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50 Jahre Gemeindereform (Teil 12)

Schlag 12 Uhr wurde unter dem Läuten der Glocken der Vertrag unterzeichnet

Hachtel hatte sich lange Zeit einer Eingliederung widersetzt. Die Selbstständigkeit ging verloren, aber das Dorf ist „weiterhin lebenswert“

Von 
Joachim W. Ilg
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Zwar ist Hachtel mit seinen knapp 300 Einwohnern bei der Gesamteinwohnerzahl der Großen Kreisstadt Bad Mergentheim mit bald 25 000 nur ein kleiner Teil, aber der Spruch „Klein, aber oho“ ist für Ortsvorsteher Reinhard Brand durchaus naheliegend. © Joachim W. Ilg

Sozusagen fünf Minuten vor dem Ende der Freiwilligkeitsphase wurde Hachtel „freiwillig“ ein Stadtteil Bad Mergentheims. Der Gemeinderat stimmte einstimmig dafür.

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Hachtel. Schlag 12 Uhr und unter dem Läuten der Mittagsglocken wurde am Montag, 24. Juni 1974, im Bad Mergentheimer Rathaus die Eingemeindung von Hachtel in die Stadt Bad Mergentheim von Bürgermeister Dr. Mauch und dem stellvertretenden Hachteler Bürgermeister Gahm besiegelt. Damit nahm ein jahrelanges Tauziehen ein Ende.

Hachtel hatte sich lange Zeit einer Eingliederung widersetzt, bis es dann doch noch kurz vor der Zwangseingemeindung zu einer Annäherung kam, nachdem gewisse Forderungen des Dorfes, wie zum Beispiel der Bau eines Feuerwehrgerätehauses mit Löschwasserbehälter, akzeptiert worden waren.

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„Wenn auch durch die Eingemeindung die Selbstständigkeit verloren ging“, sei durch das Engagement der Hachteler Bürger und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat „das Leben im Stadtteil Hachtel weiterhin lebenswert“, stellte Ortsvorsteher Ernst Kümmerer elf Jahre nach der Eingemeindung fest.

Und welche Bilanz zieht der heutige Ortsvorsteher? Wir sprachen mit Reinhard Brand.

Wie sieht aus aktueller Sicht Ihre Bilanz dieser „Ehe“ aus?

Reinhard Brand: Die Bilanz sieht gut aus, Hachtel hat sich, wie auch die Stadt insgesamt, gut entwickelt. Die Infrastruktur ist in gutem Zustand, die Zusammenarbeit – für beide Seiten – zufriedenstellend. Berechtigte Belange des Stadtteils werden von der Stadtverwaltung, dem Oberbürgermeister wie auch dem Gemeinderat gehört. Streit gibt es unter den Ehepartnern eigentlich kaum.

Ist Hachtel in der Großen Kreisstadt gut aufgehoben?

Brand: Ja. Zwar ist Hachtel mit seinen knapp 300 Einwohnern bei der Gesamteinwohnerzahl der Großen Kreisstadt Bad Mergentheim mit bald 25 000 nicht viel, der Spruch „Klein, aber oho“ könnte aber auch hier passend sein. Die Eingemeindung von Hachtel nach Bad Mergentheim war damals sicher auch wichtig, damit Bad Mergentheim eine Große Kreisstadt wird, also Aufgaben einer Unteren Verwaltungsbehörde übernehmen und dadurch beispielsweise dem Bürger vor Ort nach wie vor Serviceleistungen anbieten kann, die durch den Wegfall des Kreissitzes ansonsten nur im „weit entfernten“, badischen Tauberbischofsheim angeboten worden wären.

Insoweit ist es also auch für die Hachteler nach wie vor von Vorteil, die Ehe mit Bad Mergentheim eingegangen zu sein und „andere Bräute“ ausgeschlagen zu haben.

Welche Vorteile, welche Nachteile sehen Sie?

Brand: Die Flurbereinigung, die Dorferneuerung und -entwicklung, der Bau des Dorfplatzes sowie des Dorfgemeinschaftshauses oder der Feuerwehrgerätehäuser, das Erschließen des Baugebietes in mehreren Abschnitten mit vorherigem Bau des Wasserhochbehälters samt Anschluss an die Nord-Ost-Wasserversorgung oder auch die Erweiterung des Friedhofes, all das wäre finanziell in den vergangenen knapp fünf Jahrzehnten ohne die Eingemeindung wahrscheinlich nie umsetzbar gewesen.

Nachteile gibt es eigentlich keine; schelmisch formuliert sitzt Hachtel mit seinen 13 Geschwistern (Kernstadt und Stadtteile) am Tisch und diskutiert, wer beim Verteilen was oder wie viel erhält.

Gibt es Reibungspunkte?

Brand: Eigentlich keinen nennenswerten. Vereinzelt werden Problemstellungen oder Fragen in die Verwaltung eingebracht, die dann keine Antwort erfahren und so der – sehr selten häufigeren – Nachfrage bedürfen. Bei einer steigenden personellen Fluktuation in der Verwaltung ist dies aber manchmal unvermeidlich.

Haben Sie Änderungswünsche?

Brand: Eigentlich keine. Die Regelungen der unechten Teilortswahl sehen einen Wohnbezirk, zusammen mit Wachbach, Rot und Herbsthausen, mit einer festen Anzahl an Sitzen im Gemeinderat, vor; dies soll, ja muss, so bleiben.

Die Ortschaftsverwaltung samt Verwaltungsstelle und Ortschaftsrat wie Ortsvorsteher sind wichtig, um in der großen Familie Serviceleistungen vor Ort, jedoch auch den Stadtteil in der Wahrnehmung, zu erhalten.

Sind die Stadtteile und die Kernstadt zusammengewachsen?

Brand: Auf jeden Fall. Auch die Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher sind ein Team. Viele Dinge wären ohne die Personalpower der Verwaltung auch nicht mehr leistbar für eine selbstständige Gemeinde mit knapp 300 Einwohnern.

Gleichwohl pflegen zum Beispiel die Vereine in Hachtel, wie in anderen Stadtteilen auch, ihr Eigenleben, auch wieder so, wie es der Vertrag vorsieht.

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