AdUnit Billboard

Leserbrief - Zur geplanten Versetzung des Kiliansbrunnens auf dem Bad Mergentheimer Gänsmarkt Stadtgrundriss kein Spielzeug-Baukasten

Lesedauer

In der Charta von Venedig wurden 1964 die Grundsätze der Denkmalpflege festgelegt. Die Charta ist die geistige Vorlage für die Denkmalschutzgesetze überall auf der Welt. Der Artikel 7 besagt, dass die Translozierung (Versetzung) eines Denkmals nur zulässig ist, wenn es anders nicht erhalten werden kann. Die Hürde, die eine Versetzung erlaubt, ist extrem hoch, wörtlich: „ (...) wenn bedeutende nationale oder internationale Interessen dies rechtfertigen.“

In Mergentheim macht die Stadt eine Online-Umfrage. Die Teilnehmer können auf bunten Bildern auswählen, wo sie den Brunnen gerne haben möchten. Eine relative Mehrheit der 627 Teilnehmer votierte für den geplanten neuen Standort. Die städtischen Auslober der Umfrage behandeln unseren historischen Stadtgrundriss wie einen Spielzeugbaukasten.

Anmeldung Newsletter "Mittagsnews"

AdUnit Content_1
AdUnit Mobile_Pos2

Der Planer der Holzapfelgasse und Stadtrat Hanspeter Fernkorn plädiert in der Gemeinderatssitzung dafür, den Brunnen wegen neuen „Blickbeziehungen“ zu verrücken. Ohne Not, vollkommen beliebig und aus reinen Geschmacksgründen soll dem Denkmal zu Leibe gerückt werden. Es ist zu hoffen, dass das Denkmalamt diesen respektlosen Umgang mit einem Denkmal, einem Zeugnis unserer Geschichte, stoppt.

Es ist von einer Kommune zu verlangen, dass sie vorbildlich und verantwortungsvoll mit ihren Denkmalen umgeht. Wie will sie sonst eine Privatperson anhalten, die denkmalpflegerischen Auflagen zu erfüllen und zum Beispiel Holzfenster statt Kunststofffenster an ihrem Denkmal einzubauen?

Bereits am 23. März hat das Bürgerforum Stadtbild schriftlich bei Oberbürgermeister Glatthaar nachgefragt, wie die 150 000 Euro Baukosten für die Brunnenverschiebung errechnet wurden. Wir haben bis heute keine Antwort erhalten.

Mehr zum Thema

Kiliansbrunnen am Gänsmarkt

Bad Mergentheim: Brunnen-Streit soll zügig geklärt werden

Veröffentlicht
Von
Sascha Bickel
Mehr erfahren
Streit in der Kurstadt

Bad Mergentheim: Denkmalschutz bremst Pläne zur Versetzung des Kiliansbrunnens

Veröffentlicht
Von
Sascha Bickel
Mehr erfahren
Innenstadtentwicklung

Bad Mergentheim: Kiliansbrunnen auf Gänsmarkt wird um sieben Meter verlegt

Veröffentlicht
Von
Sascha Bickel
Mehr erfahren

Diese Summe wurde laut Zeitungsbericht im Stadtrat genannt, kommt also von der Stadt selbst. Weshalb kritisiert dann die Stadt „öffentlich verbreitete Behauptungen“, die Beträge von über 100 000 Euro zusammenhanglos in den Raum stellen würden? Das Bürgerforum freut sich im Allgemeinen, wenn die Stadt Geld zur Erhaltung ihrer historischen Bauten ausgibt. In der Ortsanalyse ist aufgelistet, dass der Kiliansbrunnen zuletzt 1995 und 2006 restauriert wurde.

Weshalb der Pressesprecher der Stadt von einer ohnehin notwendigen Restaurierung spricht, deren Kosten von den Kosten für die Verschiebung abzuziehen seien, ist unklar.

Jeder Interessierte kann den Zustand des Brunnens in Augenschein nehmen. Jeder, der wie ich der Meinung ist, der Kiliansbrunnen muss an seinem Platz bleiben und die nächste Restaurierung steht noch lange nicht an, kann der Stadt Vorschläge machen, wie das dadurch eingesparte Geld sinnvoller verwendet werden kann.

AdUnit Mobile_Footer_1