Corona-Krise - Was hat sich in den vergangenen zwölf Monaten alles verändert / Bilanz der Verantwortlichen / Niemanden entlassen, aber kein finanzieller Spielraum für Corona-Mitarbeiter-Prämie

Vor einem Jahr: Hiobsbotschaft für die Rehaklinik Hohenlohe

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mkh
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Bad Mergentheim/Berlin. Ein Jahr ist es her, da kam für Nadine Helbig und ihr Team in der Median-Klinik „Hohenlohe“ in Bad Mergentheim die Hiobsbotschaft: Der erste Patient war positiv auf das Coronavirus getestet worden. Hier ziehen die Verantwortlichen nun eine kleine Bilanz der Ereignisse in den vergangenen zwölf Monaten.

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„Seit Beginn der Pandemie hatten wir uns akribisch vorbereitet, ein umfassendes Hygienekonzept erstellt und Handlungsanweisungen für einen Ausbruch erarbeitet“, erinnert sich die Kaufmännische Leiterin der Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Geriatrie an jene Tage Ende März/Anfang April 2020. „Trotzdem hofft man natürlich, dass der Ernstfall nicht eintritt. Zum Glück hatten wir den Notfallplan in der Tasche.“

Übungen in der Rehaklinik. © Median Klinik Hohenlohe

Das Landratsamt wurde eingeschaltet als der erste Patient positiv getestet war und dieses stellte die Klinik unter Quarantäne, nachdem weitere Fälle auftraten. Die betroffenen Patienten wurden auf ihren Zimmern isoliert; die Pflegedienstleitung gab FFP-2-Masken, Mund-Nasen-Schutze, Schutzkittel, Handschuhe und Schutzbrillen aus. Alle Patienten und Mitarbeiter wurden auf eine Infektion getestet. Aus der Median-Zentrale in Berlin kamen über Nacht zusätzliche Schutzmaterialien und Desinfektionsmittel. Nadine Helbig koordinierte mit ihren Ärzten und Mitarbeitern die Versorgung der Patienten. „Manche haben Doppelschichten gefahren und sind zum Teil sogar aus ihrer Freizeit in die Klinik zurückgekehrt. Das war eine tolle Teamleistung!“

Nach diesem Ausbruch blieb das Haus bis ins neue Jahr corona-frei.

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Heute zieht die Klinikchefin eine insgesamt positive Bilanz des Corona-Jahres – denn der Schrecken von damals hat sich nicht wiederholt. „Es sind nur drei weitere Einzelfälle aufgetreten, aus denen sich dank unseres Schutzkonzepts keine Infektionsketten entwickelt haben. Doch wir müssen weiter wachsam bleiben – gerade mit Blick auf die ansteckendere britische Virus-Variante.“

Bereits im Frühjahr 2020 wurden alle Abläufe den Hygieneregeln angepasst, Therapiegruppen verkleinert und ein Besuchsstopp beschlossen. Die Speisenversorgung wurde umgestellt, zwei Essenszeiten eingeführt und die Abstände zwischen den Essplätzen vergrößert. Belegt werden nur noch Einzelzimmer.

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„Das Hygiene- und Sicherheitskonzept ist mit dem Landratsamt abgestimmt und wird kontinuierlich und engmaschig mit dem zentralen Krisenstab überarbeitet und an die regionalen Gegebenheiten angepasst“, berichtet Nadine Helbig. „Auch die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult.“

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Eine zentrale Maßnahme ist weiterhin das Testen. „Alle neuen Patienten werden konsequent getestet und bleiben in Quarantäne mit separater Zimmerverpflegung, bis das negative Ergebnis feststeht“, sagt Hossam Helmi Elshazli, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie der Klinik Hohenlohe. „Zusätzlich testen wir einmal pro Woche alle Patienten und Mitarbeiter mittels Antigen-Schnelltests.“

Tests, Masken, Abstandsregeln, Kontaktlisten und vieles mehr sind längst gelebte Routine. Umfang und Qualität der Therapieangebote waren kaum betroffen. „Und für unsere großenteils älteren Patienten brachte der souveräne Umgang mit den Hygienevorschriften eine große Sicherheit“, hat Hossam Elshazli erlebt.

Doch Schutz und Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Rund 14 Millionen Euro Zusatzkosten allein für Hygiene sind Median laut eigener Mitteilung im vergangenen Jahr entstanden, die vom Staat nicht refinanziert wurden – trotz der Einbindung der Rehabilitation in die Corona-Schutzschirme. „Wir fragen hier aber nicht nach der Finanzierbarkeit, sondern entscheiden nach der medizinischen Notwendigkeit“, betont Nadine Helbig. „Nur so können wir unserem Versorgungsauftrag nachkommen und sichere Rehabilitation auch zu Pandemiezeiten gewährleisten.“

Keinen finanziellen Spielraum gibt es angesichts dieser Mehrbelastung dagegen für eine Corona-Prämie – „auch wenn unsere Mitarbeiter diese für ihr großes Engagement mehr als verdient hätten“, so die Klinikchefin. Acht Häuser der Median- Gruppe mussten in der ersten Pandemie-Welle vorübergehend schließen; noch immer befinden sich deutschlandweit Mitarbeiter in Kurzarbeit. Auch die Klinik in Bad Mergentheim traf es hart. „Mehrkosten und -aufwand im vergangenen April hätten das Haus vermutlich in den Bankrott getrieben, würde es nicht zu Median gehören“, sagt Nadine Helbig. „Im Anschluss waren auch unsere Beschäftigten monatelang in Kurzarbeit, weil die Belegung aufgrund der Situation in den Krankenhäusern schlecht war. Trotzdem haben wir niemanden entlassen, was auch mir persönlich ein wichtiges Anliegen war.“ Was in der öffentlichen Diskussion um die Corona-Prämie außerdem meist unerwähnt bleibe: „Reha-Kliniken, wie sie Median betreibt, wird eine solche Sonderzahlung nicht vom Staat refinanziert – anders als bei Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.“

Nicht beeinflussen kann die engagierte Klinikmanagerin auch ein weiteres wichtiges Instrument im Kampf gegen Covid-19: das Impfen. „Von einer baldigen Impfung möglichst vieler Beschäftigter versprechen wir uns viel“, sagt Helbig. „Bisher hatten aber leider aufgrund der Impfstoffknappheit nur wenige die Möglichkeit hierzu. Mit der Zulassung weiterer Vakzine in Deutschland wird sich das hoffentlich ändern.“

In die Zukunft blickt sie dennoch optimistisch: „Wir sind auf einem guten Weg. Uns ist allen bewusst, dass Masken, Tests und Hygieneregeln noch lange zum Alltag gehören werden. Aber wir haben die Situation bisher gut gemeistert. Wir werden das auch weiter schaffen!“ mkh