Veränderungen? Lehne ich ab!

Von unserem Redaktionsmitglied

Von 
Von unserem Redaktionsmitglied
Lesedauer: 

Veränderungen? Nein, danke. Die lehne ich generell ab. Sie glauben ja gar nicht, wie oft ich diesen Satz gerne sagen würde.

AdUnit urban-intext1

Deswegen hat mir auch diese bereits zitierte Werbung so gut gefallen. Mann und Frau auf der eigenen Jacht. Beide mit der Kaffeetasse in Hand (aber darum geht es ja grad nicht). Er flüstert ihr ins Ohr: "Wenn Du einen Wunsch frei hättest?". Sie lächelt (ein Lächeln voller stillem Glück und tiefenentspannter Selbstzufriedenheit... seufz) und haucht: "Alles soll so bleiben wie es ist".

Nun habe ich keine Jacht und keinen Mann mit Millionen auf der Bank. Aber schon ein paar Sachen, die mich zufrieden machen. Allen voran meine wundervolle, bezaubernde, unbeschreiblich liebenswerte Tochter (ja gut, ich bin gerade etwas von meiner Begeisterung davongetragen worden. Aber das musste jetzt mal sein). Aber da fängt es ja schon an mit den Veränderungen. Damals, als ich sie bekommen habe, war sie klein. Bisschen mehr als ein halber Meter Mensch und so schwer wie ein ausgewachsener Chihuahua. Meine Güte, wie sehr ich mich manchmal nach diesem kleinen Wesen sehne und nach ausnahmslos jeder Version ihrer selbst - Kleinkind, Kindergartenkind, ABC-Schütze usw. - die sie auf dem Weg zum Teenager, der sie jetzt ist, hinter sich gelassen hat. Jede hätte ich gerne behalten. Aber - und da sind wir schon auf der anderen Seite der Medaille: hätte ich den Säugling behalten können, hätte ich all die anderen genauso zauberhaften Varianten nie kennen gelernt. Sie sehen schon... ein Dilemma.

Und vor dem stehe ich oft. Denke ich an meine Kindheit, meinen geliebten Opa und meine Eltern, die damals noch gelebt haben, das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und das schon längst nicht mehr aussieht wie früher, die Streiche mit den Schulkameraden, an meine Freunde von damals und auch meine Heimatstadt, wie sie in meiner Kindheit war, dann kann ich die Wehmut manchmal wie einen Stein in meiner Kehle spüren.

AdUnit urban-intext2

Aber, wie gesagt, das Leben ist ja schlau.

Es klaut uns zwar permanent Vertrautes und Bewährtes unter den Füßen weg, aber es überschüttet uns auch ungefragt mit neuen "Geschenken", die wir annehmen müssen - egal, ob wir wollen oder nicht. Natürlich bleibt das Leben dadurch spannend, sind die Veränderungen oft Entwicklungen zum Guten, die uns helfen, uns "lähmender Gewöhnung zu entraffen", wie es Hermann Hesse in seinem Gedicht "Stufen" einzigartig schön formuliert hat.

AdUnit urban-intext3

Aber trotzdem: Veränderung sind oft auch fürchterlich anstrengend, beängstigend, herausfordernd. Und darauf habe ich manchmal einfach keine Lust.

AdUnit urban-intext4

Und dann, ja dann, sage ich es: "Veränderungen? Nein, danke. Die lehne ich generell ab".