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18. Bad Mergentheimer Gespräch - Im Kurhaus wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die Stadt diskutiert

Was hat Corona mit uns gemacht?

Von 
Peter D. Wagner
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„Was hat Corona mit der Stadt und ihren Bürgern gemacht?“, war Thema des 18. Bad Mergentheimer Gesprächs im Kurhaus mit Experten aus verschiedenen Bereichen und Branchen. Teilnehmer des von Dr. Werner Romen (Mitte) moderierten Gesprächs waren unter anderem OB Udo Glatthaar (Dritter von rechts), Dehoga-Vorsitzender Frank Bundschu (rechts) und der Vorsitzende der Bad Mergentheimer City-Gemeinschaft, Joachim Kuhn (links). © Peter D. Wagner

Bad Mergentheim. „Was hat Corona mit der Stadt und ihren Bürgern gemacht?“, war Thema des 18. Bad Mergentheimer Gesprächs im Kurhaus mit Experten aus verschiedenen Bereichen und Branchen.

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Die „Bad Mergentheimer Gespräche“ wurden vor rund 25 Jahren durch das Bad Mergentheimer Leberzentrum initiiert. Inzwischen werden bei diesem Symposium aktuelle, zumeist medizinisch-ökonomische Themen aufgegriffen und diskutiert.

Teilnehmer des 18. Bad Mergentheimer Gesprächs am Mittwochnachmittag waren Oberbürgermeister Udo Glatthaar, Kurdirektor Sven Dell, Thomas Wigant, Regionalleiter der Gesundheitsholding Tauberfranken, Dr. Thorsten Zahn, Facharzt für Allgemeinmedizin, Architekt Jochen Elsner, Hans-Joachim Kuhn, Vorsitzender der Bad Mergentheimer City-Gemeinschaft, Frank Bundschu, Vorsitzender des Dehoga Main-Tauber-Kreis, Angelika Segl-Johannsen, Pfarrerin in der Kur- und Rehaklinik-Seelsorge Bad Mergentheim sowie Philipp Gröning, Oberstufenschüler am Deutschorden-Gymnasium (DOG).

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Die Gesprächsleitung oblag Professor Dr. Werner Romen, Vorsitzender des Bad Mergentheimer Leberzentrums und ehemaliger Ärztlicher Direktor des Caritas-Krankenhauses.

„Spätestens, wenn das Land im Herbst in eine neue Pandemiephase eintreten sollte, brauchen wir eine Therapie, die nicht so widersprüchlich ist wie diejenige, die uns die Regierung in den vergangenen zwei Jahren verordnet hat“, gab der Moderator zu bedenken.

Noch bis vor kurzem sei „Corona“ mit 63 Prozent in fast allen Gesprächen das beherrschende Thema gewesen. „Im Augenblick gehen zwar alle Parameter nach unten, doch was wird der Herbst bringen? Deshalb braucht der Umgang mit Corona Perspektiven“, forderte Romen. Dazu hilfreich sei ein Blick auf die zurückliegende Krise: „Aus der Analyse der letzten zwei Jahre können wir Anregungen für die Zukunft gewinnen,“ zeigte er sich überzeugt.

Nicht nur im touristischen Bereich, sondern auch bei den klinischen Gästen habe man in der Coronazeit 2020 und 2021 starke Rückgänge verzeichnen müssen, berichtete Kurdirektor Sven Dell.

Touristikbereich „erfreulich“

Erfreulicherweise sei man im Touristikbereich jeweils nach den Lockdowns relativ schnell wieder „auf die Füße“ gekommen. Einen fast kompletten Einbruch 2020 und eine nur leichte Erholung 2021 vermeldete OB Udo Glatthaar hinsichtlich den Tages- und Übernachtungstourismus. „Dementsprechend haben sich für diese Zeit die Einnahmen für die Stadt durch Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe auf sehr geringe Niveaus zurückentwickelt“.

Im Veranstaltungsbereich haben sich seinen Erfahrungen nach entweder kleinere Formate mit weniger Besuchern oder großflächige Dimensionen bei gleichzeitig reduziertem Besuchereinlass bewährt, sofern es die Auflagen zuließen und Veranstaltungen nicht komplett abgesagt werden mussten. Als Erfolgsbeispiel erinnerte Glatthaar an die Premiere des spektakulären Fantasy-Festivals „Annotopia“ im August 2021 mit mehreren Tausend Besuchern auf den gesamten Schlosshof und Schlosspark verteilt. Allerdings würden sich die meisten Veranstaltungen nur bei einer entsprechend hohen Besucheranzahl rechnen.

„Die meisten Hotels waren geschlossen, die Gästezahlen und die Einnahmen gingen bis auf einen reduzierten Anteil an Geschäftsreisebetrieb auf null“, blickte Frank Bundschu speziell auf die Lockdown-Phasen zurück.

Zugleich sprach der Dehoga-Vorsitzende sowie Bad Mergentheimer Hotelier und Gastronom von „Auf- und Ab-Wellen“ sowie einem „Jo-Jo-Effekt“ zwischen Lockdown- und Nicht-Lockdown-Zeiten. „Dankenswert sind die örtlichen Gäste treu geblieben und schätzen Qualität“, bilanzierte er für die Gastronomie, die mit am härtesten von den Lockdowns, Einschränkungen und Auflagen betroffen gewesen sei. „Umsätze werden im Einzelhandel dann und dort gemacht, sobald und wo Frequenz da ist. Das war in den beiden vergangenen Jahren deutlich weniger“, stellte City-Gemeinschaft-Vorsitzender und Einzelhandelsunternehmer Joachim Kuhn eine Gleichung auf. Harsch kritisierte er die ungerechte Ungleichbehandlung, dass einerseits Einzelhandelsgeschäfte bei den Lockdowns geschlossen blieben mussten und andererseits zum Beispiel die weiterhin geöffneten Lebensmittelmärkte oder Discounter nach wie vor Textilien, Schuhe und weitere Non-Food-Artikel verkaufen durften.

Große Herausforderung

„Es war eine sehr große Herausforderung und schwierige Lage für alle Beteiligten wie etwa Ärzte und Pflegekräfte, während auf der einen Seite um das Leben von Menschen gekämpft wurde, die an Corona schwer erkrankt auf der Intensivstation lagen, auf der anderen Seite einhergehend direkt vor dem Caritas-Krankenhaus Demonstranten dies alles als fabulös und nicht existent darstellten“, beschrieb Holdings-Regionalleiter Thomas Wigant entsprechende Erlebnisse.

Von sehr schwierigen und teilweise sogar desaströsen Bedingungen aufgrund der Lockdowns und dem damit verbundenen Heimunterricht sprach Philipp Gröning. „Der eigentlich einzige Vorteil war, dass man gelernt hat, selbstständig zu arbeiten“, konstatierte der Oberstufenschüler. „Vor allem ältere Menschen hatten aufgrund der Pandemie oft Angst vor dem Besuch eines Gottesdienstes“, stellte Kurpfarrerin Angelika Segl-Johansen fest.

„Wir sind bei Corona mit einem ‚blauen Auge’ davongekommen“, fand OB Udo Glatthaar. Der deutsche Staat habe trotz aller Themen, die man im einzelnen kritisch sehen könne, „einen sehr guten Job geleistet, die Bürger haben in ihrer Verantwortung zum großen Teil super mitgemacht. Gegenüber den eigentlichen Herausforderungen, die auf uns zukommen, wie etwa die Folgen des Krieges in der Ukraine und des Klimawandels, war Corona ein ‚laues Lüftchen’, das wir erlebt haben. Darum blicken wir bezüglich Corona doch optimistisch in die Zukunft, weil wir gelernt haben, so eine Pandemie zu händeln. Es wird auch keinen Lockdown mehr geben, aber die anderen Themen werden immer drängender“, meinte Udo Glatthaar in einem Resümee und zugleich Ausblick. Damit fasste er stellvertretend und exemplarisch die überwiegend übereinstimmenden Meinungen und Prognosen der weiteren Gesprächsteilnehmer dieser Expertenrunde abschließend zusammen.

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