katharina grüßen als Heilige

Von 
TZe
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Bad Mergentheim. Das Sichtfachwerk ist mit Andreaskreuzen, Rautenmotiven, Kopfwinkelhölzern und reich geschnitzten Eckständern verziert. Am südöstlichen Eckständer ist es inschriftlich auf 1662 datiert. Das den südlichen Platzraum bestimmende ehemalige Badhaus ist ein wichtiges Zeugnis für die Badekultur und den hohen Gestaltungsanspruch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

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Die Eheleute,die das Haus gebaut haben, hießen Wendelinus und (Elisabeth) Katharina Keller. Und sie ließen den Eckpfosten mit dem Heiligen Wendelin und der Heiligen Katharina verzieren.

Wendelin und Katharina schmücken das alte Badhaus – hohe Zimmermannskunst in der Renaissance. © Hanjo Ebser

Die Heilige Katharina von Alexandrien ist eine der bedeutsamsten Heiligen. Sowohl in der katholischen als auch der orthodoxen Kirche zählt sie zu den Märtyrerinnen und zu den vierzehn Nothelfern.

Forschungen

Heutige Forschungen zeigen, dass es sich bei dieser Heiligen wohl um eine Erfindung oder neudeutsch „Fake“ handelt. Vielerlei Zeichen sind der heiligen Katharina zugeordnet, so etwa der Palmzweig, das Rad und das Schwert.

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Diese weisen auf das Martyrium hin. Mit diesen Attributen hat der Zimmermann, welcher den eindrucksvollen Eckpfosten schuf, die dargestellte Heilige ausgestattet. Die Kennzeichen der drei Nothelferinnen kann man sich mit dem Reim merken: Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.

Der Heilige Wendelin missionierte, so erzählen es die Legenden, im sechsten Jahrhundert im Raum Trier.

Wendelin gilt als Schutzpatron der Hirten. Deshalb wird er vom Schöpfer des kunstvollen Eckpfostens mit einem Hirtenstab und einem Schaf versehen.

Hohe Kunst

Diese Schnitzereien zeugen von hoher Zimmermannskunst. Bei diesen Werken waren meist einige Zimmerleute und mit unterschiedlicher Qualifikation als Lehrling, Geselle oder Meister am Arbeiten. Mit den einfachen Werkzeugen Hohlkehleisen und Stechbeitel wurden diese handwerklichen Kunstwerke geschaffen.

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Aufgrund der vorgeschriebenen mehrjährigen beruflichen Wanderschaft waren die Gesellen und späteren Meister weit herum gekommen und sahen nicht nur in Tauberzell die Schnitzkunst am Haus der drei stummen Zimmermannsbrüder.

Kunstvolle Eckpfosten konnten sich zunächst nur Vermögende leisten. Eine Ausnahme sind die so genannten „Mayerhäuser“ im Umkreis von Schwäbisch Hall.

Warum sollte man das Schöne dem Bauren missgönnen? „Das Schöne ist auch an dem Baurenhause schön, warum sollte man das Schöne dem Bauren mißgönnen?“ stellte zurecht der in Herbsthausen geborene Bauernpastor Johann Friedrich Mayer (1719-98) in seinem grundlegenden landwirtschaftlichen Lehrbuch fest.

Mit dieser Einschätzung ermunterte er die Hohenloher Bauern bei ihren Häusern und Gebäuden nicht nur auf die praktische Nutzung ,sondern auch auf ein schönes Äußeres zu achten.

Der Pionier der Hohenloher Landwirtschaft wehrt sich gegen Vorurteile: „Alles , was man dagegen mit einigem Schein einwendet ,ist dieses: Ein Bauwesen von der Art ist für den Bauren zu kostbar, zu hochgültig und zu ruinös. – Wann das Bauen den Bauren so viel als seinen Herrn kostete, so hätte man recht; allein der Bauer bauet um 1/3, vielleicht um die Helfte und um 2/3 wohlfeiler als dieser.“ TZe

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