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Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 5)

St. Rochus als Pestheiliger besonders verehrt

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bfs
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Bad Mergentheim. Zum spätmittelalterlichen Spital für Arme, Sieche und auch Geisteskranke an der Wachbacher Straße, also außerhalb des Mergentheimer Mauerringes, gehörte auch eine St. Rochus geweihte Hauskapelle. Spätestens seit dem barocken Neubau des Spitals steht überm Eingang die Figur des Heiligen, der neben St. Sebastian vor allem als Pestheiliger angerufen wurde. Gelegentlich erscheint er auch im Kranz der Vierzehn Nothelfer.

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Rochus kam ums Jahr 1295 in Montpellier zur Welt. Von Geburt an trug er als Muttermal ein rotes Kreuz auf der Brust. Früh Waise geworden, verschenkte er sein Vermögen an die Armen und pilgerte 1317 nach Rom. Dort nahm er sich der Pestkranken an, infizierte sich dann in Piacenca aber selbst mit der Seuche. Weil ihn das Spital nicht aufnehmen wollte, zog er sich in eine Waldhütte zurück. Angeblich erschien dort ein Engel zu seiner Pflege, und ein Hund brachte ihm das tägliche Brot. Genesen machte sich Rochus auf den Rückweg in die Heimat. Dort tobte ein Bürgerkrieg. Der verdächtige Fremde, der sich aus Demut nicht zu erkennen gab, landete im Kerker, wo er 1322 starb. Bei dem Toten fand man das kreuzförmige Muttermal und setzte ihn in der Hauptkirche von Montpellier bei. Der Legende nach erschien an der Wand eine Schrift, die von dem frommen Wirken des Pilgers berichtete. So klang früh schon das Pestmotiv an.

Venedig und Nürnberg

Mit allen Attributen der Legende erscheint hier am gleichnamigen Spital St. Rochus. © bfs

Die enggebaute, wasserdurchflochtene Lagunenstadt Venedig war als Umschlagplatz von Gütern aus dem Orient besonders pestgefährdet. Schon im 15. Jahrhundert beschafften sich die Venezianer, man munkelte von Diebstahl, etliche Rochus-Reliquien und errichteten die Kirche San Rocco.

Nürnberger Kaufleute, voran die Patrizier Imhoff, lernten in Venedig den Kult kennen und stifteten einen Rochusaltar in der Nürnberger Lorenzkirche. Von da aus verbreitete sich die Verehrung des Heiligen in Franken. Rochusbruderschaften schlossen sich zur Krankenpflege zusammen.

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Seit dem 15. Jahrhundert wird Sr. Rochus in Pilgertracht dargestellt, oft mit Wanderstab Reisetasche, Feldflasche und St. Jakobsmuschel. Er gilt nicht nur als Nothelfer bei Epidemien, sondern auch als Patron der Wundärzte, Apotheker, Gefangenen und Totengräber. Der Mergentheimer Rochus weist ebenso wie ein kleiner Engel auf sein Pestmal am entblößten Bein. Darunter erscheint der Hund mit dem Brot im Maul. In Rheinfranken verehrt man ihn auch als Weinpatron, weil er angeblich Pestkranken kühlendes Reblaub auf die Geschwüre gelegt hat.

Berühmt ist Goethes behagliche Schilderung des Rochusfestes über Bingen, das er im Sommer 1814 miterlebt hat. Nachlesen lohnt. bfs

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