Corona-Krise - Lüftungsgeräte für Schulen im November offiziell beantragt / Thema kommt Ende Januar auf die Tagesordnung / Vorwürfe zurückgewiesen Stadtrat Flasbeck ärgert sich über Stadtverwaltung

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Sascha Bickel
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Im Klassenraum eines Berliner Gymnasiums steht ein Luftreiniger, der die Corona-Infektionsgefahr während des Unterrichts senken soll. © dpa

Bad Mergentheim. Freie Wähler-Stadtrat Jochen Flasbeck ärgert sich über die Stadtverwaltung – und zwar in mehrfacher Hinsicht: Zum einen tage der städtische Schulausschuss schon seit Monaten nicht, obwohl durch die Digitalisierungsoffensive und ebenso die Corona-Krise eigentlich genügend Themen vorhanden seien und zum anderen werde das Thema „Lüftungsgeräte in Klassenzimmern“ ausgesessen.

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Flasbeck wandte sich an die Redaktion und hielt mit seiner Verärgerung nicht hinterm Berg, nachdem die oben genannten Themen schon im Spätsommer und Herbst mehrfach selbst im Gemeinderat (unter anderem von ihm) angesprochen wurden. „Doch passiert ist nichts“, so Flasbeck. Seit Anfang November (!) liege der Stadtverwaltung zudem ein Antrag der Freien Wähler vor, der die schnelle Ausstattung aller Klassenzimmer im Stadtgebiet mit elektrischen Lüftungsgeräten fordert, um Viren und Bakterien aus der umgewälzten Luft herauszufiltern, das Infektionsrisiko zu verringern und den Schulbetrieb so im Sinne vieler Eltern und Schüler aufrechterhalten zu können.

Die Freien Wähler summierten die Kosten dafür selbst auf über eine Million Euro.

Die Stadt weist die Vorwürfe der Verschleppung zurück. Pressesprecher Carsten Müller erklärt auf Nachfrage zu den einzelnen Themen Folgendes: „Der Schulausschuss ist ein Fachgremium, das nicht in regelmäßigen Abständen tagt, sondern bei Bedarf in unregelmäßigen Abständen zusammenkommt.“ In den vergangenen Monaten seien nun, so Müller, die aktuellen Schulthemen in den regulären Gremien stark präsent gewesen, weshalb der Schulausschuss nicht extra einberufen wurde, auch vor dem Hintergrund der ohnehin schon hohen Anzahl an Sitzungen inmitten der Corona-Pandemie.

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Zum Antrag der Freien Wähler teilt Carsten Müller mit, dass es noch 2020 im Ältestenrat eine Verständigung zwischen der Verwaltung und allen Fraktionen gegeben habe, diesen zunächst als Prüfauftrag zu behandeln und inhaltliche Grundlagen zu erarbeiten. Müller: „Die Verwaltung hat daraufhin umgehend mit dieser Prüfung begonnen: Sie hat die notwendigen technischen Informationen eingeholt, den Bedarf an solchen Geräten abgefragt, Angebote erstellen lassen, die in Aussicht stehenden Zuschüsse kalkuliert usw. Für eine umfängliche und inhaltlich fundierte Vorlage braucht es diesen Vorlauf – gerade wenn ein Thema mit sehr hohen Ausgaben verbunden ist.“

Das Thema stehe nun am kommenden Donnerstag auf der Tagesordnung der öffentlichen Gemeinderatssitzung.

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Inhaltlich äußert sich zum Thema „Luftfilter“ und auch zur Situation in den Mergentheimer Schulen Hauptamtsleiter Jürgen Friedrich, in dessen Fachbereich unter anderem das städtische Bildungsamt angesiedelt ist: „Als Schulträger stehen wir mit den Schulleitungen in einem engen Austausch und wissen deshalb, dass das regelmäßige Lüften gut funktioniert und in kaum einem der über 160 Schulräume in Bad Mergentheim die Möglichkeiten dafür nicht gegeben sind. Gleichwohl ist es selbstverständlich, dass die Schulen von uns die bestmögliche Hilfestellung für den Infektionsschutz bekommen – dazu gehören auch die Filtergeräte, deren Reinigungsleistung unbestritten ist.

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Ergänzend muss man jedoch wissen, dass diese Geräte das regelmäßige Lüften keineswegs ersetzen und unter Volllast doch eine erhebliche Geräuschkulisse von bis zu 60 Dezibel verursachen.

Die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für alle Schulräume würde die Stadt rund 500 000 Euro kosten, nur gut 60 000 Euro davon wären über Corona-Fördermittel des Landes gedeckt. Hinzu kommt, dass niemand weiß, ab wann und wie lange die Geräte noch in großer Zahl gebraucht würden. Vor diesem Hintergrund ist das Votum der Schulleiter eindeutig ausgefallen. Sie sprechen sich gegen die Anschaffung solcher Geräte für alle Räume aus und möchten die zur Verfügung stehende Landesförderung lieber für Digitalisierungsprojekte nutzen.

Aus den Schulen kommt zusammenfassend eher der Wunsch, eine überschaubare Anzahl einzelner Geräte anzuschaffen, die nach Bedarf eingesetzt werden.“

Redaktion Hauptsächlich zuständig für die Große Kreisstadt Bad Mergentheim