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Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 9)

Nicht so lachend wie in der Romanik

Von 
Lydia Lauer
Lesedauer: 

Bad Mergentheim. Unsere Spital-Madonna ist weit und breit, über den Taubergrund hinaus, die schönste Frau und Mutter aus der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik. Die Figur wurde ungefähr im Jahr 1280 geschaffen. Der Künstler ist unbekannt.

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Es gibt Vermutungen, dass sie ursprünglich in der von den Johannitern zwischen 1250 und 1270 gebauten Stadtpfarrkirche aufgestellt war. Sie ist 117 Zentimetern hoch und in Sandstein voll ausgearbeitet. Sie wird vom Experten Otto Schmitt der damaligen Metropole der süddeutschen Bildhauerkunst zugeschrieben, Straßburg (siehe Otto Schmitt in „Heilige Kunst 1941“ Mitgliedsgabe des Kunstvereins der Diözese Rottenburg). Für die Verfasserin – mit Blick aus der heutigen Zeit – hat sie den geheimnisvollen Blick der Uta von Ballenstedt aus dem Naumburger Dom. Sie ist die zeitloseste und schönste Madonna der damaligen Staufer-Zeit. Die Heiligen werden erdbezogener, das Gotteskind wird Mensch. Die Bildhauer hatten aber noch Probleme Emotionen im Gesichtsausdruck realistisch darzustellen. Auch ohne die verloren gegangene Krone ist Maria eine vornehme damalige Zeitgenossin.

In der Südseite der Martinskapelle ist eine Nische, in der eine Kopie der zirka 740 Jahre alten Madonna steht. © Lydia Lauerp

Sehr gut ausgearbeitet ist die Rückseite der Statue. Das Kind greift nach dem Kopftuch der Mutter. Von der Seite betrachtet ist Maria eine liebliche junge Frau. Ihr Gesicht ist nicht mehr so lachend wie in der Romanik. Es ist geheimnisvoll tiefgründig. Die recht Hand der Mutter und die linke des Kindes berühren sich liebe- und achtungsvoll. Maria weist mit ausgestreckten Fingern auf den Gottessohn hin, was das Kind als Immanuel in den Mittelpunkt rückt. Der Gesichtsausdruck von Jesus ist der eines alten Mannes trotz Grübchen in den Wangen. Die Menschen im Mittelalter konnten sich Gott, der für sie über den Wolken war, nicht als Kind vorstellen. In einer Wandnische an der Martinskapelle steht seit Alters her eine Kopie. Das Original befindet sich im Deutschordensmuseum im ersten Stock, Abteilung Stadtgeschichte. Es kann dort besichtigt werden. An unterschiedlichen Stellen der voll ausgearbeiteten Gestalten sind Farbreste erkennbar (Kopftuch weiß, Kleid blau, Brusttuch rot).

Mögen noch viele Menschen sich an unserer Spital-Madonna erfreuen und viele Mitbürger und Gäste diese starke Frau als Hilfe in den Alltag mitnehmen. Lydia Lauer

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