Wintereinbruch - Kreisjägervereinigung appelliert an Erholungssuchende, sich rücksichtsvoll zu verhalten „Rücksicht auf die Wildtiere in Wald und Flur nehmen“

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kjv
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Bei großer Kälte verlangsamen sich Atmung und Herzfrequenz der Rehe, um Energie zu sparen. © Kreisjägervereinigung

Bad Mergentheim. Im Main-Tauber-Kreis lädt die verschneite Winterlandschaft zum Aufenthalt in der Natur ein. Doch gerade jetzt brauchen Wildtiere mehr Ruhe, denn ihr Stoffwechsel läuft auf Sparflamme.

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Ob Taubertal oder die Nebentäler: Der Kälteeinbruch mit reichlich Schnee sorgt für ein Winterwunderland. Die verschneiten Wälder und Felder locken besonders viele Menschen nach draußen – vor allem jetzt während des Lockdowns. Für Wildtiere kann der menschliche Ansturm in die Natur aber zum Problem werden. Darauf weist Kreisjägermeister Hariolf Scherer hin und appelliert an Erholungssuchende, sich rücksichtsvoll zu verhalten.

Um über Winter Energie zu sparen, verringert sich vor allem bei wiederkäuenden Wildarten, wie zum Beispiel dem Reh der Stoffwechsel drastisch. Sogar Atmung und Herzfrequenz verlangsamen sich. So sinkt der Herzschlag von regulär 60 Schlägen pro Minute auf 30. In der Folge sinkt die Körpertemperatur in den Beinen deutlich ab. Bei Rotwild und Reh schrumpft sogar der Verdauungstrakt über die Wintermonate. Nicht die Außentemperatur beeinflusst bei diesen Wildarten den Stoffwechsel, sondern die Dauer des Tageslichtes.

Die Kreisjägervereinigung Mergentheim bittet Waldbesucher, Wege nicht zu verlassen und Hunde angeleint zu lassen. Jede unnötige Flucht verbraucht in der nahrungsarmen Zeit wertvolle Energie. Vor allem Rehe, die in den Wintermonaten in sogenannten Sprüngen zusammenstehen, scheinen besonders zutraulich, da sie nicht sofort flüchten, sobald sie Menschen sehen. Sie warten bis zum letzten Moment, bevor sie eine kräftezehrende Flucht starten.

Tierische Strategien gegen Kälte

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Ausruhen, schlafen, Fettreserven anlegen oder Winterkleidung: Wildtiere trotzen mit unterschiedlichen Methoden der kalten und nahrungsarmen Zeit. Alle verfolgen ein Ziel: Energie sparen und nochmals Energie sparen.

Menschen ziehen sich in der kalten Jahreszeit wärmer an, ähnlich machen es viele Tiere, indem sie sich ein Winterfell zulegen. Ein dichter Pelz mit Unterwolle schützt vor Auskühlung, Luftpolster zwischen den Haaren sorgen für Isolation. So ist das Winterhaar des Rothirsches doppelt so lang wie sein Sommerhaar und das Reh trägt im Winter Dauerwelle: Die hohlen Haare verhaken sich und halten so die isolierende Luftschicht besser. Im Winterfell des Feldhasen staut sich die Luft zwischen den Wollhaaren. Vögeln hilft ihr Federkleid: Sie plustern sich auf, die Luftschicht zwischen den Federn wärmt sie wie eine Daunenjacke. Sie fetten ihre Federn zudem gründlich ein, so dass kein Wasser durchdringen kann.

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Ein dicker Mantel allein genügt jedoch nicht, um die karge Jahreszeit zu überleben. Reh, Hirsch, Wildschwein, Fuchs und Hase fressen sich im Herbst beispielsweise Fettreserven an, von denen sie bis ins Frühjahr zehren können. Einige Tiere halten Winterruhe, beispielsweise der Dachs.

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Sie wachen gelegentlich auf und verlassen ihren Bau, um in der nahen Umgebung ihres Schlafplatzes bei mildem Wetter nach Nahrung zu suchen. kjv