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„Mergentheimer Steine erzählen, Teil 3“

Sonnensteinchen und Rädersteine

Klassisches Profil des Muschelkalks zeigt sich unterhalb von Burg Neuhaus

Von 
Wolfram Klingert
Lesedauer: 

Bad Mergentheim. Im dritten Teil der vom Bürgerforum Stadtbild konzipierten Serie „Mergentheimer Steine erzählen“ geht es um das klassische Profil bei der Burgruine Neuhaus.

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In den Flusstälern zeichnet sich der klassische Dreitakt des Muschelkalks oft deutlich im Profil ab, wie etwa am Kitzberg unterhalb der Burgruine Neuhaus.

Versteinerte Seelilie aus dem Oberen Muschelkalk. Aus dem Buch der Trillberggemeinde, begründet von Prof. Dr. Karl Schumacher. © Stadtarchiv

Der Untere Muschelkalk, auch Wellenkalk genannt, bildet eher steil ansteigende Wände. Dieser oft schroffkahlen Felswand folgte die eher abgeflachte, recht fruchtbare Feldterrasse des Mittleren Muschelkalks. Er barg Salzstöcke, die längst ausgewaschen, und Gipsflöze, die meist abgebaut worden sind, wie etwa am Ketterberg. So sank der Mittlere Muschelkalk in sich zusammen, flachte deutlich ab.

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Der hartschädelige Obere oder Hauptmuschelkalk lieferte das Material für die oft überbuschten Steinriegel, die bei den Rebumlegungen, wie etwa in Markelsheim, meist schnöde für den Bau der Wirtschaftswege abgebaut und verschottert worden sind. Hatten sich dafür Generationen von Weingärtnerfamilien gebückt und die mehr als faustgroßen Brocken zu den Steinriegeln an den Parzellengrenzen zusammengetragen? Jeder, der im Oberen Muschelkalk schon mal nach Petrefakten gesucht hat, kennt die winzigen, strahlig gekerbten Steintrommeln der Seelilie, die oft wahre Felsbänke aufbauen, wie etwa am Trillberg.

Die Seelilien des Muschelkalkmeeres waren keine Wasserpflanzen, sondern eine Art Seesterne auf langen wogenden Stielen. Viele runde Gliederteile bauten das Skelett der Seerosenstiele auf. Diese Fossilienfragmente haben etwa die Größe eines kleinen Fingernagels und wirken wie Miniaturen runder Mühlsteine. Ihre volkstümlichen Namen lauten Sonnensteinchen, Wichtelsteinchen, Rädersteine oder Bonifatiuspfennige.

Legendenbildung

Der Legende nach soll nämlich Bonifatius, der Missionar und Kirchenorganisator Deutschlands, das Geld undankbarer Heiden verflucht haben, so dass deren Münzen zu kümmerlichen Steinchen zusammenschnurrten. Früher wurden diese Stengelglieder sogar in der Apotheke verkauft und zwar „gegen Gliederzittern, Epilepsie, Melancholie und zur Hebung des Verstandes“. Wohl bekomm’s!

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