„Erlacher Höhe Hohenlohe-Franken“ - Bärbel Berberich-Kratzer, die die Beratungsstelle aufgebaut hat, wurde verabschiedet Nachfolgerin heißt Verena Preis

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peka
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Nach langjährigem Einsatz in der Beratung wohnungsloser Menschen in Bad Mergentheim wurde Sozialdiakonin Bärbel Berberich-Kratzer (rechts) durch Abteilungsleiter Oliver Klein vom diakonischen Unternehmen „Erlacher Höhe“ verabschiedet. Nachfolgerin wurde Sozialarbeiterin B.A. Verena Preis (links). © Peter Keßler

Umsichtig und kompetent hat Bärbel Berberich-Kratzer seit 2008 die Fachberatungsstelle der „Erlacher Höhe“ für wohnungslose Menschen aufgebaut und geführt. Jetzt wurde sie verabschiedet.

Die „Erlacher Höhe Hohenlohe-Franken“

Die „Erlacher Höhe Hohenlohe-Franken“ unterhält ihre Fachberatungsstelle für Menschen in sozialen Notlagen am Hans-Heinrich-Ehrler-Platz 46 in Bad Mergentheim. Geöffnet ist derzeit montags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Sozialarbeiterin B.A. Verena Preis berät dort ohne Anmeldung. Sie ist auch zuständig für das „Ambulant Betreute Wohnen“ und den „Mittagstisch Plus“.

Der „Mittagstisch Plus“ bietet bedürftigen Menschen ein gesundes, gehaltvolles Mittagessen zu geringem Preis und ein offenes Ohr für ihre Anliegen und Nöte. Derzeit ist nur eine Abholung möglich – mittwochs ab 12 Uhr am evangelischen Gemeindehaus, Härterichstraße 18, und freitags ab 12 Uhr bei der Liebenzeller Gemeinschaft, Unterer Graben 6.

Gegründet wurde die „Erlacher Höhe“ 1891 als Arbeiterkolonie in Großerlach. Heute ist die Erlacher Höhe mit Sitz in Großerlach ein diakonisches Sozialunternehmens mit 16 Standorten in Baden-Württemberg. Unterstützt werden wohnungslose, (langzeit)-arbeitslose, suchtkranke, pflegebedürftige und in anderer Weise benachteiligte Menschen. Neue Arbeitsbereiche sind Flüchtlingshilfe und Jugendhilfe.

Mit ihren Angeboten erreicht die Erlacher Höhe täglich rund 1600 Menschen.

Die „Erlacher Höhe Hohenlohe-Franken“ ist Mitglied des Diakonischen Werks der evangelischen Landeskirche in Württemberg. peka

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Bad Mergentheim. Sozialdiakonin Bärbel Berberich-Kratzer habe in Kurstadt und im Landkreis eine vorbildliche Arbeit geleistet, stellte Oliver Klein, Abteilungsleiter für die „Erlacher Höhe Hohenlohe-Franken“, bei ihrer Verabschiedung fest. Sie habe die Fachberatungsstelle geprägt durch ihre Persönlichkeit und ihre fachliche Kompetenz. Immer wieder habe sie Neues angestoßen und sich mit Kooperationspartnern für das Wohl der ihr anvertrauten Menschen eingesetzt. Wohnungslose und Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten seien bei ihr in guten Händen gewesen.

Seit 1997 war Bärbel Berberich-Kratzer bei der „Erlacher Höhe“ beschäftigt, zunächst in der Fachberatungsstelle mit Aufnahmehaus in Künzelsau. Von dort aus leistete sich im Main-Tauber-Kreis „aufsuchende Hilfe“ und war auch 2004 an der Gründung des „Runden Tisches“ in der Kurstadt beteiligt. Mit im Boot waren außer der „Erlacher Höhe“ beide Kirchengemeinden der Stadt, Diakonie, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Stadtverwaltung und Polizei.

Eine eigene Fachberatungsstelle für Bad Mergentheim und den Landkreis, schon damals ins Auge gefasst, konnte die „Erlacher Höhe“ dann auch dank der Fördermittel des Kreises 2008 gründen. Jetzt waren zuverlässige Öffnungszeiten und ein niederschwelliges Beratungsangebot möglich. Berberich-Kratzer hatte ein offenes Ohr für die Hilfesuchenden. Die brachten meist ein ganzes Bündel von individuell oder strukturell bedingten Problemfeldern mit, die sie in eine prekäre Lebenssituation geführt hatten. Es war nicht leicht, für mutlose und resignierte Menschen um den Erhalt einer Wohnung zu kämpfen. Und wenn einer schon auf der Straße lebte, war eine Veränderung doppelt schwer.

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Gute Kontakte, auch zum Jobcenter, zur Sucht- und Schuldnerberatung und zum Sozialamt waren da wichtig, die Mitfinanzierung durch den Main-Tauber-Kreis unentbehrlich. Bei den Treffen des „Runden Tisches“ bedachte man weiterhin übergreifende Lösungen. Ende 2018 startete dann der „Mittagstisch plus“ für bedürftige Menschen, denn Diplom-Pädagogin Gabriele Werner, ebenfalls von der „Erlacher Höhe“, koordinierte.

Jetzt Anfang 2021 kann Bärbel Berberich-Kratzer, die aus gesundheitlichen Gründen in Rente geht, ein gut bestelltes Haus übergeben. Die Beratungsstelle, so betont sie, „war mein Kind“. Weit sei es gediehen, inzwischen sei sie „auf der Zielgerade zur Volljährigkeit“. Da könne sie die vor langen Jahren übernommene Aufgabe „gut loslassen“ – auch ihre Nachfolgerin, das habe sie gleich gemerkt, könne „gut zuhören, den Menschen und den Kooperationspartnern“. Gemeinsam zu überlegen und zu handeln, darauf komme es an.

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Ein letzter Wunsch freilich ging noch nicht in Erfüllung. „Es müsste doch“, so stellt die Sozialdiakonin fest, „auch in Bad Mergentheim möglich sein, dass Menschen, die auf der Straße sind oder in prekären Wohnverhältnissen leben, ohne Komplikationen ihre Wäsche waschen und duschen können“. Einen Waschsalon gebe es in der Kurstadt nicht, es müssten andere Möglichkeiten geschaffen werden.

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Jetzt hat Verena Preis, Sozialarbeiterin B.A., die Arbeit der „Erlacher Höhe“ für Bad Mergentheim und den Main-Tauber-Kreis übernommen. Sie ist hier keine Unbekannte: In Bad Mergentheim ist sie geboren und aufgewachsen, studiert hat sie in Würzburg. Danach war sie vier Jahre in Stuttgart in der Wohnungsnotfallhilfe tätig und hat dort Erfahrungen mit wohnungslosen Menschen gesammelt. „Jetzt möchte ich gern wieder in der Heimat arbeiten und meine Erfahrungen auch im ländlichen Raum anwenden“, betonte Verena Preis bei ihrer Einführung.

Auch Oliver Klein zeigte seine Freude. Es sei „toll, dass sich jemand aus der Region gefunden hat, eine fachkundige Frau, die hier verwurzelt ist und auch noch Erfahrungen aus der Großstadt mitbringt“. Verena Preis werde verantwortlich sein für die Fachberatungsstelle, die Begleitung im „Ambulant Betreuten Wohnen“ und auch den „Mittagstisch plus“.

Die „Erlacher Höhe“, so der Abteilungsleiter, habe den finanziellen Einsatz erhöht, um noch mehr Präsenz zeigen zu können. Auch zu Coronazeiten sei man in der Beratungsstelle da für die Menschen. Eine vorherige telefonische Anmeldung sei nützlich, aber die „Erlacher Höhe“ sei auch ohne Voranmeldung erreichbar. peka