„Stadtbild“ - „Mergentheimer Hausfassaden“ (Folge 3) Voba war Gasthof

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bfs
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Bad Mergentheim. Auf dem Inschriftenstein am Haus Marktplatz 10 steht die Jahreszahl 1557. Wahrscheinlich wurde das Sichtfachwerk, im Stil der Renaissance, einige Jahrzehnte später abgezimmert. Die Absicht der Volksbank, einen Neubau am Marktplatz zu errichten, stellte das Amt für Denkmalpflege und das Architekturbüro vor sehr schwierige Entscheidungen. Letztlich wurde das Gebäude abgebrochen. Ein Dokument historischer handwerklicher Zimmermannskunst war somit verloren, jedoch nicht vollständig. Der Giebel zum Marktplatz wurde vom Zimmergeschäft Müller mit dem Polier Hartfuß und seinen Gesellen behutsam abgebaut. Es wurde dokumentiert, an welcher Position sich die Hölzer befanden. Dann wurden sie sicher eingelagert. Später wurde die Fassade fast ohne Ersatz aus den alten Hölzern wieder errichtet – in tadellosem Zustand.

Während der Bauzeit 1975: Der frühere Gasthof „Zum Straußen“ wird vollständig abgebrochen. © Bürgerforum „Stadtbild“

Steinhaus statt Fachwerk?

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Bei genauem Betrachten wird erkennbar, dass kunstvolle Profile an den Schwellen und Pfosten geschädigt sind, weil das Bauwerk im Barock einen Verputz bekommen hatte. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Gebäude verputzt war, sind die nachgeahmten Fenstergewände, wie sie noch heute vorhanden sind. Sie passen mit ihrer barocken Form nicht in die Renaissance-Fassade.

Als zur Barockzeit das Fachwerk überputzt wurde, galt ein Steinhaus als wertvoller. Das Fachwerk wurde gering geschätzt. Feuerschutz war auch ein Grund, das Fachwerk zu verputzen. Auf Marktplatzfotos aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts ist der „Straußen“ noch verputzt. Kurze Zeit später erkennt man, wie auch bei vielen anderen Häusern das Fachwerk. Die Volksbank zog 1977 ein. Über den Denkmalwert der Giebelfassade lässt sich streiten, weil sie eben nur Kulisse ist, hinter der sich ein modernes Gebäude verbirgt. Nun ist wenigstens die Geschlossenheit des Marktplatzes erhalten, wenn auch der steinerne Sockel nicht dem Ursprung entspricht. Immerhin konnte ein Teil aus der 400-jährigen Geschichte großartiger Baukunst sichtbar bleiben. Was aber beachtet werden muss ist, die Ablesbarkeit der Geschichte nicht durch unbedachte Restaurierungen gestört werden darf. Das ehrwürdige alte Eichenholz, das Jahrhunderte ohne Schäden überstanden hat, muss in seiner Struktur sichtbar bleiben, meint das Bürgerforum „Stadtbild“. bfs