Kindergärten - Einrichtungen nehmen unter Auflagen Betrieb auf / Gruppen wechseln sich wöchentlich ab / Notbetreuung wurde erweitert Sprösslinge vermissten Spielkameraden

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Erzieherinnen müssen bei der Arbeit Maske tragen – die Kindergartenkinder nicht. © Kindergarten

Die Kinderbetreuung kommt langsam ins Rollen und die Sprösslinge freuen sich. Das Ganze funktioniert – wie vieles im Zusammenhang mit Corona – unter Auflagen.

Notbetreuung: Präsenzpflicht statt Systemrelevanz

Seit 27. April 2020 hat Baden-Württemberg die Notbetreuung ausgeweitet.

Seit dem Stichtag gilt das Angebot auch für Kinder ab der Klassenstufe sieben.

Auch Sprösslinge, deren Eltern einen präsenzpflichtigen Arbeitsplatz haben, und keine andere Betreuungsmöglichkeit haben, haben Anspruch darauf.

Somit können auch solche Eltern die Betreuung in Anspruch nehmen, die nicht in einem sogenannten systemrelevanten Job arbeiten.

„Wir sind uns der Belastung vieler Eltern sehr bewusst, aber wir müssen alle gemeinsam noch Geduld haben, bevor wir zur Normalität zurückkehren können. Der Gesundheitsschutz geht vor“, so Kultusministerin Susanne Eisenmann. gs

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Bad Mergentheim. Es gibt viele Einrichtungen, die gegenwärtig Besuchern verschlossen bleiben (müssen). Manche sind komplett zu und haben ihren Betrieb eingestellt, andere, wie etwa Kindergärten, können nur eine Notbetreuung bieten. „Nein, Sie können leider nicht rein“, sagt die Leiterin des Kindergartens Popsteistraße, Heike Ulshöfer. Wenn selbst die Eltern draußen bleiben müssen, kann der Reporter keine Sonderrechte verlangen. Die will der auch nicht, und so wird ein Telefongespräch vereinbart.

Nicht schnell genug

Das Schlimmste in Sachen Corona scheint überstanden, erste Lockerungen greifen. Auch in Sachen Kinderbetreuung geht es voran (wir berichteten). Für viele Eltern aus verständlichen Gründen nicht schnell genug – nicht alle Kinder, die sonst täglich in den Kindergarten gehen, dürfen auch jetzt (wieder) hin. „Es ist gut, dass weitere Lockerungen in Sicht sind“, sagt Ulshöfer. Sie weiß dabei, dass es für die, die noch nicht kommen können, „schlimm“ ist. „Das gilt für Kinder und Eltern gleichermaßen.“ Und so ist es ganz natürlich, dass „viele Eltern fragen, was kommt und wie es weitergeht.“ Die Leiterin macht gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich, „dass wir alle, also das Erzieherinnenteam, die Kinder und die Eltern einen großen Wunsch haben: Hoffentlich ist Corona bald vorbei.“ Die „Rückkehr zur Normalität“ sei erst „ein Stück weit“ erreicht. „Hoffentlich geht es bald weiter voran“, sagt Ulshöfer. Aber: Weder der Kindergarten, noch der Träger (die evangelische Kirchengengemeinde Bad Mergentheim), sondern alleine „das Land entscheidet“.

Noch aber hängt die vom Virus drohende Gefahr wie ein Damoklesschwert über der Welt – auch über dem Taubertal und der kleinen Welt des Kindergartens Popsteistraße. „Wir haben seit dem 27. April eine Notbetreuung angeboten“, sagt Heike Ulshöfer.

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Der regulär zweigruppige Kindergarten konnte anfangs nur eingruppig arbeiten – und auch diese eine Gruppe war, was die Anzahl der Kinder angeht, stark reduziert. „Nur die Kinder von ‚unabkömmlichen’ Eltern konnten kommen.“ Das gilt –bedingt erweitert – auch für den gegenwärtigen 50-Prozent-Betrieb. Und natürlich galt und gilt es, die vom Land vorgegebene Corona-Verordnung mit dem „Hygieneplan“ mit all seinen umfassenden Regeln zu beachten und die Einhaltung zu überwachen. „Wir nehmen unsere Verantwortung ernst.“ Die Kleinen haben mit den Hygiene-Regelungen „kein Problem“, sagt Ulshöfer.

Mittlerweile läuft der Betrieb wieder mit zwei Gruppen, allerdings „fahren wir nur mit halber Kraft, also mit 50 Prozent unserer Kapazität.“ Immerhin: „Es können jetzt wieder mehr Kinder zu uns kommen.“ Allerdings dürfen sich die Kinder der beiden Gruppen „nicht begegnen.“ Das sei schon „hart“ für die Kleinen. Denn schließlich ist ein Kindergarten ja ein Ort der Begegnung, „und viele kennen sich ja“. Mal eben schauen, was gerade in der anderen Gruppe läuft, müssen sich Fritzchen und Friederike also noch verkneifen. Die Eltern waren natürlich „auch nicht glücklich, aber es gab dennoch viel Verständnis“, berichtet Ulshöfer. Die Pandemie brachte für die ganze Gesellschaft teilweise harte Einschnitte ins gewohnte Leben. Die coronabedingten Einschränkungen betrafen alle, und natürlich bestimmen sie auch den Tagesablauf im Kindergarten.

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Nicht nur, dass die Zahl der Kinder begrenzt wurde (und nach wie vor ist), auch die Eltern mussten umlernen: „Mütter und Väter dürfen nicht rein, sie bringen die Kinder an einen separaten Eingang und holen sie dort auch wieder ab.“ Im Kindergarten selbst geht die Hygiene weiter: „Die Toiletten der beiden Gruppen sind getrennt, ebenso wie die Spielsachen.“ Und im Außenbereich hat jede Gruppe ihre eigenen Zeiten – „beide Gruppen dürfen nicht gleichzeitig draußen sein“. Spaziergänge, etwa in die Stadt oder in den Park, „gehen auch nicht. Das bedauern die Kinder ebenso sehr wie die Erzieherinnen“, sagt Ulshöfer.

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Wer einen Blick von draußen auf das Außengelände wirft, kann sehen, dass die Erzieherinnen eine Maske tragen. „Das gilt für drinnen wie für draußen“, betont Ulshöfer und ergänzt, dass die Kinder von dieser Vorgabe befreit sind. Der Hygieneplan werde „streng eingehalten“ – das sei „ganz wichtig“. Glücklicherweise bietet die moderne Technik viele Möglichkeiten der Kommunikation mit den Eltern beziehungsweise mit dem Kindergarten. „Wir versenden wöchentliche Mails und telefonieren mit den Eltern“, erläutert Ulshöfer.

Kurzum: Auch in schwierigen Zeiten „wollen wir so viel Normalität wie möglich schaffen“. Aufgestellt wurde auch ein „Notfallplan“ – „wenn was passiert, sind wie vorbereitet und wissen, was zu tun ist“. Notfälle habe es aber „zum Glück bisher noch nicht gegeben“. Trotz aller Einschränkungen „erfüllen wir die Vorgaben des Bildungsplanes“, der Kindergarten Propsteistraße bereitet die Kleinen auch in Corona-Zeiten zielgerichtet auf die Grundschule vor. Wie in allen Kindergärten laufen auch in dieser Einrichtung diverse Projekte, und die Kinder sind „eifrig dabei“. So werden gegenwärtig die Fensterläden abgeschliffen. „Sie haben noch Fensterläden“, fragt der Reporter erstaunt. „Aber ja“, sagt Ulshöfer, „und die richten wir jetzt her.“ Da werden sich alle Kinder (und Eltern) freuen, wenn der Kindergarten „nach Corona“ noch schöner ist als bisher.