Stadt Bad Mergentheim - Mitmenschen und ihre Schicksale nicht vergessen / Antisemitische Verschwörungstheorien kritisiert Stilles Gedenken an die Opfer

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stv
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Am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Schlosshof kamen Vertreter von Stadt und Bürgerschaft im kleinen Kreis zusammen. © Stadt Bad Mergentheim

Bad Mergentheim. Ein öffentliches Gedenken im bekannten Rahmen konnte es nicht geben, trotzdem ist am Mittwoch im kleinen Kreis an die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Bad Mergentheims erinnert worden.

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Der 27. Januar ist als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ seit 1996 ein bundesweiter und gesetzlich verankerter Gedenktag.

Im Jahre 2005 wurde er von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. Üblicherweise lädt die Stadt Bad Mergentheim zu diesem Anlass ihre Bürgerschaft zum gemeinsamen Erinnern ein. Wegen der Corona-Pandemie war das in diesem Jahr nicht möglich.

So kamen am Mahnmal im Äußeren Schlosshof stellvertretend Oberbürgermeister Udo Glatthaar, Hauptamtsleiter Jürgen Friedrich, die Stadträte Andreas Lehr und Rainer Moritz für den Gemeinderat sowie Klaus Huth und Annette Breitenbach vom Verein „Stolpersteine“ Bad Mergentheim zusammen. Ebenfalls anwesend waren Bürger wie Eggert Hornig und Raimund Scheidel, die sich seit langem für die Erinnerungskultur in der Kurstadt einsetzen.

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In aller Stille entzündeten sie Kerzen und legten Blumen nieder vor der großen Tafel mit den 97 Namen von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die der Nazi-Ideologie zum Opfer gefallen sind. Das Mahnmal ist überschrieben mit einem Satz aus dem 5. Buch Mose: „Das vergiss nicht.“

OB Udo Glatthaar rief anschließend dazu auf, die Mitmenschen und ihre Schicksale nicht zu vergessen – gerade in einer Zeit, in der sich antisemitische Verschwörungstheorien wieder stark verbreiten. Es sei bestürzend, wie diese in der Corona-Pandemie wieder auflebten. Auch die ständigen Totalitarismus-Vergleiche in Bezug auf gesundheits- und lebensschützende Maßnahmen kritisierte er. Dazu zitierte der OB die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano, die vor kurzem gesagt hatte, wer solch schrille Vergleiche ziehe, der wisse nicht, wovon er spreche.

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Der Verein „Stolpersteine“ Bad Mergentheim hat am Mittwoch zudem Kerzen an den Stolpersteinen entzündet, die an jenen Orten verlegt worden sind, wo die Verfolgten einst lebten. stv