Zusammenarbeit - Weinbergprojekt des Stadtwerks Tauberfranken, der DHBW und regionaler Winzer Vermarktung und Vertrieb im Blick

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Weinexperte Otto Geisel (Mitte) und Studiengangsleiter Professor Dr. Enrico Purle (Zweiter von rechts) im Gespräch mit Studenten.

© Wagner

Bad Mergentheim. "Energie, Hochschule und Wein" lautet ein in Baden-Württemberg oder sogar bundesweit wohl einzigartiges Kooperationsprojekt, in dem sich der Campus Bad Mergentheim der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach, der Energieversorger Stadtwerk Tauberfranken und vier Winzerbetriebe aus dem Taubertal gemeinsam dem Thema Wein widmen.

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Unterschiedlicher könnten die zusammenarbeitenden Partner dieses Weinprojektes zumindest auf den ersten Blick kaum sein. Insbesondere ein regionales Energieunternehmen als Eigentümer eines Weinbergs erscheint zunächst sehr außergewöhnlich oder sogar befremdlich, ähnlich auch die Rolle einer Hochschule als Kooperationspartner. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass diese ungewöhnliche Konstellation große kreative Potenziale in sich birgt.

"Dass wir Eigentümer eines Weinbergs wurden, war eine sowohl unorthodoxe wie auch überraschende Entwicklung", berichtet Paul Gehrig, einer der beiden Geschäftsführer des in Bad Mergentheim ansässigen Stadtwerks Tauberfranken. 2009 habe ihn ein befreundeter Winzer darauf aufmerksam gemacht, dass es in Unterschüpf vereinzelte "herrenlose" Hangflurstücke gebe, deren Eigentum von ehemaligen Kleinwinzern aufgegeben worden sei. "Auf andere Weise wären die Eigentümer dieser ehemaligen Rebflächen nicht aus den Zahlungen an einen bestehenden Wasserzweckverband herausgekommen", erklärt Gehrig. Nachdem das Land Baden-Württemberg nicht von seinem ihm zustehenden Aneignungsrecht Gebrauch gemacht hatte, sei dieser aufgelassene, rund 1,5 Hektar große Weinberg für jedermann als möglichem Eigner zur Verfügung gestanden. Ursprünglich war dem Stadtwerk Tauberfranken die Fläche zur Errichtung einer Freiflächen-Fotovoltaikanlage angeboten worden. Eine Überlegung, die jedoch aus verschiedenen Gründen rasch wieder verworfen worden sei.

Weitere Ideen waren gefragt

Für weitere Ideen, was das Energieunternehmen mit diesem aufgelassenen Weinberg anfangen könne, habe man den deutschlandweit und international bekannten Weinexperten Otto Geisel, ehemaliger Patron des Hotels "Victoria" sowie seinerzeit einziger öffentlich bestellter und vereidigter Weinsachverständiger, mit einbezogen. Der erfahrene Weinfachmann habe angeregt, den von ihm mit initiierten, bundesweit bislang einmaligen Studiengang "Food-Management" des Bad Mergentheimer DHBW-Campus in die Überlegungen und Planungen zu involvieren. "Die Idee, das Thema Wein mit dem Kulinaristik-Studiengang vor Ort zu kombinieren, gab es schon längere Zeit, um den Hochschülern dieses Studienfachs auch diese Materie näher zu bringen", berichtet Geisel. Der Weinberg des Stadtwerks habe eine sehr gute Chance geboten, diese Idee zu konkretisieren und in die Praxis umzusetzen. Unter diesen Aspekten sei im Jahr 2011 die Rebfläche von einem Dienstleistungsunternehmen wieder neu bepflanzt worden. Ziel war es außerdem, mit diesem Projekt Aufmerksamkeit zu erzeugen und einen Mehrwert zu generieren, vom dem das Taubertal und damit alle Winzer in der Region profitieren.

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Als weitere Kooperationspartner habe man laut Geisel und Gehrig schon bald vier regionale Qualitäts-Winzerbetriebe aus den drei im Taubertal zusammentreffenden Weinbaugebieten Württemberg, Baden und Franken für das Projekt gewinnen können. Deren Aufgaben seien insbesondere der Ausbau der Trauben sowie die Produktion des Weins. Derzeit kooperierende Weinbaubetriebe sind die Becksteiner Winzer mit einem Grauburgunder, die Weingärtnergenossenschaft Markelsheim mit Weißburgunder, das Weingut Jürgen Hofmann aus Röttingen mit Tauberschwarz und das Weingut Konrad Schlör in Reicholzheim mit Spätburgunder.

Auch wenn sich der Studiengang "Food-Management" mittlerweile nach Heilbronn zur dortigen DHBW verlagert hatte, stand der Bad Mergentheimer Campusleiter Professor Dr. Seon-Su Kim weiterhin zu seiner Zusage zur Mitwirkung des Weinprojekts. Inzwischen sind es Studenten der Betriebswirtschaftslehre der Studienrichtung "International Business" des Bad Mergentheimer Campus der DHBW Mosbach, die am Weinprojekt mitarbeiten. Im Rahmen der Vertiefung "Industrial Sales & Marketing" präsentierten vor Kurzem rund 20 Studierende fünf verschiedene Vermarktungs- und Vertriebskonzepte, die sie aufgrund wissenschaftlich fundierter Marktanalysen für den ungewöhnlichen "Kooperationswein" entwickelt hatten. Dabei standen unter anderem auch Fragen eines möglichen Produktdesigns und potenzieller Zielgruppen im Mittelpunkt. "Wir sind begeistert von dem Projekt und den bisherigen Resultaten der Studierenden", heben Gehrig, Kim und der Studiengangsleiter Professor Dr. Enrico Purle hervor. Als nächsten Schritt wolle man gemeinsam entscheiden, welche der studentischen Ideen umgesetzt werden könnten. Als "sehr interessant, wenn sich auch junge Menschen mit dem Thema Wein beschäftigen", bezeichnen unisono Michael Braun, Geschäftsführender Vorstand der Becksteiner Winzer, und Veit Sambeth, Vertriebsleiter der WG Markelsheim, stellvertretend für die beteiligten Winzer die Zusammenarbeit mit den DHBW-Studierenden. Ganz ähnlich schätzt die letztjährige Württembergische Weinkönigin aus Markelsheim, Theresa Olkus, die Projektkooperation mit den Studenten ein. "Aus der Region für die Region" nennt Gehrig ein wesentliches Motto für das auf den ersten Blick ungewöhnliche Engagement des Energieunternehmens auch im Weinbau. pdw