Begegnungstag für Frauen aus Stadt und Land - Referentin Birgit Bronner widmete sich dem Thema „Weniger ist mehr“ Ohne Verzicht wird Leben nicht gelingen

Von 
fi
Lesedauer: 

Markelsheim. „Weniger ist mehr“: Unter diesem Motto stand der Begegnungstag für Frauen aus Stadt und Land, der in diesem Jahr in Markelsheim durchgeführt wurde. Gut einhundert Frauen aus dem ganzen Bezirk trafen sich dazu im hübsch hergerichteten Pfarrsaal von St. Kilian.

AdUnit urban-intext1

Die Jakobs Stubnmusi eröffnete das Programm. Gastgeberein Anja Leuchs (Markelsheim) ging in ihrer Begrüßung auf das Thema des Tages „Weniger ist mehr“ ein und wies darauf hin, dass man eigentlich von allem zu viel habe: zu viel Mühe, zu viel Arbeit, zu viele Erwartungen

Es folgten die Grußworte. Zunächst stellte Doris Blank kurz den Bezirk vor, für den sie nun verantwortlich zeichnet. Sie betreut im Bezirk Mergentheim/Künzelsau insgesamt rund 520 Frauen in acht Zweigvereinen. Ihr Dank galt dem gastgebenden Zweigverein Markelsheim und hier im Besonderen dem Vorbereitungsteam.

Vor allem „Verführung“

Conny Lehr vom Diözesanvorstand der Landfrauen und stellvertretende Vorsitzende der Landfrauenvereinigung nahm in ihrem Grußwort das Einkaufsverhalten in den Fokus. „80 Prozent der Einkäufe nutzen wir überhaupt nicht“ und „Die Werbung verführt uns, einzukaufen, ohne etwas zu brauchen.“ Ihr Dank ging in erster Linie an Claudia Kemmer für zwölf Jahre geleistete Arbeit als Bezirksverantwortliche, aber auch an Doris Blank: „Wir brauchen Frauen, die Verantwortung übernehmen“.

AdUnit urban-intext2

Ortsvorsteherin Claudia Kemmer stellte Markelsheim mit seiner hervorragenden Infrastruktur vor. Doch der wahre Schatz seien die Menschen in Markelsheim, vor allem die KDFB-Frauen, die jedes dörfliche Ereignis, jedes Fest tatkräftig unterstützen, die mit gut 200 Mitgliedern der größte Zweigverein in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind. Das gemeinsam gesungene Lied von der wahren Freundschaft, die nicht wanken soll, begleitet von der Jakobs Stubnmusi, schloss den ersten Teil der Veranstaltung ab.

Qual der Wahl

Referentin Birgit Bronner aus Stuttgart wies darauf hin, dass sich zu dem Thema „Weniger ist mehr“ meterweise Ratgeber in den Buchhandlungen finden; das bedeute doch, dass „alles haben“ nicht automatisch Zufriedenheit gebe.

AdUnit urban-intext3

Das übergroße Angebot in fast allen Lebensbereichen stelle den Menschen immer wieder vor die Qual der Wahl. Die Industrie stütze das Angebot noch dahingehend, dass es fast keine Reparaturmöglichkeiten bei kleineren Schäden beziehungsweise keine passenden Ersatzteile gebe.

AdUnit urban-intext4

Sie stehe hier aber nicht als Verbraucherschützerin, sondern als Geistliche Beirätin. Was habe das Thema also mit Religion zu tun? Birgit Bronner führte aus, dass fast alle Religionen wichtige Impulse zu diesem Thema – zum Beispiel durch festgelegte Fastenzeiten – geben. Daneben seien auch immer Zeiten des Verzichts nötig, denn genießen und verzichten gehörten zusammen, so die Referentin. Nach Verzicht sei Genuss wesentlich bewusster.

Birgit Bronner stellte anschließend nach Erich Fromm die zwei grundsätzlich unterschiedlichen Lebensweisen vor, die des Habens und die des Seins. Während die Lebensweise des Habens sich auf den Besitz, das Besitzergreifen konzentriert, ist die Lebensweise des Seins mehr auf das Jetzt, auf das Erleben, das Leben an sich gerichtet.

Diese Lebensweisen sind die zentrale Frage jeder Religion. Doch der Wunsch, die Gier, etwas haben zu wollen, ist jedem vertraut, ist etwas zutiefst Menschliches. Gierig sein, nicht nur nach Materiellem, sondern auch nach Wissen, Anerkennung, Macht, kann alle Bereiche des Lebens bestimmen. Wichtig aber sei, man dürfe sich nicht von seiner Gier beherrschen lassen, so die Rednerin. „Ich muss Grenzen setzen, mich immer wieder neu bewusst entscheiden, sonst wird mein Leben nicht gelingen, denn Werbung und Wirtschaft benutzen unsere Gier“, sagte Birgit Bronner.

Reger Austausch

Beispiele aus dem Neuen Testament folgten, zunächst die Versuchungen Jesu in der Wüste. Das Beispiel der Bergpredigt sollte zeigen, dass die Begriffe arm und reich nicht an Besitz gebunden sind. Die darauffolgende Frage an die Frauen: „Was macht mich in meinem Leben glücklich und zufrieden? Was macht den Menschen zu einem zufriedenen und glücklichen Menschen?“ führte zu einem regen Austausch zwischen den Frauen.

Birgit Bronner ging auch auf die Gier nach Sicherheit ein. Mit allen möglichen Versicherungen und Absicherungen versuche man, sein Leben sicher zu machen. Aber man könne sich nicht gegen alles sichern, absolute Sicherheit könne niemand geben. Das Scheitern gehöre zum Leben dazu, genauso wie die Veränderung. Als letzten Punkt stellte Birgit Bronner den aufmerksamen Zuhörerinnen die zwölf Schritte zur Befreiung von der Gier von Anselm Grün vor.

Das „Maß“ als Richtschnur

Zum Abschluss ihres Vortrages zitierte die Referentin den heiligen Benedikt und seinen Grundsatz zum rechten Maß. Die maßvolle Unterscheidung, von allem nicht zu viel und nicht zu wenig, eben das rechte Maß, sei, so Birgit Bronner, eine gute Richtschnur für ein gelingendes Leben.

Lang anhaltender Beifall zeigte, dass die Frauen von Birgit Bronners Vortrag sehr angetan waren. Nach Musik und gemeinsam gesungenen Liedern diskutierte man noch lange das eben Gehörte.

Der Begegnungstag wurde durch eine gemeinsame Eucharistiefeier in der St. Kilianskirche abgeschlossen. Dekan Ulrich Skobowsky ging in seiner Predigt auf das Thema des Tages ein.

Weniger ist mehr brauche Mut, sagte Skobowsky, „Wer sich dafür entscheidet, muss loslassen können“ Der Dekan wies auf Jesus hin, der von sich sagte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Mit dem „Marienlied“ endete dieser gut gelungene Begegnungstag, der im nächsten Jahr an einem anderen Ort seine Wiederholung finden soll. fi