Bürgerforum „Stadtbild“

Pflaster erfordert solides Handwerk

Serie „Mergentheimer Steine erzählen“ (Folge 15)

Von 
bfs
Lesedauer: 
Altfränkisches Muschelkalkpflaster im Pfarrgang. © Wolfram Klingert

Bad Mergentheim. Jeder trampelt auf ihm herum, dem Pflasterstein. Aber die alten Mergentheimer, die den massigen Pflasterermeister Endres aus der Oberen Mauergasse auf seinem zerbrechlich anmutenden Dreibein auf dem Oberen Markt klopfen sahen, ahnten, dass Pflastersteine solides Handwerk erforderten.

Aus den schützenden Wundpflaster wurde der Begriff im späten Mittelalter auf den mit Steinen befestigten Boden der Straßen und Plätze übertragen. Erstmals ist dies 1387 angeblich in einer Würzburger Verfügung belegt. Man nahm zwar mit Vorrang hartes Gestein, wie bei uns den Hauptmuschelkalk; trotzdem nutzte sich das Kopfsteinpflaster ganz allmählich ab, von den Ausgaben für Handwerkerlöhne bei der Anlage gepflasterter Wege zu schweigen.

So erhob die Obrigkeit ihre Gebühren für die Nutzung der früher bei schlechtem Wetter verschlammten Straßen. Die Gemeinden hatten meist ihren Anteil daran. So kassierte die Stadt Mergentheim, von Württemberg 1809 frisch annektiert von jedem Pferd einen bis zwei Kreuzer, von jedem Stück Rindvieh die Hälfte. Die verödete Residenzstadt protestierte, sie werde so kaum mehr 400 Gulden erlösen, während die höhere Taxe in der Ordensära bis zu 1800 Gulden eingetragen habe. Für Auswärtige wurden Brückentaxe und Pflastergeld an den Stadttoren erhoben. Hans Heinrich Ehrler fand 1926 an der ehemaligen Poststation, jetzt Rüdenauer am Marktplatz, an einem Pflasterstein noch den Ring für das Pferdegespann der Postkutschenzeit.

Mehr zum Thema

Wetter

Der Winter meldet sich zurück - Unfälle und Schulausfälle

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren

Er hat gerade noch die Kurve gekratzt, meint eine Redensart. Das verweist auf die Prellsteine. Radabweiser, Kratzsteine, Abweichsteine oder Radstösser an Straßenecken und Toreinfahrten. Das waren und sind meist abgerundete kegelförmige Steine. In den Städten und Dörfern waren die Kurven früher oft recht eng, und die Wägen hatte noch eine starre Hinterachse. Wenn es zu eng wurde, geriet man mit der Nabe an den Prellstein, nicht an die verletzlichere Hauswand. Und die Wagenachse geriet wieder in die gewünschte Richtung. bfs