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Kommunalpolitik

„Nichtstun ist nicht mein Ding“

Langjähriger Stadtrat und ehemaliger Gymnasiallehrer Klaus-Dieter Brunotte feiert an diesem Mittwoch seinen 75. Geburtstag

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Bad Mergentheim. Er ist wenn nicht der, so zumindest einer der dienstältesten Gemeinderäte Deutschlands. Seit 1971 gehört er dem Gemeinderat Bad Mergentheims an, und nach wie vor ist der Sozialdemokrat auch anderweitig engagiert. Klaus-Dieter Brunotte feiert an diesem Mittwoch seinen 75. Geburtstag.

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Er ist bekannt wir der sprichwörtliche bunte Hund, und das ist kein Wunder. Schließlich hat er als Gymnasiallehrer – erst in Ansbach, dann in Rothenburg, Uffenheim, Wertheim und von 1980 bis zur Pensionierung 2011 in Weikersheim – Generationen von Schülern unterrichtet. Sein Studium der Germanistik, Historik und Sozialwissenschaften absolvierte er in Würzburg.

1969 in SPD eingetreten

Er ist einer der dienstältesten Gemeinderäte in ganz Baden-Württemberg: Klaus-Dieter Brunotte feiert an diesem Mittwoch seinen 75. Geburtstag. Er hat sogar ein Spiel erfunden. Der „Bad Mergentheimer Rundgang“ (Bild) entstand in Kooperation mit den Fränkischen Nachrichten, der Erlös ging damals an die Jugoslawien-Hilfe. © Hans-Peter Kuhnhäuser

1967 gründete Klaus-Dieter Brunotte mit weiteren Genossen die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialisten in Bad Mergentheim, machte 1968 sein Abitur am Deutschorden-Gymnasium und trat 1969 in die SPD ein. Im Ortsverein und im Kreisverband hatte er verschiedene Funktionen inne, etwa als Juso-Sprecher im Kreisvorstand oder Zweitkandidat bei der Landtagswahl 1996.

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1971 schaffte er den Sprung in den Gemeinderat, damals wurde er bundesweit bekannt, auch die Bild-Zeitung über seine Wahl als damals jüngster Gemeinderat im Ländle.

Dem Gremium gehört er nun seit mehr als 50 Jahren an: rekordverdächtig. Für die SPD im Gemeinderat wirkte er von 1978 bis 2019 als Fraktionsvorsitzender, seit 2004 ist er einer der Stellvertreter des Oberbürgermeisters.

Vielfältig engagiert

Auch anderweitig war und ist Brunotte stark engagiert, so etwa als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees mit dem italienischen Borgomanero. Auch die Partnerschaft mit Digne-les-Bains (Frankreich) und Fuefuki in Japan begleitet er engagiert. Brunotte ist außerdem Gründungsmitglied des Freundeskreises „Ehemalige jüdische Mitbürger“.

Seit fünf Jahrzehnten ist der Pädagoge auch Stadtführer, so leitet er auch Solo-Führungen als Eduard Mörike kostümiert sowie mit Heidi Deeg als „Mörike und Clara“. 2004 war er Initiator, Gestalter und Sachbearbeiter des der Stadt gespendeten historischen Mörikeweges. 2006 gründete Brunotte die 5000-Meter-Gemeinderatsstaffel „Die Ratseinheit“, die beim Mergentheimer Stadtlauf seither präsent ist. 2008 wurde er Mitglied des Festkomitees „950 Jahre Bad Mergentheim“ und Organisator der Festumzugsgruppe „Reichspräsident Friedrich Ebert zur Kur in Bad Mergentheim“. 1992 wirkte er als Organisator und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gruppe zur Integration der so genannten Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen UdSSR und Russland. Seit 2015 gibt er ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge, im selben Jahr war er Gründungsmitglied der „Geschichtswerkstatt Bad Mergentheim“.

2500 Stadtführungen absolviert

Für Besuchergruppen aus den Partnerstädten leitet Brunotte Stadtführungen in Englisch und Französisch. Insgesamt seien es wohl „rund 79 000 Personen“ gewesen, denen er bei „mehr als 2500 Führungen“ die Stadt erklärte. Was es dazu zu erzählen gibt? „Oh, da wäre viel zu berichten“, sagt der Jubilar. Er erinnert sich noch an die größte Gruppe, die er jemals geführt hat: „140 Bundeswehrsoldaten in Uniform, die ich von der Deutschorden-Kaserne in die Stadt geführt habe. Das war für viele Mergentheimer ein überraschendes Bild: der Brunotte vornweg, ihm folgen die Soldaten in Uniform“.

Außergewöhnlich war auch die Führung mit dem ehemaligen rumänischen König Michael und seiner Frau Anna. „Die waren ganz locker, also völlig anders als es mir vorher geschildert wurde“, versichert er.

Gorbatschow kam nicht

Sogar auf eine „Stand-by-Führung“ weist Brunotte im Gespräch mit der FN hin: „Eigentlich sollte ich Michail Gorbatschow die Stadt zeigen, aber das war nicht nur ein geheimer, sondern auch ein echter Geistertermin. Gorbatschow kam nicht; die Organisatoren und Sicherheitsleute hatten sich kurzfristig umentschieden. Das finde ich immer noch sehr schade“, sagt Brunotte.

Auch in seinen 50 Jahren als Stadtrat hat er einiges erlebt. Etwa der „Mergentheimer Fenstersprung“: Nach einer Sitzung mit dem damaligen OB Dr. Elmar Mauch hatten die Raumpflegerinnen die Türen abgeschlossen. Es blieb also nur der Sprung aus dem WC-Fenster. „Das ging dann viral“, lacht der Jubilar.

Sein vielfältiges Engagement, zu dem er feststellt: „ich fühle mich ausgelastet, aber nicht überlastet“ – sieht der mittlerweile „begeisterte Opa“ gelassen, denn „Nichtstun ist nicht mein Ding“.

Ob er allerdings ein weiteres Mal für den Stadtrat kandidiert, ist noch offen. „Das werde ich mit meiner Familie, dem Ortsverein und der Fraktion besprechen. Die Entscheidung reift noch“, verrät Brunotte zum Schluss.

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