Kriminalroman - Erster Fall des Ermittlers wird Sechsteiler / „Operation Werwolf – Blutweihe“ dreht sich um Serienmörder in der Nazizeit Tom Sydow ermittelt 1941 in Berlin

Von 
Inge Braune
Lesedauer: 
Als Krimiautor Uwe Klausner führt er reihenweise Täter hinter Gitter, die längst nicht so schön sind wie dieses in seiner Wahlheimatstadt Bad Mergentheim. © Inge Braune

Bad Mergentheim. Uwe Klausners Berliner Kommissar Tom Sydow hat sich seit 2009, als Krimifreunde den schnodderig auftretenden Ermittler erstmals kennenlernten, eine echte Fangemeinde geschaffen. Die konnte sich durch bislang elf Sydow-Krimis vom 1942 spielenden „Walhalla-Code“ bis in die 68er schmökern. Die Leser erfuhren neben Freude auch so manches über das Dritte Reich, den Kalten Krieg, die Nachkriegszeit und die Zeit der Blumenkinder. Mit dem zwölften Titel geht der emsige Autor neue Wege: Im Zeitsprung zurück nach 1941 startet mit „Operation Werwolf – Blutweihe“ eine auf sechs Einzelbände angelegte Serie.

Großangelegte Hexalogie

AdUnit urban-intext1

Der druckfrische, ab sofort im Buchhandel erhältliche erste Band der großangelegten Hexalogie, die sich insgesamt locker zum Anderthalbtausendseiter auswachsen dürfte, präsentiert Tom Sydows allerersten Fall – auch wenn die bisher erschienenen Bände bereits ordnungsgemäß vom ersten bis zum elften Fall durchnummeriert sind.

Von Sydow, der auf das „von“ wenig bis gar keinen Wert legt, gerät im von den Nazis geprägten Berlin zwischen die Fronten: NSDAP, Gestapo, SA und SS machen ihm das Leben schwer – und versuchen, den keineswegs obrigkeitshörigen Ermittler durch die Übergabe eines nahezu unlösbaren Falls endgültig aus dem Polizeidienst zu jagen.

Dass in der Reichshauptstadt Berlin, wo man es doch weitgehend geschafft hat, Halbwelt und mafiaähnlich organisierte kriminelle Vereinigungen zu verdrängen, ein Serienmörder sein Unwesen treibt, stört die Nazi-Machthaber gewaltig, schädigt es doch ihren Ruf. Und überhaupt ist ihnen die Berliner Polizei viel zu eigenständig – und Sydow erst recht. Fünf Tote im S-Bahn-Umfeld, auch wenn Gestapo und Co. intensiv ermitteln: Das ist nicht hinzunehmen, will sich die NS-Führung nicht dem Spott der Straße aussetzen. Heinrich Himmler, Reichsführer des SS, Reichsinnenminister und damit Chef der Polizei und Reinhard Heydrich, Leiter des Reichssicherheits-Hauptamts, schalten sich persönlich ein. Gelingt es Tom Sydow und seinem Assistenten Kalinke nicht, den Fall in kürzester Zeit zu lösen, wären die ihnen bereits unterstehenden Nazi-Ermittler fein raus, einen lästigen Konkurrenten und mit ihm möglicherweise gleich den noch relativ freien Polizeiapparat der Hauptstadt los.

AdUnit urban-intext2

In 16 Kapiteln macht sich das Berliner Ermittlerduo auf Spurensuche – unter anderem im Halbweltmilieu und beim S-Bahn-Personal. Unterstützt und oft genug auch behindert werden sie bei der Suche nach dem vielfachen Frauenmörder von Berlins kecker Miss Marple Adele Mürwitz, der kapriziösen Revue-Tänzerin Ava Schumann, der durchsetzungsstarken Halbweltdame „Tante Lola“, Laubenpiepern, Bahn-, Militär- und vielfältigem Polizeipersonal.

Ende ist ein Cliffhänger

Klar, dass bei einem Sechsteiler irgendwo ein Schlussstrich gezogen werden muss. Klausner gestattet der Serie um den Serienmörder – es gab tatsächlich einen solchen im damaligen Berlin – nach gut 250 Seiten Text, den Zitate und aus Mozarts Requiem entlehnte Zwischenüberschriften auflockern, einen Cliffhänger: Eine Zeugin könnte wichtige Hinweise geben. . . Weiter dann im nächsten Band. Den gibt es in einem halben Jahr, nach Band drei soll im Frühjahr 2022 ein Dreierband erscheinen, im Frühjahr 2024, nach Erscheinen der Folgen vier bis sechs, erleichtert dann ein zweiter Sammelband die zügige Lektüre. Das Thema habe ihn regelrecht mitgerissen, berichtet Klausner, der im kommenden Jahr den hinausgezögerten Ruhestand als Gymnasiallehrer antreten wird.

AdUnit urban-intext3

Komplett nebenberuflich gehört er seit 2007 historischen Krimis. Im Hohenlohisch-Mainfränkischen ermittelt der Mönch Hilpert von Maulbronn – jüngst erst im Frauentaler Klosterbezirk – im England zur Zeit Shakespeares erforscht Anwalt Clayton Percival die dunklen Seiten des Daseins, im Römischen Trier erweist sich sein Kollege Gaius Aurelius Varro als kompetenter Spurensucher – und mit dem fiktiven Krimi um die Ermordung der österreichischen Kaiserin Sisi hat Klausner auch einen historischen Österreich-Krimi vorgelegt. Im neuen Projekt – die Rohfassung von Band fünf hat Klausner bereits in der Schublade – setzt der Autor auf Zeitkolorit: Rückblicke fast aller Beteiligten zeichnen in sehr lesenswerten, leise und ganz ohne Zeigefinger auskommenden Passagen lebendig die Verwandlung Berlins von der quicklebendigen Kulturmetropole zum Nazi-Reichshauptstadt nach. Teilweise sehr pointiert gestaltete Reminiszenzen bieten den Lesern neben Spannung auch Einblicke in die unterschiedlichen Befindlichkeiten der Hauptstädter unter der Nazidiktatur.

Freie Autorenschaft Berichte, Features, Interviews und Reportagen u.a. aus den Bereichen Politik, Kultur, Bildung, Soziales, Portrait. Im Mittelpunkt: der Mensch.