Amtsgericht Bad Mergentheim - Einbrecher zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt / Täter kam zum Probearbeiten „Vertrauen schamlos ausgenutzt“

Von 
Gabriel Schwab
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Bad Mergentheim. Alexandros P. kam vor einem Jahr in die Kurstadt, um im Restaurant Alexander probezuarbeiten. Gestern war er erneut in Bad Mergentheim – dieses Mal, um zu seinem Amtsgerichtsprozess wegen Wohnungseinbruchsdiebstahl anzutreten. Das Urteil: Zwei Jahre Haft auf Bewährung sowie eine Schadenswiedergutmachung und eine Geldstrafe.

„Zu lässig“

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Anfang 2018 meldete Alexandros P. sich auf eine Facebook-Anzeige des Geschädigten und Fast-Arbeitgebers Christos B., der einen neuen Kellner suchte. Man vereinbarte einen Termin fürs Probearbeiten – Christos B. hat die Kosten für die Anreise bezahlt. Jedoch zeigte sich schnell, dass es nicht die richtige Stelle für den Anwärter war: „Sein Auftreten war zu lässig. Nicht geeignet für einen gehobeneren Betrieb“, erzählte das Opfer. Die Neuigkeit, dass es mit dem Job nichts wird, habe er anstaltslos hingenommen. Weil es schon spät und P. finanziell nicht gut betucht war, bot Christos B. ihm eine der Mitarbeiter-Unterkünfte für die Nacht an.

Handys, Laptops, Bargeld

Keine volle Stunde war ins Land gezogen, als der Bruder des Geschädigten etwas aus dem Gebäude holen wollte und feststellte, dass die Türen zu zwei der Wohnungen gewaltsam aufgebrochen waren. Wertgegenstände – darunter Laptops, Handys und Bargeld – waren verschwunden. Ebenso Alexandros P.. „Ich hatte dann die Idee, dass er nur am Bahnhof sein kann. Er kannte ja niemanden in Bad Mergentheim und hatte kein Auto“, meinte der Gastronom.

Die Vermutung bestätigte sich. Gemeinsam mit Angestellten gelang es dem Geschädigten, den Täter zu stellen und der Polizei zu übergeben. Das Diebesgut hatte er noch weitgehend bei sich.

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Alexandros P. gestand die Tat vor Ort und Gericht. Außerdem gab er die gestohlenen Gegenstände – bis auf zwei Handys, derer er sich entledigt hatte – zurück und entschuldigte sich. Zudem war er nicht vorbestraft. All das wirkte sich positiv auf sein Urteil aus.

Zum Nachteil wurde ihm die Rechtslage selbst. Denn seit einer Gesetzesänderung des Bundesgerichtshof (BGH) im Jahr 2017 wird die Straftat weitaus härter geahndet: „Wohnungseinbruchdiebstähle stellen einen schwerwiegenden Eingriff in den persönlichen Lebensbereich von Bürgern dar, der neben den finanziellen Auswirkungen gravierende psychische Folgen und eine massive Schädigung des Sicherheitsgefühls zur Folge haben kann“, so die Begründung des BGH. Somit seien für beide Delikte, die Einbrüche in zwei Wohnungen, jeweils ein Strafmaß von ein bis zehn Jahren Freiheitsstrafe zu veranschlagen, so die Staatsanwaltschaft. Richterin Susanne Friedl unterstrich die Aussage des BGH: „Es mag sein, dass es sich ,nur’ um Mitarbeiterwohnungen gehandelt hat. Jedoch sind diese deren Zuhause. Und dort fühlt sich jeder subjektiv wohl. Wenn so etwas passiert, ändert sich das. Es schafft ein Unsicherheitsgefühl, das noch viele Jahre anhalten kann“, begründete sie das Urteil.

Urteil begründet

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Außerdem: „Eigentlich hatte es der Geschädigte richtig gut mit Ihnen gemeint. Er zahlte Ihnen das Ticket nach Bad Mergentheim und setzte Sie nicht vor die Tür, als es mit dem Job nicht geklappt hat. Sein Vertrauen und seine Gutmütigkeit haben Sie schamlos ausgenutzt.“

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Neben den Kosten für das Gericht muss Alexandros P. den entstandenen Schaden, den Wert der entwendeten Gegenstände und eine Geldstrafe bezahlen.